Ende Januar forderte der Beschäftigungsausschuss des Europäischen Parlaments in einer Stellungnahme zum Gleichstellungsbericht 2010 eine Stärkung der Stellung von Frauen auf dem Arbeitsmarkt,
besonders die Reduzierung von Gehaltsunterschieden auf maximal 0,5% bis 2020 und mehr Transparenz in der Festlegung von Gehältern, damit Frauen die Chance bekommen, ihre Gehaltsansprüche besser
durchsetzen zu können. Auch fordert der Bericht eine bessere Vereinbarkeit von Familie und Beruf durch den Ausbau von Kinderbetreuung, flexible Arbeitszeiten, Tele-Arbeit und ähnliches. Ebenfalls
festgehalten wird die Forderung nach Gleichstellungsplänen in den Unternehmen, die von den Sozialpartnern gemeinsam umgesetzt werden sollten.
Dies sind positive Punkte, die ich ebenfalls unterstütze. Dass auch im 21. Jahrhundert Frauen schlechter bezahlt werden als Männer, in der Privatwirtschaft sogar um bis zu 25%, ist
unerträglich und darf nicht einfach hingenommen werden. Auch in Führungspositionen in Unternehmen und Politik bleiben Frauen die Ausnahme. Dennoch wurde mit konservativ-liberaler Mehrheit der
Vorstoß der sozialdemokratischen Fraktion zurückgewiesen, verpflichtende Geschlechterquoten in Führungspositionen und Aufsichtsgremien von Unternehmen einzuführen. Stattdessen erwähnt der Bericht
nur eine freiwillige Quote. Dies ist völlig unzureichend! Freiwilligkeit existiert bereits seit Jahren, aber dies hat bisher nicht zu einer Verbesserung der Situation von Frauen in
Führungspositionen geführt.
Dabei gibt es bereits positive Beispiele in einigen europäischen Staaten. So haben sowohl die sozialdemokratische Regierung in Spanien als auch die konservative französische Regierung
entsprechende Gleichstellungsquoten verpflichtend eingeführt. In Frankreich wurde dies sogar in der Verfassung verankert. Auch die skandinavischen Länder fördern die Gleichstellung von Männern
und Frauen deutlich und können sich über die höchste Beschäftigungsquote von Frauen einschließlich einer höheren Zahl von Frauen in Führungspositionen zusammen mit einer hohen Geburtenrate
freuen. Dies belegt, dass Beruf und Familie unter entsprechenden Rahmenbedingungen durchaus vereinbar sind!
Am 8. März wird der Internationale Frauentag begangen - dieses Jahr zum 100. Mal. Eigentlich ein guter Zeitpunkt, um endlich dafür zu sorgen, dass Frauen tatsächlich mit ihren männlichen
Kollegen gleichgestellt werden. Doch ohne verpflichtende Quote wird es wohl weiterhin dabei bleiben, dass Frauen deutlich besser qualifiziert sein müssen, um ähnliche Positionen zu erreichen wie
Männer. Dies zu ändern ist wichtig, für die Frauen wie auch für die Unternehmen - deshalb werden wir SozialdemokratInnen weiter dafür kämpfen, dass sich die Einführung von Gleichstellungsquoten
europaweit durchsetzt.
Übrigens: Gleichstellung im Beruf, Vereinbarkeit von Beruf und Familie setzen auch Gleichstellung im Haushalt voraus. Nur Mut, Männer und Frauen: Ran an die Jobs und an die Töpfe!
Redakteurinnen des vorwärts haben gemeinsam mit Mitarbeiterinnen aus dem Willy-Brandt-Haus, Journalistinnen und Fotografinnen seit Januar eine Sonderausgabe des vorwärts konzipiert, die Ende Februar erscheinen wird. Auf vorwärts.de gibt es einen Themen-Schwerpunkt, mit Artikeln und Diskussionsbeiträgen, die sich mit der Rolle von Frauen in der SPD und in der Gesellschaft beschäftigt. Wir freuen uns aber auch, wenn unsere Leserinnen (und auch die Leser) sich an dieser Debatte beteiligen. Was verbinden Sie mit dem Frauentag? Ist ein solcher Tag noch zeitgemäß? Schicken Sie uns Ihre Texte per Email oder kommentieren Sie hier! Einige Beiträge werden wir auch in der vorwärts-Ausgabe veröffentlichen.







