Artikel (Archiv) > Der BND und die Journalisten

Hauptinhalt

Artikel (Archiv)

Übersicht

Icon   Alexander Linden über die Journalistenaffäre

Der BND und die Journalisten

Alexander Linden • 17. January 2011

Foto: Verena N. / pixelio.de
Der BND ließ Journalisten ausforschen - mit Hilfe anderer Journalisten. Foto: Verena N. / pixelio.de

Im November 2005 deckte der Berliner Journalist Andreas Förster auf, dass der deutsche Auslandsgeheimdienst BND über Jahre im Inland einen Publizisten bespitzelt hat. Was er nicht ahnte: Der Dienst hatte auch auf ihn selbst einen Mann angesetzt, einen sogenannten Nachrichtenhändler, der ihn ausforschen sollte. Der Skandal war perfekt.

Kungeln mit dem Geheimdienst

Das Parlamentarische Kontrollgremium des Bundestages (PKGr), das die Geheimdienste kontrollieren soll, beauftragte den ehemaligen BGH-Richter Gerhard Schäfer, ein Gutachten über die Journalistenbespitzelungen anzufertigen. Das Gutachten enthüllte, dass der BND jahrelang deutsche Journalisten rechtswidrig ausforschen ließ - mit Hilfe willfähriger anderer Journalisten. So kam der BND zu einer neuen Affäre, der Journalistenaffäre.

Der Enthüllung folgte ein Machtkampf zwischen zwei Funktionseliten, von denen die eine durch öffentliches, die andere durch geheimes Wissen an der Macht teilnimmt. Viele Medienschaffende kungel(te)n gern mit einem Geheimdienst, wenn sie dafür exklusiv bedient werden. Da wurde fleißig mit den Agenten getratscht und spekuliert, wer wohl die Quellen der Konkurrenten seien.

Journalisten, die zu Wölfen werden

Dabei allerdings fielen die Journalisten ihrer eigenen Eitelkeit zum Opfer. Sie wollten nicht wahrhaben, dass ein Geheimdienst sie erst verführt und dann ausgenutzt hat. Es kam zu einem gewaltigen Streit auf den öffentlichen Bühnen des Feuilletons, auf denen die Presse sich und ihre Akteure selbst skandalisierte.

Sind Medien nämlich betroffen, nutzen sie ihre ureigenste Waffe, die Sprache, um ihre Gegner zu vernichten. Und wenn das mal nicht Politiker oder Konzernlenker, sondern die lieben Kollegen sind, werden die Journalisten zu Wölfen, die mit einer Härte vorgehen, die den Atem rauben kann.

Das ist genau dann gerechtfertigt, wenn der Kern der freien Presse berührt wird: die Aufklärung der Bürger. Darum hat der investigative Journalismus, dem wir so manche Enthüllung verdanken, alles zu verlieren, wenn herauskommt, dass er mit genau jenen Informationshandel betreibt, die er eigentlich überwachen und kontrollieren soll.

Alexander Linden ist der Autor der Studie "Die Guten, die Bösen und die Eitlen. Wie der BND die Journalisten verführte. Eine Kritische Diskursanalyse" , Tectum Verlag, 2010, 478 Seiten, 29,90 Euro.

Tectum Verlag, 2010, 478 Seiten, ISBN 978-3-8288-2454-6

Inhalt rechte Spalte

 

Hauptinhalt 2

Buchtipp

Econ Verlag

Icon Rezension; Rudolf Hickel: „Zerschlagt die Banken"

„Zerschlagt die Banken"

Icon Rezension; Hans-Christian Jasch: „Staatssekretär Wilhelm Stuckart und die Judenpolitik"

Massenmord, geplant von Beamten

Icon Kathrin Hartmann: "Wir müssen leider draußen bleiben"

Von der Politik über den Tisch gezogen

Icon Rezension; Alexander Dill: „Gemeinsam sind wir reich"

Mehr Sozialkapital

Interview

Eren Güvercin

Icon Eren Güvercin im Interview

„Ich habe nie ein Identitätsproblem gehabt“

Icon Interview mit Frank Mentrup

Lust auf den Wechsel

Icon Interview mit dem Deutsch-Iraner Omid Pouryousefi

"Viele haben die Nase voll"

Icon Interview mit Katja Kullmann

„Dann ist da diese andere europäische, große Idee, die wir Sozialdemokratie nennen“

Veranstaltung

vorwärts-Fest in Bayern

Icon vorwärts-Fest

„Der Wandel in Bayern hat angefangen!“

Icon Buchvorstellung

Naziverbrecher ohne Reue

Icon Fotoausstellung im Willy-Brandt-Haus

Das kulturelle Gesicht Afghanistans

Icon Bildungspolitik

Gleiche Chancen für alle?

Kolumne

Icon Willst du mit mit (wählen) gehen?

Das Allerletzte von Martin Kaysh

Icon Notiert von Uwe Knüpfer

Berliner Tagebuch

Icon Abzug aus Afghanistan

Global gedacht von Rafael Seligmann

Icon Notiert von Uwe Knüpfer

Berliner Tagebuch

Filmtipp

 „Genug der Farce“, sagt sich Monsieur Demanet.

Icon Film der Woche: Kill me please

Selbstmord inklusive

Icon Film der Woche: Die Vermissten

Mit dem Rücken zum Nichts

Icon Film der Woche: Medianeras

Wir sind die Stadt

Icon Film der Woche: Ufo In Her Eyes

„Ein ideologischer Schrottplatz“