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Und der Klimaprozess bewegt sich doch

Frank Schwabe • 15. December 2010

Fortsetzung folgt: Abschlusspanel der Klimakonferenz in Cancún Foto: www.cc2010.mx
Fortsetzung folgt: Abschlusspanel der Klimakonferenz in Cancún Foto: www.cc2010.mx

Cancún hat das gebracht, was zu erreichen war. Oder wie es der Umweltminister von Grenada gesagt hat: "We can say we have left Cancún with something workable." Und das ist ganz zweifellos ein positives Signal für den internationalen Klimaprozess. Er bewegt sich doch. Es gibt Beschlüsse zu Anpassungsmaßnahmen an den Klimawandel in Entwicklungsländern, zum Technologietransfer z.B. für Erneuerbare Energien, für den Waldschutz und für die Einrichtung eines Finanzierungsfonds für all diese Maßnahmen.

Außerdem wurde das zentrale 2-Grad-Ziel festgeschrieben, sogar mit der Überprüfung eines 1,5-Grad-Ziels. Das waren auch die zentralen Forderungen im Vorfeld der Konferenz. Gemessen an dem Möglichen bringt das Ergebnis eine gute Portion Hoffnung für zukünftige Verhandlungen. In Euphorie sollte man allerdings nicht verfallen.

Der Klimawandeln vollzieht sich schneller als die Politik auf ihn reagiert

Denn, gemessen an den Herausforderungen, vor denen Deutschland und die Welt stehen, sind die Ergebnisse natürlich trotzdem viel zu wenig, um den Herausforderungen des Klimawandels gerecht zu werden. Bei den mit zahlreichen Delegationen, Ministern, Abgeordneten und Umweltgruppen aus aller Welt gespickten Veranstaltungen wurde uns der dramatische, schon jetzt stattfindende Klimawandel geschildert.

Vertreter aus El Salvador, Guatemala, Papua-Neuguinea, Tschad, Burundi, Grenada, Bangladesch und viele andere mehr berichteten von ihren Erfahrungen. Die Schilderungen waren in hohem Maße bedrückend und haben einen nachhaltigen Eindruck hinterlassen. Daran gemessen ist der langsame Klimaprozess auf internationaler Ebene vollkommen unangemessen.

Das internationale Denken muss sich ändern

Der UN-Klimaprozess geht jetzt aber weiter. Bis Durban (Südafrika) im kommenden Jahr wartet harte Arbeit, aber es kann jetzt neuer Schwung entwickelt werden. Das Denken muss sich allerdings radikal ändern. Das Warten auf den Letzten muss ein Ende haben. Wer findet, dass Klimaschutz, dass Ressourceneffizienz Sinn machen, der muss das dann auch eigenständig umsetzen. Die Bewahrer des Status Quo, die kurzfristige betriebswirtschaftliche Sichtweise muss in ihre Schranken verwiesen werden. Hier muss Deutschland endlich wieder zurückfinden zu einer Rolle des Antreibers, auch innerhalb der europäischen Gemeinschaft.

Der deutsche Umweltminister Röttgen, aber auch die andere Vertreter aus Europa, waren allenfalls unauffällig. Wenn sich das nicht ganz schnell ändert, dann werden uns andere Staaten den Rang ablaufen. Sie entwickeln eine ungeheure Dynamik, weil sie die Auswirkungen des Klimawandels direkter spüren. Dazu gehören vorneweg China und Brasilien, aber auch Indien, Südafrika und Südkorea. Die Begleitung einer progressiven Klimapolitik durch innovative Produkte und technologische Führerschaft wird einer der größten Wachstumsfaktoren im frühen 21. Jahrhundert sein. Deutschland darf sich jetzt nicht abhängen lassen.

Schluss mit faulen Rechentricks und hohlen Worten!

Die EU muss das 30-Prozent-Ziel als Mindestreduktion endlich verbindlich beschließen. Das gebietet Cancún und das gebietet die Logik des europäischen Klimaprozesses. Nach Cancún, wo jetzt der Korridor der Reduktionsverpflichtungen verbindlich auf 25-40 Prozent festgelegt wurde, wäre das nicht mal besonders ambitioniert. Deutschland muss in dieser Frage ganz schnell handlungs- und sprachfähig werden. Schwarz-Gelb eiert bisher herum, Kanzlerin Merkel schweigt und Minister Röttgen lässt sich regelmäßig von der FDP oder eigenen Parteifreunden den Schneid abkaufen.

Auch in der Frage der zugesagten Mittel für die Staatengemeinschaft muss Deutschland seine Zusagen einhalten. Von den vor einem Jahr zugesagten Geldern für Sofortmaßnahmen im Klimaschutz hat Schwarz-Gelb ganze zehn Prozent bereitgestellt. Alles andere als eine Aufstockung sind faule Rechentricks und das Umetikettieren bereits bestehender Maßnahmen für Entwicklungs- und Schwellenländer. Die Politik der hohlen Worte muss jetzt aufhören. Nur somit können wir den Schwung von Cancún nutzen und in den nächsten Jahren ein völkerrechtlich verbindliches Abkommen schließen.

Frank Schwabe und Matthias Miersch sind seit 2005 Mitglieder des Deutschen Bundestags. Schwabe ist Berichterstatter der SPD-Fraktion für nationalen und internationalen Klimaschutz, Miersch umweltpolitischer Sprecher.

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