Wohlfahrtsverbände haben sich von Hilfsorganisation mit ehrenamtlichen Strukturen zu modernen Dienstleistungsunternehmen entwickelt, deren Tätigkeit zu großen Teilen Marktmechanismen
unterworfen ist. Die optimierte Nutzung von Ressourcen steht oftmals im Vordergrund. Dies begünstigt gleichzeitig einen Substanzverlust des ehrenamtlichen Fundaments: Das Durchschnittsalter der
Ehrenamtlichen beträgt in vielen Verbänden "60plus". Gleichzeitig finden ehemalige Aktive aus den Jugendverbänden nicht den Weg vom Jugend- in den Erwachsenenverband.
Studien belegen, dass es keinen Rückzug der Bürgerinnen und Bürger aus dem bürgerschaftlichen Engagement gibt. Wenn Verbände also über Nachwuchssorgen klagen und dabei auf die
"Engagementverdrossenheit" oder auf das nachlassende "Wir-Gefühl" junger Menschen verweisen, meinen sie nicht eher eine Art von "Organisationsmüdigkeit"?
Suche nach Patent-Rezepten
Da Verbände auf einen wesentlichen Teil ihrer Identität nicht verzichten wollen, suchen sie zurzeit nach Wegen, wie ihnen den Spagat zwischen dem Verband als ehrenamtliche
Mitgliederorganisation und als modernes Dienstleistungsunternehmen sowie dem Jugendverband gelingen kann, ohne das ein Verbandsteil auf der Strecke bleibt. Und weil man mit grandiosen Ideen auch
grandios scheitern kann, sollte bei der Suche nach geeigneten Rezepten bedacht werden, dass sich Reformprozesse nicht "von oben" verordnen lassen, sondern durch das Nadelöhr vieler Menschen
müssen. Zudem gibt es Angebote von der Stange ebenso wenig wie "den Ehrenamtlichen".
Das Projekt
Unter diesen Prämissen startet das Bezirksjugendwerk der
AWO Niederrhein mit dem Projekt "30plus - Neues interkulturelles bürgerschaftliches Engagement für und von 30- bis 50 Jährige/n". Gemeinsam mit den
Kreisverbänden des Niederrheins, regionalen Netzwerken und Vereinen von Bürgerinnen und Bürgern mit Zuwanderungsgeschichte sollen die Möglichkeiten für ein zukünftiges interkulturelles
bürgerschaftliches Engagement ausgelotet werden.
Ausgehend von den Bedürfnissen der 30- bis 50-Jährigen sollen ehrenamtliche Beteiligungsstrukturen geschaffen und passgenaue Betätigungsfelder entwickelt werden, die deren
Lebenswirklichkeit entsprechen. Durch das Projekt soll aber nicht nur eine Brücke zwischen dem Jugend- und dem Erwachsenenverband gebaut und der Verband für 30- bis 50-Jährige geöffnet werden. Um
gleichzeitig den Anforderungen einer interkulturellen Gesellschaft gerecht zu werden, soll auch ein Perspektivwechsel vollzogen werden: Die Potenziale herkömmlicher ehrenamtlicher
Beteiligungsstrukturen und Betätigungsfelder und die Potenziale von Bürgerinnen und Bürgern mit Migrationshintergrund sollen in eine neue Form des bürgerschaftlichen Engagements zusammengeführt
werden, um die Stärken beider Seiten miteinander zu verbinden. Das Modellprojekt, das von der Glücksspirale gefördert wird, ist auf drei Jahre angelegt.
Kontakt:
Thomas Bibisidis, Projektleitung / Presse und Öffentlichkeitsarbeit (Mitte);
Heike Kahlert, Verwaltungsangestellte (rechts)
Nadia Khalaf, Projektleitung /Geschäftsführerin
Foto: Frank Altenwert
Thomas Bibisidis / Nadia Khalaf
E-Mail: Thomas.Bibisidis(at)awo-niederrhein.de
Nadia.Khala(at)awo-niederrhein.de
www.jugendwerk.de







