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Mode macht Schule

Christian Janssen • 30. November 2010

Ausstellung im Hause der Kulturen der Welt (Bild: Christian Janssen)
Ausstellung im Hause der Kulturen der Welt (Bild: Christian Janssen)

Das Haus der Kulturen der Welt in Berlin bot den Berliner Hochschulen und Modeschulen unter dem Motto "MODE macht SCHULE" eine Plattform, um ihr Wirken einer breiten Öffentlichkeit vorzustellen. Nach der Mediadesign Hochschule für Design und Informatik GmbH (MDH), der Modeschule " ESMOD" und der Kunsthochschule Berlin-Weißensee stellte sich nun am 5. November 2010 die Hochschule für Technik und Wirtschaft Berlin (HTW) mit der Ausstellung "In Bewegung" mit Kleidern der Studierenden des Studienganges Modedesign vor. Die Arbeiten beschäftigten sich mit dem immanenten Wandel der Modebranche; es wurden Schaffensprozesse verdeutlicht und Installationssysteme in Bewegung präsentiert. Nebenbei hatten die Gäste die Gelegenheit, Einzelteile älterer Kollektionen der hochschuleigenen Marken "30 paar haende" und "30 ph" käuflich zu erwerben.

Auf der darauf folgenden Modenschau konnten die Stücke am lebenden Körper bewundert werden, was "Lovely Miss Q", eine spanische Sängerin und "DJane", mit ihrer Live-Musik unterstützte. Ein Blickfang wurde die Kollektion auch durch das Ambiente; ein weißer Laufstegboden und ein schwarzer Hintergrund sind stets eine gute Wahl! Am 6. November 2010 thematisierten Elke Giese für den Deutsches Mode-Institut e. V. in Köln, Prof. Ulrich Lehmann für die University of Creative Arts Rochester sowie der Autor und Berater Joachim Schirrmacher bei einer Podiumsdiskussion zum Thema "Die Versportlichung der Gesellschaft - Auswirkungen auf die Mode" die aktuellen Marktanforderungen und die damit einhergehenden veränderten Ansprüche an die Modeschöpfer.

Am 26. November 2010 folgte die Berufsausbildungszentrum Lette-Verein Stiftung des öffentlichen Rechtes mit der angeschlossenen Berufsfachschule für Grafikdesign, Modedesign und Photographie. Die Nachfrage nach einer Ausbildung ist groß. Beispielsweise kommen auf die achtundzwanzig Plätze für neue Modeschüler jedesmal rund 250 Bewerber. Der Titel der Auftaktveranstaltung "Fashion Battle" klang zwar kriegerisch, war aber spielerisch gemeint. Vier interdisziplinäre Mannschaften aus Mode-, Photographie- und Grafikschülern traten gegeneinander an, um unter sich die Besten bei der Bewältigung einer gemeinsamen Aufgabe herauszufinden, die darin bestand, ein Kleid am Körper eines Modells zu drapieren, das so bekleidete Modell in Pose abzulichten und das fertige Produkt in einer Filmsequenz zu präsentieren: eine innovative Idee der Modepräsentation. Als Preis lockte unter anderem ein Praktikumsplatz bei der Berliner Modeschöpferin Nanna Kuckuck. Den Sieger durfte das Publikum küren, das sich für das "Team Blau" entschied.

Mehr Kleider waren am 27. November 2010 auf der Modenschau "Fashion Walk" zu sehen. Die Veranstaltungsreihe endete am 28. November 2010 mit einer Podiumsdiskussion zum Thema "Modestadt Berlin?". Alexander Kölpin als Berater der Berlin Partner GmbH sagte, es sei für Berlin der richtige Anspruch, in der gleichen "Liga" wie die Modemetropolen Paris und Mailand zu spielen. Dies schränkte Antje Osterburg, Dozentin der MDH, etwas ein, weil Berlin noch nie für Haute Couture gestanden habe. Dennoch zeigte sie sich über die bisherige Entwicklung zufrieden, da die Modeszene in den letzten Jahren von ihren eher "verkunsteten" Entwürfen weg spürbar professioneller geworden sei. Prof. Petra Skupin, Dozentin der HTW, wies dabei auf die Wichtigkeit einer hochwertigen Verarbeitung und auf neue Technologien als Herausforderung für heutige junge Modeschöpfer hin.

Davon, wie schwierig es ist, sich mit der selbst geschaffenen Marke selbständig zu machen, konnten zwei ehemalige, mit Preisen ausgezeichnete Absolventen aus eigener Erfahrung erzählen. Der Berliner Modeschöpfer Michael Sontag räumte ein, es sei als Absolvent sehr schwer, international Fuß zu fassen; in Berlin sei der Beginn noch am leichtesten. Meike Vollmar, die nach der Insolvenz der Icon Fashion Group AG ihre Tätigkeit für die Marke "Macqua" hatte einstellen müssen und nun an der Berliner Modeschule "ESMOD" unterrichtet, ergänzte, die Fördermaßnahmen griffen zu kurz, da sie besonders auf Absolventen zugeschnitten seien, ohne die Probleme in den Anfangsjahren der Selbständigkeit zu berücksichtigen; sie sei damals "durch alle Raster" gefallen. Nach der den "Lette-Verein" vertretende Martina Vogt bräuchten junge Modeschöpfer für einen erfolgreichen Einstieg ins Berufsleben vor allem kompetente Partner und gute Netzwerke.

Allmählich driftete die Diskussion in Richtung auf die Frage ab, wie das Studium beziehungsweise die Ausbildung sinnvoll zu gestalten sei. Aus dem Publikum ergriff der in London arbeitende Photograph Kay Strasser das Wort und machte den Mentalitätsunterschied deutlich, indem er sagte, solche "Phantom-Diskussionen" über Selbstverständlichkeiten wie eine solide handwerkliche Basis gebe es in London erst gar nicht. Der anfängliche Mißerfolg liege vielfach an einer falschen Arbeitseinstellung; so habe seine Bekannte zunächst einfach "keine Lust" gehabt, Schuhe für eine Handelskette zu entwerfen.

Viele junge Modeschöpfer ignorieren überdies die Presse. Das kreative Potential ist vorhanden; es bedarf der praktischen Umsetzung. Übrigens schien das Interesse der Studierenden an der eigenen beruflichen Zukunft angesichts der unzähligen leeren Sitzplätze nicht allzu groß zu sein. Die Moderatorin Fredericke Winkler benannte abschließend das größte Hindernis auf dem Wege in die Zukunft: hierzulande sei die Mode noch nicht von allen als Kulturgut erkannt worden.

Eine Modeschöpferin, die schon mit beiden Beinen in der Berufspraxis steht, ist die Berlinerin Caroline Kratzsch. Sie kam, frisch inspiriert, aus Paris zurück und zeigte am 19. November 2010 in Zusammenarbeit mit dem Ensemble des Berliner Theaters " Kleine Nachtrevue" im Rahmen einer burlesken Inszenierung ihre neue Dessouskollektion "Körpernah".

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