Sarah Pust: Anne, was erwartet Reisende, die auf eine Tour mit Hometown Glory gehen?
Anne Wangrin: Jede Menge Spaß, neue Freunde und viele unbekannte Einsichten. In meiner nächsten Tour im Januar werden wir im Hamburger Stadtteil Billstedt Jugendliche ansprechen
und einen Zivilcourage-Workshop durchführen. Das machen wir gemeinsam mit der Streetworkerin Rebekka Henrich vom Verein Zweikampfverhalten. Es soll aber auch Touren geben, bei denen wir ein
Frühstück mit Obdachlosen organisieren. Klar ist: Wir helfen auf jeden Fall in den sozialen Einrichtungen mit. Also renovieren, Flyer verteilen, Sommerfeste organisieren oder was sonst gerade
ansteht.
Was haben deine Gäste davon?
Bei mir siehst du nicht die Sehenswürdigkeiten und Sensationen einer Stadt. Ich bringe dich zu den Menschen. Meine Touren richten sich an alle, die diese Stadt wirklich kennenlernen und
mitgestalten möchten.
Die knappe Freizeit in sozialen Institutionen verbringen. Ist das eine "soziale Utopie"?
Ich träume davon, dass es zukünftig mehr Zeit für Social Days gibt, bei denen wir uns lokal gegenseitig unterstützen. So ein Social Day wäre ein Tag pro Woche, der nur dem sozialen
Engagement dient, und für den man von seinem Arbeitgeber freigestellt wird. So könnten wir es schaffen, diese Hilfe zu organisieren, ohne dass Geld eine Rolle spielt. In meinen Augen ist das
keine Utopie. Nur eine Frage der Zeit und Moderation. Heute ist doch jeder extrem fokussiert: auf sein Umfeld, seinen Beruf, seine Probleme. Das ist in meinen Augen auch nichts Böses oder
Schlimmes. Aber man bekommt von seinen Nachbarn rundherum gar nichts mehr mit. Das würde ich gern ändern.
Planst du auch soziale Abenteuertouren in typischen Urlaubsländern?
So wie eine Abenteuertour in den Elendsvierteln von Rio de Janeiro? Nein! Ich finde, wir sollten hier helfen. In unseren Städten. Natürlich brauchen die Menschen in anderen Ländern auch
Hilfe, aber das ist nicht das Ziel von Hometown Glory. Wir wollen unser Umfeld verändern, raus aus unserem Alltagstrott. In dem Moment, in dem du deine Stadt veränderst, veränderst du dich
selbst. Man wird Teil vom Ganzen und lebt nicht nur so vor sich hin. Wir wollen in unserer Heimatstadt mithelfen. Nicht irgendwo hinfahren und den eigenen Problemen entfliehen.
Woher nimmst du die Kraft für dein Projekt? Warum bist du "sozial"?
(Anne lacht) Darf ich eine Antwort mit Augenzinken geben? Meine Eltern sind in der SPD. Wir sind einfach so.
Mit ihrer kleinen Reiseagentur Hometown Glory organisiert sie soziale Abenteuertouren durch Hamburg. Die Idee: Ihre Teilnehmer packen in sozialen Institutionen mit an und lernen so die Stadt von ihrer menschlichsten Seite kennen. Mehr Informationen unter http://hometown-glory.com/







