Ihre Schicht begann kurz nach dem Mittagessen. Um halb zwei nahmen am Dienstag Astrid Klug und Jan Stöß ihre Arbeit im "House of Life" auf. Normalerweise verbringen die
SPD-Bundesgeschäftsführerin und der Finanzstadtrat von Friedrichshain-Kreuzberg ihren Arbeitstag eher am Schreibtisch und in Sitzungen. Diesmal jedoch wollten sie den Alltag in einer
Pflegeeinrichtung kennen lernen.
Grund waren die "Praxistage" der SPD und den Trägern der freien Wohlfahrtspflege, die vom 28. Februar bis 2. März stattfanden. Mehr als 200 sozialdemokratische Politiker von der kommunalen
bis zur Bundesebene beteiligten sich daran. Astrid Klug und Jan Stöß hatten sich für ihren Praxistag das "House of Life" in Kreuzberg ausgesucht, bundesweit die einzige Pflegeeinrichtung für
junge Menschen. Rund 100 Bewohner leben in der AWO-Einrichtung.
"Die ganze Zeit ist etwas los"
"Es ist wirklich eine körperlich anstrengende Arbeit", fasste Astrid Klug ihre ersten Eindrücke zusammen. Auch mental würden die Mitarbeiter extrem belastet. Die Fluktuation beim Personal
sei deshalb hoch und der Fachkräftemangel am Arbeitsmarkt ein großes Problem. "Pflegekräfte haben mehr Wertschätzung verdient." Auch Jan Stöß war schon nach einem ersten Rundgang im Wohnbereich
beeindruckt von den Belastungen der Pfleger: "Die ganze Zeit summt irgendwo eine Klingel und es ist immer etwas los."
Nach einem einführenden Gespräch, in dem Einrichtungsleiterin Bettina Köhn und Pflegedienstleiterin Andrea Gärtner den beiden SPD-Politikern das Haus erklärten, ging es für sie dann
richtig los. Astrid Klug und Jan Stöß halfen bei der Vorbereitung und dem Verteilen des Abendbrots, unterhielten sich mit den Patienten und ließen sich die verschiedenen Krankheitsbilder
erläutern.
"Wir brauchen ein Gesundheitssystem mit weniger Bürokratie"
"Die Schicksale der Menschen, die wegen persönlicher Unglücksfälle oder schwerer Krankheiten in jungen Jahren pflegebedürftig geworden sind, werden mich nicht so schnell loslassen", sagte
Jan Stöß am Ende seiner Schicht um zehn Uhr abends. Der Bürgermeisterkandidat der SPD für Friedrichshain-Kreuzberg versprach, demnächst mal wieder im "House of Life" vorbeizuschauen.
Eine ganz praktische Erfahrung nahm Astrid Klug mit. "Der Verwaltungsaufwand in der Pflege ist ganz schön hoch." Die Verhandlungen mit den Pflegekassen über die Übernahme von
Behandlungskosten seien oft langwierig. Für Klug ist deshalb klar: "Wir brauchen ein Gesundheitssystem mit weniger Bürokratie. Der Zugang zu Leistungen darf nicht zufällig sein und schon gar
nicht vom Geldbeutel der Betroffenen abhängen."







