Schon in seiner Begrüßung ging Schmidt auf die Debatten- und Innovationskultur in Deutschland ein. Gerade diese Debattenkultur bereitete Google in den letzten Monaten aber einiges an Kopfzerbrechen. Die Diskussionen über Datenschutz, Privatsphäre und besonders Google Street View haben dem Ansehen des Konzerns mit den bunten Buchstaben geschadet. Doch man wolle Deutschland nicht den Rücken zukehren, betonte Google-CEO im vollen Audimax der Humboldt-Universität, sondern noch stärker investieren.
Neues Institut für Internet und Gesellschaft
Neben Investitionen in die Standorte Hamburg und München soll noch dieses Jahr ein Institut in Berlin gegründet werden, das sich mit den Auswirkungen des Internets auf die Gesellschaft auseinandersetzen soll. Deutschland sei ein großes Vorbild, durch seine vielen Patentanmeldungen, das gute Bildungssystem und die schnelle Erholung der Wirtschaft nach der Krise, so Schmidt.
Google möchte mit dem neuen Institut aber auch an der Diskussion über Datenschutz, Privatsphären und die gesellschaftlichen Veränderungen partizipieren. Für Schmidt ist das Internet eine große Chance für eine bessere Welt. Milliarden von Menschen hätten nun Zugang zu Informationen und könnten an Debatten partizipieren.
Als Beispiel nannte Schmidt ein Google-Tool, das den Ägyptern erlaubte, Twitter-Nachrichten per Telefon zu versenden, als die Regierung das Internet blockierte. Dieses Tool sei an einem Wochenende von zwei Google-Software-Ingenieuren geschaffen worden. Das Internet sei der größte Gleichmacher der Geschichte.
Neues Bezahlsystem für Online-Inhalte
Die Verleger in Deutschland befürchten gerade diese Gleichmacherei, aber auch auf diese Befürchtung ging Eric Schmidt ein. Mit Google One Pass wurde ein Dienst vorgestellt, der es angeblich sehr einfach machen soll, für journalistische Inhalte im Internet Geld zu verlangen.
Damit greift Google den direkten Konkurrenten Apple an, der über seine Plattformen iPhone und iPad die Verlage stärker einschränkt und mehr Gebühren verlangt. Auf ein besseres Geschäft hoffen zumindest Axel Springer, Focus und Stern, die als erste Medienhäuser den Dienst in Deutschland nutzen werden. Dieser funktioniert bisher nur im Browser, bald aber auch auf Smartphones.
Neues Leben
Gerade mit Smartphones und dem mobilen Internet sieht Eric Schmidt das nächste große Geschäftsmodell für Google. Das Unternehmen aus dem Silicon Valley hat mit Google Android vor zwei Jahren eine sehr erfolgreiche mobile Plattform gestartet. Eine Prognose von Schmidt war, dass in zwei Jahren weltweit mehr internetfähige Mobiltelefone als Personal Computers verkauft werden - diese Prognose sei aber seit letzter Woche schon wahr geworden.
Schmidt nannte verschiedene Anwendungen, die er in Zukunft sich auf dem Smartphone vorstellen kann. Bald sei es möglich sein Auto mit Autopilot zu fahren und mit dem eigenen Telefon von hunderten Sprachen zu hunderten Sprachen ein Gespräch direkt zu übersetzen.
Dies würde bedeuten, dass wir niemals mehr alleine sind und immer, überall auf alle Informationen zugreifen können und nie wieder vergessen, denn unsere Computer, seien sie auch noch so klein,
würden sich für uns an alles erinnern.
Schmidt äußerte Verständnis dafür, dass Menschen diese Entwicklung kritisch sehen würden, schließlich seien all diese Entwicklungen enorm schnell voran gegangen. Auch würden die
Innovationen nur dadurch funktionieren, dass Computer mehr und mehr über die Nutzer wissen und auswerten könne - und auch das würde Unbehagen hervorrufen. Er betonte aber, dass Google daran
arbeitet, den Internetnutzern Autonomie über ihre Daten zurückzugeben.
Googles Vision einer Technologie, die jeden berührt, wird daher auch in Zukunft Kontroversen hervorrufen.







