Die Eine hat Simone de Beauvoir als Bild im Arbeitszimmer, die Andere hat ihre Bücher im Regal und die Dritte hat ihr Foto als Bildschirmschoner. Drei Frauen diskutieren am Donnerstag im
Berliner Willy-Brandt Haus über Feminismus. Geladen hat der Verlag vorwärts-buch, Anlass ist die Neuerscheinung des Buches von
Inge Wettig-Danielmeier und Katharina Oerder: "Feminismus - und Morgen? Gleichstellung jetzt."
Mit der rechtlichen Gleichstellung sei man weit gekommen, stellt die ehemalige CDU-Frauen- und Familienministerin Rita Süssmuth gleich zu Beginn klar, doch von einer Neugestaltung der
Gesellschaft seien wir weit entfernt: "Der Gestaltungseinfluss von Frauen heute ist sehr gering". Durch die profitorientierte Globalisierung sei eine neue Ungleichheit entstanden, erklärt
Süssmuth: "Die Armut von Frauen ist beunruhigend".
Ein Grund mehr für einen Feminismus für Alle zu streiten, folgert sie und erhält Zustimmung von der jungen SPD-Politikerin Katharina Oerder, die sich für mehr Solidarität in den
verschiedenen feministischen Strömungen einsetzt. "Es muss wieder Sinn machen sich zusammenzuschließen, nicht ohne die Schwächsten im Auge zu haben." Das Ehegattensplitting müsse weg, sagt sie,
und die Minijobs auch.
Die ehemalige
SPD-Schatzmeisterin Inge Wettig-Danielmeier warnt: "Biologisch geführte Argumente kommen wieder." Erfolg habe der
Kampf um Gleichstellung nur, wenn er über Fraktionen hinweg geführt werde. Ihr Buch stehe nicht für Konfrontation.
Als Beispiel für nicht solidarisches Verhalten unter Frauen nennt Süssmuth die Buchveröffentlichung der Journalistin
Bascha Mika mit dem Titel "Die Feigheit der Frauen". Mangelnder Mut sei nicht das Gleiche wie Feigheit, kritisiert
Süssmuth. Der Titel habe sie sehr geärgert, weil in ihm jenes unsolidarische Verhalten von Frauen untereinander spürbar werde, der gemeinsame Erfolge so schwierig mache.
"Wir sind konzeptionell besser als wir strategisch sind", sagt sie. Es fehlt den Frauen der Mut, sich unbeliebt zu machen, fügt sie hinzu. Mut machen an diesem Tag jedoch diese drei Frauen,
die gemeinsam über die Zukunft des Feminismus debattieren. Mit Geschichten, Überzeugung und viel Engagement.
»Feminismus - und morgen?«
Eine Buchvorstellung
mit Doris Schröder-Köpf, Inge Wettig-Danielmeier und Katharina Oerder zum 100. Internationalen Frauentag.
Zeit: Dienstag, 8. März 2011, 19:00 Uhr (Einlass 18:30 Uhr)
Ort: Willy-Brandt-Haus, Stresemannstraße 28, 10963 Berlin
Weitere Informationen unter
www.vorwaerts-buch.de







