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Reine Kopfsache

Kai Doering • 09. February 2011

"Moderne bedeckende Mode": Muslimische Modenschau in der Friedrich-Ebert-Stiftung. Foto: Kai Doering
"Moderne bedeckende Mode": Muslimische Modenschau in der Friedrich-Ebert-Stiftung. Foto: Kai Doering

Einen Laufsteg hat es in den Räumen der Friedrich-Ebert-Stiftung (FES) wahrscheinlich noch nicht gegeben - junge Kopftuchträgerinnen, die darauf zu arabischer Popmusik Mode präsentieren, ganz sicher nicht. Zu einer "Diskussion mit Modenschau" hatte die FES eingeladen, "jung, modern, muslimisch" lautete der Titel.

Susanne Queck, Inhaberin des Online-Modehauses "Imzadi Couture", zeigte ihre Kreationen "moderner bedeckender Mode" - für die muslimische Religionspädagogin Lamya Kaddor ein Widerspruch. "Das Kopftuch soll weibliche Reize doch bedecken. Wer diese Mode trägt, fällt aber auf", lautete ihr Einwand. Kaddor selbst hält übrigens nicht viel von Verhüllung: "In Deutschland erfüllt das Kopftuch für mich keinen Sinn." Anders sei dies in anderen Ländern, etwa in Saudi-Arabien: "Hier ist die Schutzfunktion, die hinter dem Kopftuch steht, nicht obsolet."

Die eigene Entscheidung zählt

Hierzulande dagegen "weiß die Mehrheit derjenigen, die ein Kopftuch tragen, gar nicht, warum sie das tut", ist die Pädagogin überzeugt. Das zumindest habe sie bei ihren muslimischen Schülerinnen beobachtet. Verbieten möchte Kaddor das Stück Stoff dennoch nicht. "Selbstbestimmt zu leben, bedeutet auch, das anzuziehen, was man möchte."

Genauso sieht es Nele Abdallah. Sie ist Geschäftsführerin von "Dressed to Swim", einer Firma, die unter anderem die so genannten Burkinis vertreibt, konvertierte Muslimin und Kopftuchträgerin. "Ein Kopftuch zu tragen, muss die freie Entscheidung jeder Frau sein - genauso wie die Entscheidung, ob sie Jeans oder High Heals trägt", ist Abdallah überzeugt. Sie selbst schränke das Kopftuch nicht ein, "sondern nur die Rezeption der Leute". Immer wieder komme es vor, dass sie schiefe Blicke ernte.

Wichtig ist, was im Kopf ist

"In den Köpfen der Menschen herrschen bestimmte Bilder vor", erklärte das Sineb El Masrar. Sie gibt das multikulturelle Frauenmagazin "Gazelle" heraus und hat vor kurzem ein Buch geschrieben, in dem sie die Lebenswirklichkeit junger Musliminnen in Deutschland beschreibt. "Die Leute haben die Vorstellung, dass man nicht fortschrittlich denken kann, wenn man muslimisch ist", so ihre Beobachtung.

Die Mode allein als Ausweis des Glaubens zu sehen, greift für El Masrar zu kurz. "Viele Musliminnen tragen das Kopftuch auch deshalb, weil sie sich von der Familie abgrenzen wollen - oder von der Gesellschaft, die sie nicht akzeptiert." Und schließlich sei auch die Mode in deutschen Geschäften durch arabische Einflüsse geprägt. "Da müssen Sie nur mal bei H&M oder C&A gucken."

Kleider machen Leute und prägen das gesellschaftliche Bild von Menschen. Diese Erfahrung ist nicht neu. So kann auch das Kopftuch nicht eindimensional betrachtet werden. Das wurde bei der Kopftuchdiskussion deutlich. Und schließlich, so gab Modeschöpferin Susanne Queck zu bedenken, "ist es ja auch nicht wichtig, was jemand auf dem Kopf hat, sondern dass man etwas im Kopf hat".

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