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Solidargesellschaft statt Zwei-Klassen-Medizin

Franziska Schmidt • 28. January 2011

Bessere Gesundheitsversorgung ist möglich. Foto: Gerd Altmann / pixelio.de
Bessere Gesundheitsversorgung ist möglich. Foto: Gerd Altmann / pixelio.de

"Es gibt keinen Grund, die Flinte ins Korn zu werfen. Wir haben noch immer eins der besten Gesundheitssysteme in der Welt", erklärte der rheinland-pfälzische Ministerpräsident Kurt Beck. Trotzdem weiß der langjährige Ministerpräsident um die Missstände im Gesundheitsbereich in Deutschland. So forderte er, den Ärztemangel jetzt und nicht erst übermorgen abzuschaffen. Deshalb setze sich die SPD dafür ein, den Zugang zum Medizinstudium zu erleichtern.

Stadt-Land-Gefälle beheben
Ausschlaggebend soll nicht nur die Abitursnote sein, sondern auch soziale Leistungen, die ein Studienbewerber bereits vor dem Studium erbracht hat. In Rheinland-Pfalz wird dieses Prinzip bereits praktiziert, 40 Prozent der Studienbewerber werden nicht nur zentral nach der Abitursnote bewertet.

Daneben muss das Stadt-Land-Gefälle in der medizinischen Versorgung schnellstmöglich behoben werden. Die Vernetzung von Krankenhäusern ist hier eine zentrale Maßnahme: "Die Grundversorgung durch ein Krankenhaus muss nah am Menschen gewährleistet werden, und miteinander hat man andere Kostenstrukturen,"sagte Beck dazu. Dabei sei es wichtig, den Menschen so lange wie möglich in den eigenen vier Wänden zu lassen.

Krankenhäuser vernetzen
Auch die ehemalige Gesundheitsministerin des Bundes, Ulla Schmidt, meldete sich bei der DEMO-Fachtagung zu Wort: Sie bekräftigte den Primat der Solidargesellschaft und forderte die zunehmende Vernetzung von Krankenhäusern und Ärzten: "Wir müssen Strukturen heute aufbrechen, nicht erst morgen. Deshalb müssen wir die Grenzen zwischen ambulanter und stationärer Versorgung aufbrechen."

Die Gesundheitspolitik der schwarz-gelben Bundesregierung wird dabei von Schmidt und Beck gemeinsam kritisiert. Beide forderten die Rückkehr zur Solidargesellschaft und die Abkehr von der Zwei-Klassen-Honorierung. "Die Honorierung medizinischer Leistungen darf sich nicht nach der Krankenkasse richten!", sagte Schmidt unter großen Applaus.

Hausärzte aufwerten
Malu Dreyer, seit über neun Jahren Gesundheitsministerin des Landes Rheinland-Pfalz hob daneben die Stellung des Hausarztes in den Vordergrund. "Wir brauchen den Hausarzt als Lotse im primären System". Der Hausarzt müsse in Zukunft genauso wie die Fachärzte wieder mehr gewertschätzt werden.

Auch Dreyer forderte das Aufbrechen von starren Strukturen im Gesundheitsbereich. So sollen mehr Teilzeitangebote auch im Gesundheitssektor eingeführt werden, und die Arbeitsteilung im ländlichen Raum mehr flexibilisiert werden. "Zukünftig könnte dann ein Arzt vielleicht einen Tag auf dem Land arbeiten", sagte Dreyer dazu.

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