Groß feiern im März? Die Sozialistische Partei hat sich einfallen lassen, eine originelle Ausstellung unter dem Motto "Die Frau im französischen Widerstand im letzten Weltkrieg" aufzuziehen. Das Thema ist nie beleuchtet worden. Die "weibliche Résistance" soll es im Bewußtsein der männlichen Widerständler nicht gegeben haben.
Desweiteren möchte die Sozialistische Internationale über eine Million Frauen am Aktionstag für die Rechte der Frau auf der Straße sehen. Und im Pariser Senat, der zweiten Kammer des
Parlaments, haben zwei sozialistische Senatoren einen Gesetzentwurf für die Gleichstellung von Mann und Frau in Verwaltungsräten" sowie einen Text gegen häusliche Gewalt" eingebracht.
Demonstrativ mit Hosenanzug und Zigarre
Kleine Fortschritte, gewiß. Obwohl die Grande Nation doch die berühmte MLF-Bewegung kannte, das 1960 gegründete Mouvement de Libération des Femmes. Auf seinem Programm stand der legale
Schwangerschaftsabbruch, den die Gesundheitsministerin in dieser Zeit, Simone Veil, 1974 in der Nationalversammlung durchgesetzt hat, weiter gleiche Einkommen bei gleicher Arbeit, dieselben
sozialen Errungenschaften und Verweigerung der Zwangsehe.
Damals tourte durch das Land die Schriftstellerin
Simone de Beauvoir (1908 - 1986), die freie Liebe predigte, und ein Vorbild für viele Frauen war auch die Autorin
George Sand (1804-1876), die sich als erste in einem Hosenanzug, in anderer Männerkleidung und demonstrativ mit einer Zigarre zwischen den
Lippen zeigte. Für das Frauenrecht steht heute die Romanschreiberin Elisabeth Badinter und nach wie vor die ehemalige Präsidentin des Europaparlaments in Straßburg, Simone Veil. Seit 1974 gibt es
ein Ministerium oder eine Staatssekretariat für die Frau in Frankreich.
Haben die Regierungen in Paris genug für die Französinnen und für ihre Gleichstellung, zum Beispiel im Arbeitsbereich und beim Verdienst, getan? Es hat nur Minifortschritte gegeben. Der
Sozialist
Francois Mitterrand bequemte sich immerhin, 1991 eine Frau zur Regierungschefin zu machen,
Edith Cresson, die aber nach nur elf Monaten auf Druck ihrer männlichen Kollegen das Amt verlassen musste. Eine Frau wurde unter
Präsident Nicolas Sarkozy Justizministerin (Rachida Dati) und eine Parteifreundin Außenministerin (Michèle Alliot-Marie). Eine angesehene Feministin ist auch die Ehefrau von Ex-Premier Lionel
Jospin,
Sylviane Agacinski, eine ausgewiesen hervorragende Philosophin.
Aber ansonsten? Frankreich in Europa als Vorreiter der Frauenrechte? Nur mit Einschränkung. Die Gesellschaft ist dazu noch nicht bereit!" klagt Viviane Dumoulin. Wir hinken immer
hinterher!" bedauert Nina Carbonnel, Redakteurin einer Frauenzeitschrift. Unser Anspruch auf Gleichstellung ist bei den Männern noch nicht angekommen", meint nüchtern die Lehrerin Josiane
Desbordes, Respekt und Anerkennung unserer Rolle pralle immer wieder am Mobbingverhalten unserer männlichen Arbeitskollegen ab!
Machoverhalten in der Metropole
Das Problem ist in Frankreich, wo fast 80 Prozent der Frauen im Berufsleben stehen, dass die Gleichstellung am Arbeitsplatz nur im Schneckentempo vorankommt. In hohen Positionen sind - vor
allem in der Metropole Paris - allenfalls ein Drittel der Frauen beschäftigt. Um die 20 Prozent der Frauen auf führenden Posten verdienen soviel wie ihre männlichen Partner. In den Chefetagen
renommierter Konzerne gelte noch das Machoverhalten, klagt eine Französin, die sich in der Informatikbranche selbständig gemacht hat. Die Diskriminierung ist diskret, der berufliche Aufstieg
dauert länger als bei Männern und Diplome von Frauen haben bei der Einstellung oft weniger Gewicht als die Dokumente männlicher Konkurrenten.
Doch der Kampf um die Rechte der Frau geht weiter. Der Aktionstag am 8. März wird abermals eine Gelegenheit geben, die Stellung der Französin in allen Bereichen zu stärken - zumindest laut
und vernehmlich zu fordern.







