Bildung sei keine Ware, "die ich einkaufen kann, um meine eigene Karriere zu befördern und mich arbeitsmarktorientiert gut aufzustellen", kritisierte Schwan den verengten Blick auf den
Bildungsbegriff, wie er seit den 90er Jahren auch in der SPD verhandelt werde.
Weg von der autoritären Tradition
Schwan, die auch Mitglied der Grundwerte-Kommission der SPD ist, forderte einen Perspektivwechsel. Statt Nützlichkeitsdenken sollen Menschen ermutigt werden, eigene Potenziale zu entdecken.
Genau das Gegenteil sei jedoch Praxis: Die Logik der Privatisierung bestimme auch den Bildungsbereich. Menschen würden unter Druck gesetzt, gleichzeitig würden nur die Defizite gesehen. So sei
kreatives Lernen nicht möglich, ist die Professorin überzeugt, dass sei Lernen aus Angst, Lernen, um nicht zu verlieren.
Viel Zustimmung für ihr Plädoyer eines Perspektivwechsels erhielt Gesine Schwan von Gesprächspartnerin Jutta Allmendinger. Die Präsidentin des Wissenschaftszentrums Berlin für
Sozialforschung (WZB) wies auf positive Entwicklungen in der Bildungsdebatte hin. So sei die Kritik am Dreigliedrigen Bildungssystem kein Tabu mehr. Doch die Konzentration auf eine kleine Elite,
auf die 10 Prozent der Besten, bestätige die Sicht Schwans auf die deutsche Bildungspolitik der vergangenen Jahre. "Was hat man im gleichen Zeitraum unternommen, um die wachsende Bildungsarmut
abzubauen?", kritisierte Allmendinger.
Die "manische Fixierung auf Wettbewerb und Rankings pervertiert den öffentlichen Wert von Bildung", ergänzte Schwan. Die Frage, welchen Wert Bildung für ein Gemeinwesen hat, werde nicht
mehr erörtert. "Damit bringt sich die SPD um eine visionäre Dimension", fügte sie hinzu.
So gesehen stellt das Buch ein Weckruf dar. Die SPD benötige eine ganzheitliche Vorstellung für die Bedeutung von Bildung für eine gute und freie Gesellschaft. Auch wenn die Frage unabhängig von Parteien sei, "für die SPD ist es gleichzeitig auch eine Orientierung", ist die ehemalige Präsidentin der Europa-Universität Viadrina überzeugt.
Gesine Schwan
Bildung: Ware oder öffentliches Gut?
96 Seiten
Broschur, 12 x 18 cm
ISBN 978-3-86602-799-2
Preis 10.00 €
Mehr Information zum vorwärts buch Verlag unter
www.vorwaertsbuchverlag.de







