Unter dem Motto "Vorwärts Frauen - nach vorn" nimmt die Braunschweiger ASF die niedersächsischen Kommunalwahlen am 11. September zum Anlass, mehr Frauen für die Kommunalpolitik zu begeistern.
"Mir sind die Räte im Bezirk Braunschweig entschieden zu männlich", sagt Annegret Ihbe, ASF-Vorsitzende in Braunschweig und Mitglied ihrer Fraktion im Rat der Stadt. Ihr Vorschlag: "Die Verantwortlichen in der SPD sollten dafür sorgen, dass Frauen gezielt für aussichtsreiche Listenplätze nominiert werden." Nicht ohne Stolz weist die 59-Jäh-rige darauf hin, dass der SPD-Bezirk Braunschweig das Reißverschlussverfahren, nach dem alle kommunalen Wahllisten abwechselnd mit Frauen und Männern besetzt werden, verbindlich in seine Satzung aufgenommen hat. Dass die Vorgabe Früchte trägt, zeigt die Zusammensetzung ihrer Ratsfraktion: Sieben der insgesamt 15 Ratsmitglieder sind Frauen.
Auch in der SPD noch nicht angemessen vertreten
Und doch sieht Ihbe die Notwendigkeit, mehr Frauen für die Kommunalpolitik zu gewinnen. Nicht nur, dass es Frauen gegenüber noch immer Vorbehalte gebe - auch die Frauen selbst trauten sich oft weniger zu als ihre männlichen Genossen. "Viele Frauen scheuen sich noch davor, die Männer zu verdrängen." Um das zu ändern, hat die Braunschweiger ASF ein Bündel von einzelnen Projekten geschnürt.
Auch in der SPD seien Frauen noch immer nicht angemessen vertreten und "wenn Frauen fehlen, müssen wir zeigen: Es gibt sie, aber sie müssen sich auch artikulieren", sagt Ihbe. Deshalb schrieb die Braunschweiger ASF im vergangenen Jahr alle weiblichen Mitglieder an und lud zum Austausch ein. Die Resonanz war groß, die Themenpalette breit. "Wir konnten viele Frauen aktivieren, die sonst nicht mitmachen", berichtet Ihbe.
Doch beim Austausch allein soll es nicht bleiben. Die ASF in Braunschweig will vor allem auch jungen Frauen Mut machen, in der Politik mitzumischen.
Frauen in die entscheidenden Positionen
Einen ersten Eindruck davon sollen sie in der "Sommerakademie" gewinnen, wo politisch interessierte Frauen einen Tag lang eine Bundestagsabgeordnete bei ihrer Arbeit begleiten und so die Gelegenheit bekommen, ihre Fragen los zu werden. Es sind die weiblichen Vorbilder, die den jungen Frauen Lust auf Politik machen sollen. Denn die lassen sich noch allzu oft abschrecken von dem gängigen Klischee, dass Parteiarbeit ein langwieriges Geschäft ist.
Das dachte auch Nadine Hermann zuerst. Vor ihrem Parteieintritt im Jahr 2005 engagierte sich die heute 28-Jährige lange bei den Jusos und fand es "irgendwann selbstverständlich, in die Partei einzutreten". Die Architekturstudentin ist mittlerweile im Vorstand der Braunschweiger ASF und betreut zudem das Juso-Frauenforum. Sie fühlt sich als junge Frau in der SPD gut aufgehoben, und doch meint auch sie: "Wenn wir mehr Frauen für die Partei gewinnen wollen, müssen sie auch in die entscheidenden Positionen." Hermann bedauert es, dass Frauen in der SPD oft nicht objektiv betrachtet würden. "Die Quote ist schlichtweg ein Ausgleichsmittel, um Klischees auszuschalten."
Andere Projekte befinden sich noch in der Planungsphase wie etwa ein Mentoring-Programm, das den weiblichen Nachwuchs fit für die Politik machen soll. Hier sollen die jungen Frauen von einer politikerfahrenen Mentorin oder einem Mentor lernen, wie Parteiarbeit funktioniert und wie man sich innerhalb der Partei vernetzt.
Was ist noch zu tun?
Auch die Veranstaltungsreihe "Frauen in Betrieben" nimmt konkrete Züge an. Hier will die Braunschweiger ASF auf Unternehmen aufmerksam machen, die Frauen- und Familienförderung ernst nehmen und ihren Beschäftigten flexible Arbeitszeitmodelle, betriebliche Kinderbetreuung und Frauenförderprogramme anbieten. Für Mai ist dazu eine Podiumsdiskussion mit zwei großen Unternehmen in Salzgitter und Wolfsburg geplant.
Annegret Ihbe bleibt mit ihren Genossinnen also am Ball. Nach dem Internationalen Frauentag am 8. März lädt die ASF erneut zu einem offenen Treffen ein. Dann wollen die Frauen des Bezirks Braunschweig nachhaken: Wie habt Ihr Eure Listenplätze besetzt? Und für den Fall, dass das Ergebnis nicht zufriedenstellend ausfällt: Was ist noch zu tun?







