Im Jahr 1944 kamen im amerikanischen Bretton Woods die Vertreter von 44 Staaten zusammen, um über die Finanzarchitektur nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs zu beraten. Prägend waren die Ideen
der Ökonomen John Maynard Keynes und Harry Dexter White. In der Folge entstanden der Internationale Währungsfonds sowie die Weltbank. Beide haben bis heute Bestand und arbeiten - Finanzkrise hin
oder her - recht effektiv.
"Würden John Maynard Keynes und Harry Dexter White die wichtigsten internationalen Institutionen heute planen, kämen sie vielleicht zu anderen Entscheidungen", meint Nicholas Stern. "Statt
Internationalem Währungsfonds (IWF), Weltbank und Welthandelsorganisation (WTO) würden sie meiner Meinung nach heute Weltbank und IWF in einer Institution vereinigen, die zweite wäre die WTO und
die dritte eine Weltklimaorganisation."
Skizze für einen sicheren Planeten
Auch 65 Jahre nach der Konferenz von Bretton Woods ist die Weltgemeinschaft von einer solchen Organisation weit entfernt. Die "letzte Chance Kopenhagen" wurde im vergangenen Jahr
leichtfertig vergeben. Beim derzeitigen Klimagipfel in Cancun ist höchstens mit einigen Minimaleinigungen zu rechnen.
Dabei liegen die Lösungen schon länger auf dem Tisch. Nicholas Stern, Autor des nach ihm benannten "Stern-Reports", in dem er die weltwirtschaftlichen Kosten des Klimawandels analysierte,
hat sie als einen "globalen Deal" bereits im vergangenen Jahr formuliert. Der britische Ökonom versteht diesen Plan als "eine Skizze dafür, wie sich ein sicherer Planet bauen, d.h., wie sich der
Klimawandel beherrschen und ein neues Zeitalter von Wachstum und Wohlstand verwirklichen lässt".
Industrieländer als Vorbild
Schlüsselelemente sind dabei für Stern verbindliche, weltweite Emissionsziele sowie ein Handelssystem für CO2 und eine gesicherte Finanzierung, die sich sowohl auf Anpassungsmaßnahmen
richtet wie auch einen Totalumbau des derzeitigen Wirtschaftssystems zum Ziel hat: "Alle Länder müsse ihre Volkswirtschaften neu orientieren, um sowohl die Widerstandsfähigkeit gegen die
unvermeidlichen Folgen des Klimawandels zu stärken als auch den Kohlenstoffverbrauch zu reduzieren."
Dabei kommt es nach Stern vor allem auf die Industrieländer an. "Eine große Bereitschaft der reichen Länder, die Anpassung der Entwicklungsländer zu unterstützen, ist ein zentrales Element
eines gerechten Deals." Nur wenn die Industrienationen, deren Wohlstand nicht zuletzt auf großem CO2-Ausstoß in der Vergangenheit gründet, mit gutem Beispiel vorangingen und zu weitreichenden
Reduktionen bereit seien, könne das globale Geschäft funktionieren.
Ganz besonders in der Pflicht stünden zudem die beiden großen "Player" China und die USA. "Ein gegenseitiges Verständnis zwischen den beiden größten Emissionsproduzenten USA und China wird
für jedes Abkommen grundlegend sein", ist Stern überzeugt. Er setzt dabei vor allem auf eine technologische Zusammenarbeit der beiden Staaten.
Faktoren für ein tragfähiges Klimaabkommen
In seinem 250-Seiten starken Buch, das auf dem "Stern-Report" aus dem Jahr 2006 aufbaut, nennt Nicholas Stern die Faktoren, auf die es bei einem tragfähigen Klimaabkommen ankommt. Er
beschreibt sachlich und ohne ideologische Scheuklappen den institutionellen Rahmen und benennt die notwenigen Verantwortungsträger. Sein "Global Deal" ist eine Vision für eine bessere, CO2-arme
Welt, doch eine durchweg realistische. Seine Zahlen (weltweite Emissionssenkungen um 50 Prozent bis 2050, Etablierung eines CO2-Handels mit einem Volumen von 50 bis 100 Milliarden Dollar jährlich
bis 2030) sind valide und mittlerweile globaler Konsens.
Doch auch wenn die Fakten bekannt sind, weiß Nicholas Stern: "Auf die genauen Absprachen kommt es an, und es wird harte Arbeit sein, gute Lösungen zu erreichen." In Kopenhagen ist es nicht
so weit gekommen und auch bis zu einem Abkommen in Südafrika im kommenden Jahr werden noch einige Klippen zu umschiffen sein. Problem sind nicht fehlende Lösungen. "Das Haupthindernis ist der
politische Wille."
Nicholas Stern: Der Global Deal. Wie wir dem Klimawandel begegnen und ein neues Zeitalter von Wachstum und Wohlstand schaffen, C.H.Beck 2009, 19,90 Euro, ISBN 978-3406591761







