Artikel (Archiv) > Bildung ist keine Ware

Hauptinhalt

Artikel (Archiv)

Übersicht

Icon   Buchvorstellung mit Gesine Schwan

Bildung ist keine Ware

Vera Rosigkeit • 16. December 2010

Gesine Schwan bei der Buchvorstellung am 16.12. in Berlin. Foto: Margit Lesemann
Gesine Schwan bei der Buchvorstellung am 16.12. in Berlin. Foto: Margit Lesemann

Bildung sei keine Ware, "die ich einkaufen kann, um meine eigene Karriere zu befördern und mich arbeitsmarktorientiert gut aufzustellen", kritisierte Schwan den verengten Blick auf den Bildungsbegriff, wie er seit den 90er Jahren auch in der SPD verhandelt werde.

Weg von der autoritären Tradition
Schwan, die auch Mitglied der Grundwerte-Kommission der SPD ist, forderte einen Perspektivwechsel. Statt Nützlichkeitsdenken sollen Menschen ermutigt werden, eigene Potenziale zu entdecken. Genau das Gegenteil sei jedoch Praxis: Die Logik der Privatisierung bestimme auch den Bildungsbereich. Menschen würden unter Druck gesetzt, gleichzeitig würden nur die Defizite gesehen. So sei kreatives Lernen nicht möglich, ist die Professorin überzeugt, dass sei Lernen aus Angst, Lernen, um nicht zu verlieren.

Viel Zustimmung für ihr Plädoyer eines Perspektivwechsels erhielt Gesine Schwan von Gesprächspartnerin Jutta Allmendinger. Die Präsidentin des Wissenschaftszentrums Berlin für Sozialforschung (WZB) wies auf positive Entwicklungen in der Bildungsdebatte hin. So sei die Kritik am Dreigliedrigen Bildungssystem kein Tabu mehr. Doch die Konzentration auf eine kleine Elite, auf die 10 Prozent der Besten, bestätige die Sicht Schwans auf die deutsche Bildungspolitik der vergangenen Jahre. "Was hat man im gleichen Zeitraum unternommen, um die wachsende Bildungsarmut abzubauen?", kritisierte Allmendinger.

Die "manische Fixierung auf Wettbewerb und Rankings pervertiert den öffentlichen Wert von Bildung", ergänzte Schwan. Die Frage, welchen Wert Bildung für ein Gemeinwesen hat, werde nicht mehr erörtert. "Damit bringt sich die SPD um eine visionäre Dimension", fügte sie hinzu.

So gesehen stellt das Buch ein Weckruf dar. Die SPD benötige eine ganzheitliche Vorstellung für die Bedeutung von Bildung für eine gute und freie Gesellschaft. Auch wenn die Frage unabhängig von Parteien sei, "für die SPD ist es gleichzeitig auch eine Orientierung", ist die ehemalige Präsidentin der Europa-Universität Viadrina überzeugt.

Gesine Schwan
Bildung: Ware oder öffentliches Gut? 96 Seiten
Broschur, 12 x 18 cm
ISBN 978-3-86602-799-2
Preis 10.00 € Mehr Information zum vorwärts buch Verlag unter www.vorwaertsbuchverlag.de

Inhalt rechte Spalte

 

Hauptinhalt 2

Buchtipp

Econ Verlag

Icon Rezension; Rudolf Hickel: „Zerschlagt die Banken"

„Zerschlagt die Banken"

Icon Rezension; Hans-Christian Jasch: „Staatssekretär Wilhelm Stuckart und die Judenpolitik"

Massenmord, geplant von Beamten

Icon Kathrin Hartmann: "Wir müssen leider draußen bleiben"

Von der Politik über den Tisch gezogen

Icon Rezension; Alexander Dill: „Gemeinsam sind wir reich"

Mehr Sozialkapital

Interview

Eren Güvercin

Icon Eren Güvercin im Interview

„Ich habe nie ein Identitätsproblem gehabt“

Icon Interview mit Frank Mentrup

Lust auf den Wechsel

Icon Interview mit dem Deutsch-Iraner Omid Pouryousefi

"Viele haben die Nase voll"

Icon Interview mit Katja Kullmann

„Dann ist da diese andere europäische, große Idee, die wir Sozialdemokratie nennen“

Veranstaltung

vorwärts-Fest in Bayern

Icon vorwärts-Fest

„Der Wandel in Bayern hat angefangen!“

Icon Buchvorstellung

Naziverbrecher ohne Reue

Icon Fotoausstellung im Willy-Brandt-Haus

Das kulturelle Gesicht Afghanistans

Icon Bildungspolitik

Gleiche Chancen für alle?

Kolumne

Icon Willst du mit mit (wählen) gehen?

Das Allerletzte von Martin Kaysh

Icon Notiert von Uwe Knüpfer

Berliner Tagebuch

Icon Abzug aus Afghanistan

Global gedacht von Rafael Seligmann

Icon Notiert von Uwe Knüpfer

Berliner Tagebuch

Filmtipp

 „Genug der Farce“, sagt sich Monsieur Demanet.

Icon Film der Woche: Kill me please

Selbstmord inklusive

Icon Film der Woche: Die Vermissten

Mit dem Rücken zum Nichts

Icon Film der Woche: Medianeras

Wir sind die Stadt

Icon Film der Woche: Ufo In Her Eyes

„Ein ideologischer Schrottplatz“