Die Idee entstand vor 15 Jahren in einem Berliner Jugendclub. "Wir haben die U18-Wahl ins Leben gerufen, weil wir zeigen wollten, dass sich auch Kinder und Jugendliche für Politik
interessieren", erzählt der Gründungsvater des Projekts Marcus Lehmann. Bei der Wahl dürfen all diejenigen ihre Kreuz machen, die beim offiziellen Urnengang wegen ihres Alters ausgeschlossen sind
- die unter 18-Jährigen.
In diesem Jahr geht die U18-Wahl in Berlin bereits in die siebte Runde. Gaben bei der Premiere 1996 gerade einmal 40 Wähler in einem einzigen Wahllokal ihre Stimme ab, waren es bei der
letzten Abgeordnetenhauswahl 2006 rund 13 800 in 242 Wahllokalen in der gesamten Stadt. Dabei ist die U18-Wahl schon längst kein Berliner Phänomen mehr: Bei der letzten Bundestagswahl 2009 fand
sie erstmals in allen Bundesländern statt. Rund 127 000 unter 18-Jährige beteiligten sich.
Junge Menschen dabei unterstützen, Politik zu verstehen
"Ziel von U18 ist es, junge Menschen darin zu unterstützen, Politik zu verstehen, Unterschiede in den Wahlprogrammen der Parteien zu erkennen und Versprechen von Politikerinnen und
Politikern kritisch zu hinterfragen", sagt Candida Splett vom Landesjugendring Berlin. Dieser ist gleichzeitig Ansprechpartner für die Jugendwahl, die von einem Verbund von Berliner Kinder- und
Jugendorganisationen organisiert wird.
Im Vorfeld der U18-Wahl, die neun Tage vor der Abgeordnetenhauswahl am 9. September stattfindet, setzen sich die Jugendlichen dafür mit den Wahlprogrammen der Parteien und den
Wahlversprechen der Politiker auseinander. Bei Begegnungen mit den Jungwählern stellen sich diese den kritischen Fragen der Jugendlichen. So sollen den Politikern die Anliegen der jungen Menschen
näher gebracht werden.
Wahllokale gesucht
"Die U18-Wahl ist das wirkungsvollste Instrument, um jungen Menschen für Politik zu interessieren", ist Klaus Hurrelmann überzeugt. Der Professor von der Berliner Hertie School of
Governance begleitet das Projekt wissenschaftlich. "Das Interesse junger Menschen an Politik steigt langsam wieder an", sagt Hurrelmann, der Tiefpunkt sei überwunden. Im Mittelpunkt des
jugendlichen Interesses stünden die Themen Arbeitsplätze, Umwelt sowie internationale Spannungen. "Die politische Motivation ist trotz aller Unkenrufe da."
Davon ist auch Kristin Langen überzeugt. Die 17-Jährige ist Schülersprecherin eines Berliner Gymnasiums und engagiert sich in der
Initiative "Politik als Schulfach". Ihr Kritikpunkt: In den Schulen wird erst viel zu spät über Politik gesprochen. Jungen Menschen fehle die
Plattform, dich politisch zu bilden und so zu einer eigenen Meinung zu kommen. Kristin Langen ist sicher: "Mit einer besseren politischen Bildung in der Schule würde sich auch das politische
Bewusstsein junger Menschen verbessern."
Die U18-Wahl leistet hierzu einen wichtigen Beitrag. "Im Moment sind wir auf der Suche nach geeigneten Wahllokalen", sagt Candida Splett. Gerne würde sie die Zahl von 242 im Jahr 2006 bei
dieser Wahl übertreffen. "Ab sofort können alle Erwachsenen sowie Kinder und Jugendliche Wahllokale für die U18-Wahl
über unsere Website anmelden."







