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Der Dichter als Ermittler

Dorle Gelbhaar • 25. November 2010

Foto: Mitteldeutscher Verlag
Foto: Mitteldeutscher Verlag

Es ist das Milieu der Oberschicht, in das wir an der Seite dieses Joseph von Eichendorff hineingleiten. Studenten in Halle an der Saale, allesamt adlig - wie auch Joseph von Eichendorff selbst - suchen sich die Mühen des Studiums durch gesellige Abende bei Wein, Wein und Gesang zu verschönern. Der Studienort bietet kaum noch etwas an gehobenen Kulturveranstaltungen, da dort im Preußischen "sämtliche Theater auf Druck der Frömmler geschlossen" worden sind.
Joseph von Eichendorff sitzt in einer langweiligen Theaterinszenierung in Merseburg, als ihm ein weibliches Wesen auffällt, mit dem er gern nähere Bekanntschaft schließen würde. Die Aussicht darauf versöhnt ihn mit der philisterhaften Umgebung.

Mysteriöses Geschehen
Damit nimmt der Krimi seinen Lauf. Denn zu dieser jungen Dame führt der Weg nur über den Bruder. Und der lädt Joseph von Eichendorff auf das elterliche Gut der Geschwister Botfeld ein, wo der Student und angehende Dichter bald in ein mysteriöses Geschehen hineingerät. Ein Bediensteter des jungen Botfeld stirbt. Er hat sich selbst umgebracht. Wie es scheint aus unglücklicher Liebe.

Unangenehme Vermutung
Jakob, Joseph von Eichendorffs Diener, kommt auf den Gedanken, der Verstorbene könne in eben jene Ulrike Botfeld verliebt gewesen sein, die auch Joseph von Eichendorffs Blicke auf sich gezogen hat. Zum Beweis nennt er das feine Tüchlein, das Joseph von Eichendorff bei dem Toten gefunden hat. So eines könne unmöglich einer Magd gehört haben. Der frisch Verliebte verbittet sich diesen ungebührlichen Gedankengang seines Dieners. Aber ganz kann er diese Spekulation doch nicht verdrängen, zumal er eine Zeit nach dem Besuch auf dem Gut der Botfelds von einem weiteren Toten erfährt.

Durschschaute Lüge
Botfeld erzählt von einer Epidemie, die auf seinem Anwesen grassiere und um deretwillen er in die Stadt hätte flüchten müssen. Dieser Epidemie soll der zweite Tote zum Opfer gefallen sein.

Doch zufällig erfährt Eichendorff, dass dies nicht stimmt. Es gab zwar einen zweiten Toten. Nicht jedoch eine heimtückisch um sich greifende Krankheit. Jakob und sein Herr gerieren sich, als handelte es sich bei ihnen um eine Neuauflage von Sherlock Holmes und Dr. Watson. Der Fall soll durch sorgsames Recherchieren und Nachdenken gelöst werden. Nicht ohne Erfolg. Denn da gibt es auch noch eine beim etwas merkwürdigen Pastor des Gutes hoch angesehene ehemalige Nonne auf dem Gut der Botfelds: Ulrikes Zofe. Und im Garten der Ulrike wachsen giftige Pflanzen …

Bildungs-Krimi
Eichendorff-Verse weben sich in die Handlung hinein, ebenso wie die Schilderung des historischen Umfelds der Zeit des Romantikers. Die Behandlung der niederen Stände durch den Adel gerät ins Bild, das Willkürliche, Hochfahrende auch im Umgang mit gebildeten Bürgern. Unser Held sieht dies kritisch, ist jedoch selbst nicht völlig frei davon. Man erfährt so einiges zu Leben und Werk des Dichters. Dies dient der äußeren Umrahmung des Kriminalfalles.

Schließlich verfügt der Autor, der selbst Literatur und Geschichte in Halle und Leipzig studiert hat, über historische und literaturgeschichtliche Kenntnisse, die er einfließen lassen kann. Historische Krimis gibt es reichlich, Regionalkrimis ebenfalls. Vor allem kleine Verlage nutzen diese Nische in der Krimilandschaft gern. Hier kommt noch die Variante Dichterkrimi hinzu. Ein Krimi mit Bildungshintergrund also.

Bernhard Spring: "Folgen einer Landpartie. Ein historischer Halle-Krimi", Tatort Ost Mitteldeutscher Verlag, Halle (Saale), 2010, 166 Seiten, 9,90 Euro, ISBN 978-3-89812-681-6

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