Neuwahlen 1983 brachten keine Änderung. Nach einer gescheiterten Tolerierung wurden sich SPD und Grüne doch noch einig: Am 2. Dezember 1985 wurde in Hessen die erste rot-grüne Landesregierung
Deutschlands gebildet. War Willy Brandts Vision von der "Mehrheit links von der Union" damit Wirklichkeit?
Zwar wurde die Hessen-Koalition rasch als Keimzelle einer neuen Ära stilisiert. Aber nach nur 14 Monaten war 1987 die Koalition zerbrochen und die SPD nach Neuwahlen erstmals seit 1945 in
der Opposition. Rot-Grün, als Alternative zu Kohl in Bonn gedacht, wurde wieder dementiert, als "Auslaufmodell".
Davongelaufene Bürgerkinder
Ministerpräsident Holger Börner, Vertreter des sozialdemokratischen Fortschrittsmodells durch Technik und Wachstum, hatte die Koalition von Beginn an als Zwischenspiel aus der Not, nicht
als Wunschbündnis betrachtet. Auch wenn Landespolitik im Vergleich zur Bundespolitik eher eine pragmatische Veranstaltung ist: Hessen vor 25 Jahren zeigt, wie schwierig die Annäherung von
Parteien sein kann.
Ein Grund dafür: Die SPD behandelte die Grünen wie davongelaufene Bürgerkinder. Denn die SPD war immer die Partei der Aufsteiger, jener, die durch eigene Leistung und ohne Privilegien etwas
geschafft haben. Als Volkspartei muss sie deshalb auch eine "bürgerliche" Partei sein. Doch als "Auslaufmodell" zeigte sich Rot-Grün bis heute nicht: Rot-Grüne Landesregierungen bildeten sich in
Berlin, Niedersachsen, erneut in Hessen, in Nordrhein-Westfalen, Schleswig-Holstein, Hamburg und Bremen. 1998 dann schließlich die rot-grüne Bundesregierung unter Gerhard Schröder. Und in diesem
Jahr unter Hannelore Kraft in NRW das Comeback für Rot-Grün.







