Ich lebe in einem Land, in dem es keine Frauenministerin gibt, in dem knapp 17 Prozent Frauen im Kongress als 'Meilenstein' gefeiert werden, in dem kein Rechtsanspruch auf einen Kindergartenplatz besteht, und schon gar nicht auf einen staatlich finanzierten. Ich lebe aber auch in einem Land, in dem 51 Prozent aller gut bezahlten Positionen im mittleren Managements mit Frauen besetzt sind, in dem Frauen immerhin 14 Prozent der Chefs in den 500 größten Firmen und 41 Prozent des Lehrpersonals an Universitäten stellen.
Wieso geht es Frauen auf dem U.S. amerikanischen Arbeitsmarkt besser als in Deutschland? Wegen massiver staatlicher Intervention zugunsten von Frauen und Minoritäten, wegen des 1964 verabschiedeten 'Affirmative Action' Gesetzes. Dieses Gesetz hat alle Arbeitgeber, die in irgendeiner Form staatliche Gelder erhalten, verpflichtet, aktive Förderung von Frauen zu betreiben.
Die Betonung liegt hier auf 'verpflichtet' und 'aktiv': Obwohl Arbeitgeber ihre Ziele für die Erhöhung von Frauen bei Einstellung, Aufstieg und Fortbildung selbst bestimmen konnten, mussten sie jährliche Frauenförderpläne vorlegen und begründen, wenn es nicht aufwärts ging. Die Quote war also sozusagen 'flexibel', aber sie musste sich erhöhen. Wenn die "Equal Employment Opportunity Commission" mit den Zielen oder ihrer Einhaltung nicht einverstanden war, führte sie Gespräche und drohte mit Sanktionen. Im Ernstfall wurden staatliche Gelder eingefroren oder entzogen. Firmen und andere Empfaenger von staaatlichen Geldern wie die Universitaeten taten gut daran, Fortschritte zu vermelden.
Ich lebe aber auch in einem Land, das die Schattenseiten von aktiver Gleichstellung von Frauen in der Privatwirtschaft ohne sozialpolitische und gleichstellungspolitische Unterstützung aufzeigt. Die Kennzeichen heissen Überarbeitung, wenig Zeit für Beziehungsarbeit und eine hohe Scheidungsrate, die konstante Sorge darum, ob die Kinder bei nicht ausgebildeten Betreuern wohl gut aufgehoben sind, sowie massive finanzielle Lasten für gute Kindergärten und Schulen.
Deutschland könnte es besser machen, könnte beides haben: Eine anständiges Frauenfördergesetz für die Privatwirtschaft und ein sozial- und gleichstellungspolitisches Konzept, um beide
Geschlechter in ihrem Spagat zwischen Job und Familie zu unterstützen. Aber dazu bedürfte es eines Gesetzes mit Zähnen, eines, das die Privatwirtschaft zu Quotierung und aktiver Frauenförderung
verpflichtet, das eine Aufsichtsbehoerde etabliert und Sanktionen durchsetzt.
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Sabine Lang ist Politikwissenschaftlerin und Professorin für Internationale Studien an der University of Washington/USA.







