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Idealismus als Herausforderung

Angelo Algieri • 19. November 2010

Politik muss für alle Menschen gemacht werden, nicht nur für eine Mehrheit. Foto: Stephanie Hofschlaeger / pixelio.de
Politik muss für alle Menschen gemacht werden, nicht nur für eine Mehrheit. Foto: Stephanie Hofschlaeger / pixelio.de

Wolfgang Thierse hatte in seiner Funktion als Vorsitzender des Kulturforums der Sozialdemokratie zur Veranstaltung im Rahmen der Reihe "philosophy meets politics" ins Berliner Willy-Brandt-Haus geladen - gekommen waren rund 80 Personen unterschiedlichen Alters. Weitere Gäste: der stellvertretende Vorsitzende der SPD, Olaf Scholz, der Philosophie-Professor der Ludwigs-Maximilians-Universität und ehemalige Kulturstaatsminister (2001-2002) Julian Nida-Rümelin sowie der Philosphie-Professor an der Humboldt Universität zu Berlin, Volker Gerhardt.

Susan Neiman wies mit ihrer Frage darauf hin, dass sich das rechte Lager beidseitig des Atlantiks des Begriffes Idealismus ganz selbstverständlich bediene. Ihre Forderung: Der fortschrittliche Idealismus- und Moralbegriff sollte wieder in das linke Lager zurück gewonnen werden.

Idealismus ist nicht naiv
Neiman findet es untragbar, dass selbst bei links-denkenden Menschen Idealismus als naiv gelte. Sie erläuterte weiter, dass der im Gegensatz stehende "Realismus eine Form der Trägheit ist", da er nur das Sein betrachte und so keine Veränderung zuließe. Der Idealismus hingegen gebe sich mit dem Sein nicht zufrieden und treibe so den Einzelnen an, sich für Veränderungen stark zu machen. Ein erwachsener Idealismus, so Neiman, der die Veränderung als Ziel habe, ohne das Sein außer Acht zu lassen. Olaf Scholz formulierte es in seinem Vortrag treffender, indem er "Realismus und Idealismus als zwei Seiten derselben Medaille" beschrieb.

In der darauffolgenden Diskussionsrunde gab es einige Irritationen zum Begriff der Toleranz - Diskutant Volker Gerhardt war geradezu entsetzt. Denn Neiman hatte in ihrem Vortrag den Toleranz-Begriff durch Internationalität ersetzt. Sie erläuterte, dass Toleranz implizieren würde, dass man etwas ausstehen müsse. Zudem gehöre dieser "resignative Begriff" mittlerweile zum Anstand.

Nicht-Akademiker mit besserer politische Urteilskraft
Die Diskutanten wiesen darauf hin, dass Politik nicht nur für eine Mehrheit gemacht werden solle, sondern alle Menschen einbezogen werden müssten. Scholz erklärte, dass gerade Politiker aus dem akademischen Mittelstand sich nicht trauen würden über ihren sozialen Tellerrand hinaus Politik zu gestalten und Julian Nida-Rümelin ergänzte, dass "Nicht-Akademiker meist eine bessere politische Urteilskraft" hätten.

Das Thema Integration durfte bei einer Sein-Soll-Diskussion nicht fehlen: Nida-Rümelins These "Humanismus als Leitkultur" wurde vom Moderator Thierse nicht weiter vertieft. Denn es wäre Thema für eine neue Diskussion - vielleicht schon bei der nächsten Veranstaltung "philosophy meets politics"?


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