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"Die Kinder kamen nicht zurück"

Karl Ludwig • 28. January 2011

Nach dem Film: Hannes Gellner und Uwe Knüpfer im Gespräch. © Holger Biermann
Nach dem Film: Hannes Gellner und Uwe Knüpfer im Gespräch. © Holger Biermann

Der 72-minütige Film basiert auf den Lebensgeschichten und Fotos von 4000 Kindern, die aus dem besetzten Frankreich in NS-Vernichtungslager deportiert und dort fast ausnahmslos umgebracht worden sind. Die Fotos und die Geschichten dazu haben Serge und Beate Klarsfeld in mühsamer Kleinarbeit zusammengetragen - um den Kindern, deren Schicksale fast vergessen waren, "ein aktives Leben nach dem Tod zu geben".

"Esther Landsberg war neun Jahre alt..." Betont nüchtern verliest Hannes Gellner eine verstörende Geschichte nach der anderen. Und muss immer wieder berichten: "... sofort nach der Ankunft selektiert und vergast." Nach der Ankunft in Auschwitz, wohin die Kinder meist auf dem Umweg über französische Konzentrationslager gekommen sind - sofern sie den mehrwöchigen Transport in vollgepferchten Güter- und Viehwaggons überlebt haben.

Vorauseilender Gehorsam des Vichy-Regimes
Insgesamt 11400 Kinder wurden von französischen Polizisten unter dem Vichy-Regime verhaftet und der Gestapo übergeben. Übrigens ohne, dass die deutsche Besatzungsmacht das angeordnet hätte. Gellner: "Es gab keinen Befehl der Deutschen, die Kinder zu deportieren." Die Vichy-Behörden handelten in vorauseilendem Gehorsam. Gellner: "Von den 11400 überlebten weniger als hundert." Einige der Überlebenden kommen in dem Film zu Wort.

Fassungslos macht, mit welcher Grausamkeit Deutsche, Österreicher und Franzosen Jagd auf jüdische Kinder machten, welches Ausmaß an Herzlosigkeit und Bestialität im Gewand scheinbarer Ehrsamkeit daherkam.

Wer wusste vor der Aufklärungsarbeit des Ehepaars Klarsfeld und bevor der Wiener Hannes Gellner daraus seinen Film machte, dass es in Frankreich während der Besatzungszeit mehr als 93 Internierungslager gegeben hat? Das KZ in Drancy wurde nach dem Krieg zur Wohnsiedlung umgebaut, andere wie Rivesalpes am Fuß der Pyrenäen gleichen heute Geisterstädten aus Baracken und zerfallenden Verhauen, kaum beachtet von der Öffentlichkeit.

Wichtig war Gellner, der seit 1992 in Paris lebt, der Hinweis, dass sehr viele Juden in Frankreich den Holocaust überlebt haben, meist dank tätiger Hilfe nichtjüdischer Nachbarn und Freunde - ganz anders als in seiner Heimatstadt Wien, wo die zuvor sehr große jüdische Gemeinde nach Krieg und Vernichtung so gut wie ausgelöscht war.

Ehrung für Beate Klarsfeld muss kommen
Nebenbei erzählt der Film auch die Geschichte der Suche nach den Tätern. Nur wenige wurden nach dem Krieg verurteilt, und auch das oft nur dank der zähen Hartnäckigkeit Serge und Beate Klarsfelds. Sie hatten dazu auch ein ganz persönliches Motiv. Serges Eltern haben ihn, als die Häscher kamen, hinter einer Sperrholzwand im Kleiderschrank versteckt, bevor Serges Vater selbst verhaftet, deportiert und ermordet worden ist.

In Frankreich hat der Film (Unter dem Titel " La Mémoire des enfants") seit 2007 Furore gemacht. Er wurde zum offiziellen Unterrichtsmaterial für französische Schulen erklärt. Finanziert wurde seine Prodfuktion mit Hilfe von Stiftungen und des österreichsichen Staates.

Der Freundeskreis Willy-Brandt-Haus e.V. hat die Aufführung des Film möglich gemacht. Hannes Gellner diskutierte nach der Aufführung mit vorwärts-Chefredakteur Uwe Knüpfer und zahlreichen Gästen. Klaus Wettig forderte die Bundeszentrale für Politische Bildung auf, den Film auch in Deutschland zugänglich zu machen. Und, Gellners Erwähnung des Bundesverdienstkreuzes aufnehmend, Bundespräsident Christian Wulff habe "die neue Chance, Beate Klarsfeld endlich auch in Deutschland die Ehre zukommen zu lassen, die sie verdient." Aus dem Publikum kamen Rufe nach einer Ausstrahlung im öffentlich-rechtlichen Fernsehen.

© Filles Reisz, Archiv Serge & Beate Klasfeld Mehr Informationen zum Film unter Die Kinder kamen nicht zurück

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