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Renommierte Verlage verkaufen "Nazi-Literatur"

Birgit Güll • 09. November 2010

Foto: Verena N. / pixelio.de
Im Online-Büchersortiment von SZ, FAZ und Spiegel findet sich rechtsextreme Literatur. Foto: Verena N. / pixelio.de

In den Online-Buchshops von FAZ, SZ und Spiegel wird rechtsextreme Literatur verkauft. Darauf machte das TV-Magazin "Report Mainz" mit dem Beitrag " Nazi-Literatur frei Haus. Warum Online-Portale großer Verlage rechtsextremistische Literatur anbieten" aufmerksam. Die Journalisten Eric Beres, Anton Maegerle und Ulrich Neumann berichteten, dass in jedem der drei Online-Shops mehr als 150 rechtsextreme Bücher verkauft werden.

Bücher von Nationalsozialisten und Holocaust-Leugnern

Salomon Korn, Vizepräsident des Zentralrats der Juden in Deutschland sagte in dem Beitrag: "Es ist ein Skandal, dass solche Bücher unter dem Namen von FAZ, Süddeutsche Spiegel Online und möglicherweise noch anderen Verlagen laufen. Es ist mir unverständlich, dass der gute Name dafür hergegeben wird, eine solche Literatur zu verbreiten, die eigentlich darauf aus ist, das demokratische System zu unterhöhlen und abzuschaffen."

Unter den Büchern, die in den Online-Portalen der Verlage angeboten werden, fand "Report Mainz" Autoren wie Wilfred von Oven, Pressereferent von Propagandaminister Joseph Goebbels, oder Hans Ulrich Rudel, Kampfflieger im Zweiten Weltkrieg und nach dem Krieg in rechtsextremen Kreisen aktiv. Daneben ist auch aktuelle rechtsextreme Literatur erhältlich, etwa Schriften des Holocaust-Leugners David Irving.

"Sorgloser Umgang mit Nazi- und Neonazi-Literatur"

Der Großhändler Libri liefert die Bücher für die Online-Portale der Verlage. Alle drei Zeitungshäuser waren gegenüber dem "Report Mainz" nur zu einer schriftlichen Stellungnahme bereit. Der Spiegel erklärte, er müsse das gesamte Sortiment des Großhändlers Libri anbieten, während FAZ und SZ erklärten es sei wegen des großen Umfangs nicht möglich, rechtsextreme Titel rauszufiltern. Beides ist nicht zutreffend, wie "Report Mainz" recherchierte: Technisch sei es möglich, unerwünschte Titel zu filtern. - Allerdings verursache das zusätzliche Kosten.

"Es geht nicht, dass Moral und wirtschaftliches Denken sich hier immer widersprechen und am Ende das wirtschaftliche Denken über die Moral siegt", erklärt Salomon Korn in dem Beitrag. Wolfgang Benz, der Leiter des Zentrums für Antisemitismusforschung, sagte: "Ich fühle mich düpiert und getäuscht und frage mich, haben FAZ, Spiegel, Süddeutsche das nötig, solchen Dreck unter ihrem Label zu verkaufen?" Der "Report-Mainz" spricht von einem "ausgesprochen sorglosen Umgang mit Nazi- und Neonazi-Literatur durch drei publizistische Flagschiffe der Republik."

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