Outsourcing, Leiharbeit und Selbstausbeutung sind Teil der neuen Arbeitswelt. Die 1983 gegründete Bio-Bäckerei "Mehlwurm" in Berlin lebt ein anderes Modell. Der Betrieb ist in Selbstverwaltung: Vier Männer und vier Frauen sind Eigentümer der Bäckerei und führen sie als Kollektiv.
Alle zwei Wochen kommen sie zu einem Plenum zusammen und besprechen, was gerade ansteht. Preispolitik, Mitarbeiter oder Investitionen: "Was von größerer Tragweite ist, wird gemeinsam bestimmt", erklärt Gerd Hartnack. Er ist seit 1987 Miteigentümer der Bäckerei. Nach turbulenten Anfangsjahren habe sich eine stabile Gruppe gefunden.
Alle haben den gleichen Stundenlohn
In den vergangenen zwanzig Jahren hat sich vieles geändert. Das zentrale Anliegen, einen Betrieb gemeinsam zu führen, hochwertige Lebensmittel zu produzieren und Arbeitsbedingungen angenehm zu gestalten, ist geblieben und hat sich bewährt.
Auch wenn die Bäckerei inzwischen Mitarbeiter hat, die nicht zugleich Miteigentümer sind. "Hier wird keiner reich", sagt Hartnack. Allerdings schuftet sich auch keiner zu Tode. 30-Stunden-Wochen sind die Richtlinie und alle haben den gleichen Stundenlohn - von den Putzkräften bis zu den Geschäftsführern.
Brot und Gebäck in Handarbeit
Der Stammladen der Bäckerei liegt in Berlin-Neukölln. In dem kleinen Laden riecht es nach frisch Gebackenem. Kein Wunder, hinter dem Verkaufsraum ist die Backstube, in der Brote und Süßgebäck für die beiden Filialen und für die Bio-Läden gebacken werden, die "Mehlwurm" beliefert. Auch wenn es kein Großbetrieb ist, an Wochentagen werden 500 Brote gefertigt, an Samstagen sind es doppelt so viele. Und alle in Handarbeit, genau wie das Kleingebäck und die Kuchen.
Die werden morgens gebacken, das Brot übernimmt die Nachmittags-Schicht. Laibe formen, Äpfel schnippeln, Möhren reiben: Bei "Mehlwurm" werde "gebacken wie bei Muttern", sagt Gerd Hartnack. In Silos lagert Getreide, die Bäckerei vermahlt es selbst zu Mehl. Sechs Mal im Jahr kommen Lieferungen von Bio-Bauernhöfen. Vor zwei Jahren hat der Betrieb in neue Öfen investiert. Damit es keine Lärm-Beschwerden gibt, wurde die Wohnung über der Bäckerei dazugemietet. Hier erledigt Gerd Hartnack, der gelernte Volkswirt und angelernte Bäcker, die Buchhaltung des selbstverwalteten Betriebs.
Es läuft gut für die Alternativ-Bäcker. Die Großproduktion ihrer Vollkornwaren in Fabriken ist für das Kollektiv ausgeschlossen. "Es schmeckt anders, wenn nicht mehr alles per Hand gemacht wird", erklärt Hartnack. Von den Arbeitsbedingungen wohl ganz zu schweigen.







