vorwärts.de: Wozu benötigt Rheinland-Pfalz gleich zwei Masterpläne?
Malu Dreyer: Rheinland-Pfalz hat als erstes westliches Bundesland überhaupt einen Masterplan für die ärztliche Versorgung aufgelegt, mit dessen Hilfe Versorgungslücken in ländlichen
Regionen des Landes vor allem im hausärztlichen Bereich vorgebeugt werden soll. Er ist ein zentrales Instrument unserer gesundheitspolitischen Arbeit und nimmt dabei auch die
gesundheitspolitischen Partner der Landesregierung in die Pflicht. Der Masterplan im Bereich der Gesundheitswirtschaft setzt in erster Linie auf eine Vernetzung der Akteure in den Regionen. Damit
soll einerseits die Gesundheitswirtschaft in den Regionen gestärkt und andererseits die Versorgung weiter verbessert werden.
Was beeinflusst eine Landesministerin dabei?
Die Aufgaben der Krankenhausplanung liegen beispielsweise in Verantwortung des Landes. Aber auch um die ambulante Versorgung der Menschen kümmern wir uns, auch wenn der sogenannte
Sicherstellungsauftrag bei der Kassenärztlichen Vereinigung liegt. Wir streben dabei eine gute Zusammenarbeit mit unseren Partnern an. Bei der Entwicklung ergänzender Maßnahmen zum bestehenden
Masterplan im Bereich der ärztlichen Versorgung sind nun auch Vertreter der Kommunen mit im Boot, denn auch diese können verschiedene Maßnahmen beisteuern, mit denen die Attraktivität einer
ärztlichen Tätigkeit in der betreffenden Region erhöht werden kann.
Welchen Stellenwert haben die Kommunen dabei?
Die kommunale Verantwortung ist, vor Ort Netzwerke zu organisieren oder zumindest an ihnen mitzuwirken. Hier gibt es gute Beispiele im Bereich der gesundheitlichen Prävention und auch in
der Initiative Gesundheitswirtschaft des Landes setzen wir auf die Mitwirkung der Kommunen. Zur Vermeidung eines lokalen Ärztemangels spielt natürlich die Infrastruktur vor Ort eine Rolle. Aber
auch darüber hinaus können Kommunen Hilfen für niederlassungswillige Ärztinnen und Ärzte anbieten bis hin zur Bereitstellung von Praxisräumen. Aber die grundlegende Ausgestaltung der ärztlichen
Versorgung, wie zum Beispiel Fragen der Honorierung oder der Weiterbildung, erfolgt natürlich übergreifend auf Landes- und vor allem auf Bundesebene. Hier ist vor allem auch wichtig, dass wir es
schaffen, die Versorgung sektorenübergreifend zu organisieren.
Inwiefern?
Die stationäre und ambulante Versorgung sind derzeit zwei Sektoren, zwei Systeme mit ganz unterschiedlichen Regeln und Zuständigkeiten. Heute gehen wir aber davon aus, dass wir eine
integrierte, stärker vernetzte Versorgung sicherstellen müssen. Ärzte und Krankenhäuser müssen in Behandlungsketten integriert werden - im Sinne der besseren Patientenversorgung. Dafür muss aber
auch die Planung übergreifend geschehen. Heute verläuft sie viel zu oft getrennt.
Das klingt wenig optimistisch...
Ich bin mit der derzeitigen Entwicklung durch die schwarz-gelbe Bundesregierung nicht einverstanden. Wichtige Versorgungsfragen hat sie lange Zeit vernachlässigt. Stattdessen privilegiert
die Bundesregierung die private Krankenversicherung und benachteiligt die gesetzlich Versicherten, das ist mit 90 Prozent der große Teil der Bevölkerung. Damit wird ein wesentliches Problem
unseres Gesundheitssystems noch verstärkt.
Welche Herausforderungen resultieren für eine sozialdemokratische Politik daraus?
Es geht im Wesentlichen um drei Bereiche: Wir müssen langfristig die Versorgung in der Fläche sichern. Natürlich muss die Qualität der Versorgung stimmen, zudem muss das Gesundheitswesen
solidarisch organisiert sein und darf nicht zu Lasten der Schwächeren gehen. Für dieses Ziel werden wir weiter mit aller Kraft arbeiten.







