Migrantische Unternehmen. Darunter stellen sich die meisten Menschen den türkischen Gemüsehändler um die Ecke oder die Schneiderin aus der Ukraine vor. Doch weit gefehlt: "Viele erfolgreiche
Unternehmer aus dem Mittelstand sind Migranten", stellt Andrea Bührmann klar. Und die Münsteraner Soziologin weiß: "Migrantische Unternehmen sind zu einem bedeutenden Wirtschaftsfaktor in
Deutschland geworden."
"Unternehmer/innen mit Migrationshintergrund - Ideen umsetzen, Integration verwirklichen und Wirtschaftsdynamik fördern", lautete der Titel von Bührmanns Vortrag, den sie am Donnerstagabend
beim Wirtschaftsempfang der SPD und deren
Arbeitsgemeinschaft der Selbstständigen (ASG) hielt. Der Hintergrund: Der diesjährige Innovationspreis von SPD und ASG ging an zwei Unternehmen, deren
Geschäftsführer Migrationshintergrund besitzen, sowie an zwei Vereine, die sich für die Selbstständigkeit von Migranten einsetzen.
Vom "Notgründer" zum Wirtschaftsfaktor
"In den 80er Jahren galten Migranten als so genannten Notgründer", weiß Andrea Bührmann. Viele von ihnen gründeten Unternehmen, um nicht länger als arbeitslos zu gelten. Das hat sich
mittlerweile radikal geändert. "Sie gründen nicht mehr weil sie müssen, sondern weil sie kluge Geschäftsideen umsetzen wollen."
Eine gute Idee hatte auch Ender Önder. 2007 gründete er in Ludwigshafen die gemeinnützige
IDA GmbH. Mit mittlerweile 13 Mitarbeitern unterstützt die Firma kleine und mittelständische Unternehmen mit ausländischem Hintergrund, Ausbildungsplätze zu
schaffen. Mit ihrer Arbeit fördert das Unternehmen die Integration und das multikulturelle Denken in einer ganzen Regionen meinten SPD und ASG und zeichneten Ender Önder mit einem der vier
Innovationspreise 2010 aus.
Unternehmensgründer als Garant für Integration
Die weiteren Preise gingen an Attila Karka, Geschäftsführer der
BIRFOOD GmbH & Co. KG, einer Reinigungsfirma mit rund 3500 Mitarbeitern deutschlandweit, an die "
Initiative Selbstständiger Immigrantinnen", die in Berlin die Selbstständigkeit von Frauen unterschiedlicher, ethnischer und nationaler Herkunft fördert, sowie
an den Hamburger Verein "
Unternehmer ohne Grenzen", der Selbstständigen mit Migrationshintergrund eine Austauschplattform bietet.
Dass Unterstützung und Förderung mitgrantischer Unternehmen entscheidend ist, unterstrich auch Andrea Bührmann. "Wir sollten den Gründungswilligen die Türen öffnen, anstatt sie als
Bittsteller zu behandeln", forderte sie. Letztlich seien erfolgreiche Unternehmensgründer mit Migrationshintergrund nämlich ein Vorteil für alle. "Sie befördern Integration und verhindern das
Entstehen von Parallelgesellschaften."







