"Was ist ein Dietrich gegen eine Aktie? Was ist ein Einbruch in eine Bank gegen die Gründung einer Bank?", heißt es bei Brecht. In Zeiten der globalisierten Finanzmärkte, in der Banken als "too big to fail", als zu groß zum Scheitern gelten und auf Kosten des Steuerzahlers gerettet werden, formiert sich Protest: Die Aktion "Stopbanque" ruft dazu auf, am 7. Dezember soviel Geld wie möglich von Bankkonten abzuheben.
Mit legalen Mitteln soll das Banksystem attackiert werden. Auf der Online-Plattform Facebook wird in mehreren Sprachen dazu aufgerufen. Tausende haben bereits ihre Teilnahme angekündigt. Inzwischen gibt es auch eine deutsche Website.
Ohne Einlagen keine Banken
Wenn zu viele Menschen gleichzeitig ihre Einlagen fordern - so die Hoffnung der Aktivisten - kollabieren die Banken. Es gehe darum, ein Bewusstsein dafür zu schaffen, dass die Gelder der
Anleger die Basis sind, auf der die Banken weltweit operieren und spekulieren. Ohne Einlagen keine Banken. In einer auf der Website
bankrun2010.com veröffentlichten Erklärung heißt es, dass die Aktion Politikern deutlich machen soll, dass sie im Interesse von Menschen handeln müssen,
nicht in jenem von Finanzmärkten.
In einer Situation, in der Staatsoberhäupter vor Rating-Agenturen zittern, die Währungen nach eigenem Gutdünken abwerten können, seien Streiks und Demonstrationen keine wirksamen Mittel mehr,
ist in der mit Géraldine Feuillien und Yann Sarfati gezeichneten Erklärung zu lesen. "Deshalb haben wir uns entschlossen, das System in seinem Herzen zu treffen - das Banksystem."
Die Gallionsfigur für den geplanten Bankrun gibt der ehemalige Fußballprofi Eric Cantona. In einem via youtube verbreiteten Videointerview spricht er von einer "echten Revolution". Und erklärt: "Das System ist rund um die Banken aufgebaut. Wenn man das System zerstören will, macht man das, indem man die Banken zerstört."
Ein Bewusstsein schaffen
Wirtschaftsexperten geben sich dennoch entspannt. Klaus Abberger vom wirtschaftsnahen Münchener Institut für Wirtschaftsforschung erklärt im Interview mit jetzt.de, der Jugendwebsite der
Süddeutschen Zeitung, zwar: "Generell ist so ein Bankrun etwas sehr Gefährliches. Wenn eine Bank auf einen Schlag mehr Geld auszahlen muss, als sie in ihren Tresoren liquide zur Verfügung hat,
wird sie zahlungsunfähig und geht damit pleite." In der Aktion sieht er aber keine akute Gefahr. Das Handelsblatt und der Freitag zitieren eine Mitarbeiterin der französischen Bankenföderation,
die dem Observer erklärte, ihr sei angesichts des "idiotischen Appells" zum Lachen.
Diese Art von Zynismus beendet die Aktion am 7. Dezember vielleicht nicht. Das Ziel, ein Bewusstsein dafür zu schaffen, dass Banken keine allmächtigen Akteure sind, könnte dennoch erreicht werden. Und so kühn sie sich auch geben, sicher fühlen sich die Protagonisten des Bankensystems im Moment nicht: Julian Assange, Gründer und Sprecher der Plattform Wikileaks, hat angekündigt, Anfang nächsten Jahres Enthüllungen über die Praktiken einer US-amerikanischen Großbank zu veröffentlichen. Die Unruhe steigt.







