Artikel (Archiv) > "Wir stehen für Solidarität"

Hauptinhalt

Artikel (Archiv)

Übersicht

Icon   Interview mit Nils Schmid

"Wir stehen für Solidarität"

Redaktion Redaktion • 08. November 2010

Nils Schmid, der Spitzenkandidat der SPD Baden-Württemberg (links) und vorwärts-Chefredakteur Uwe Knüpfer (rechts) in der vorwär
Nils Schmid, der Spitzenkandidat der SPD Baden-Württemberg (links) und vorwärts-Chefredakteur Uwe Knüpfer (rechts) in der vorwärts Online-Redaktion. Foto: Björn Eggert

vorwärts: Das beschauliche Ländle im Südwesten ist plötzlich "battleground" geworden. Im nächsten Frühjahr ist ein Machtwechsel möglich. Wie bekommt der baden-württembergischen SPD die neue Aufmerksamkeit?

Nils Schmid: Sehr gut. In der Vergangenheit sind wir ja meist etwas mitleidig betrachtet worden. Das hat sich geändert. Jetzt lohnt es sich, auf Baden-Württemberg zu blicken. Schwarz-Gelb im Bund, Schwarz-Gelb bei uns im Land: beide versagen, beide sind unbeliebt. Zumal Mappus alles mitmacht, was Schwarz-Gelb im Bund anzettelt.

Was sagen die aktuellen Umfragen?

Dass es eine echte Chance gibt, die Schwarzen in die Opposition zu schicken. Seither werden wir Sozialdemokraten in neuem Licht gesehen. Bisher kamen wir ja allenfalls als mögliche Juniorpartner der Schwarzen infrage.

Wird diese Stimmung bis zum Wahltermin im März anhalten?

Das wird man sehen. So wie Herr Mappus agiert, sehe ich nicht, dass die Schwarzen sich fangen. Der Polizeieinsatz gegen die Stuttgart-21-Demonstranten hat die Distanz zwischen Regierung und Regierten massiv vergrößert. Schwarz-Gelb regiert eh über die Köpfe der Menschen hinweg, aber jetzt ist das weithin deutlich geworden. Sie kleben an den Sesseln der Macht und regieren von oben herab. Und eben nicht nur beim Bahnhofsthema, sondern zum Beispiel auch in der Schulpolitik. Da hängen sie fest an der starren Ideologie der Dreigliedrigkeit des Schulsystems.

Wird das wahrgenommen? Verdrängt Stuttgart 21 nicht alle anderen Themen?

Momentan ist das so, aber ich glaube, da wird eine gewisse Ermüdung eintreten. Damit kommt eine Offenheit auch für andere Themen. Und dann wissen die Menschen: die schwarz-gelben sind Glaubenskrieger, Eiferer. Wir Sozialdemokraten versuchen, der Vernunft eine Stimme zu geben. Bei S21 wie auf anderen Themenfeldern. Deshalb unser Slogan: Wir verstehen mehr als nur Bahnhof.

Nämlich?

Die Vereinbarkeit von Familie und Beruf, der Fachkräftemangel, die Energiewende: Auch diese Themen bewegen die Menschen. Beim Daimler will man wissen: Wie ist das mit der Zeitarbeit? Wo entstehen Arbeitsplätze für Ältere?

Aber ist das auch medial zu vermitteln? Es scheint, die gesammelte Aufmerksamkeit der Medien gilt S21 und den Grünen.

Spätestens nach dem Ende der Schlichtung werden auch die Journalisten wieder Ohren dafür haben, dass es noch andere Fragen gibt. Fragen, auf die die Grünen keine Antworten haben. Wenn Patienten die Folgen der Gesundheitsreform zu spüren bekommen. Wenn sie beim Arzt in Vorkasse gehen müssen. Unser Konzept der Bürgerversicherung zielt auf die Solidarität zwischen Kranken und Gesunden, Starken und Schwächeren. Wir stehen für Solidarität. Vielen Wählern wird, wenn es darauf ankommt, ein politisches Schmalspurangebot nicht reichen. Baden-Württemberg ist ein Industrieland. Die politische Führung muss industrielle Substanz erhalten und ausbauen. Das ist von den Grünen mit ihrer monothematischen Ausrichtung nicht zu erwarten.

Das scheint den Wählern der Grünen egal zu sein.

Weil das vielfach Menschen sind, die oben angekommen sind. Das grüne Projekt ist ein Projekt von Leuten, die's geschafft haben. Dass auch andere hochkommen, das interessiert sie nicht. Deshalb ist der grüne Wahlslogan wirklich treffend: Oben bleiben.

Inhalt rechte Spalte

 

Hauptinhalt 2

Buchtipp

Westend Verlag

Icon Rezension; Jürgen Roth: „Gazprom – Das unheimliche Imperium"

Putins unheimliches Imperium

Icon Rezension; Rudolf Hickel: „Zerschlagt die Banken"

„Zerschlagt die Banken"

Icon Rezension; Hans-Christian Jasch: „Staatssekretär Wilhelm Stuckart und die Judenpolitik"

Massenmord, geplant von Beamten

Icon Kathrin Hartmann: "Wir müssen leider draußen bleiben"

Von der Politik über den Tisch gezogen

Interview

Eren Güvercin

Icon Eren Güvercin im Interview

„Ich habe nie ein Identitätsproblem gehabt“

Icon Interview mit Frank Mentrup

Lust auf den Wechsel

Icon Interview mit dem Deutsch-Iraner Omid Pouryousefi

"Viele haben die Nase voll"

Icon Interview mit Katja Kullmann

„Dann ist da diese andere europäische, große Idee, die wir Sozialdemokratie nennen“

Veranstaltung

vorwärts-Fest in Bayern

Icon vorwärts-Fest

„Der Wandel in Bayern hat angefangen!“

Icon Buchvorstellung

Naziverbrecher ohne Reue

Icon Fotoausstellung im Willy-Brandt-Haus

Das kulturelle Gesicht Afghanistans

Icon Bildungspolitik

Gleiche Chancen für alle?

Kolumne

Icon Willst du mit mit (wählen) gehen?

Das Allerletzte von Martin Kaysh

Icon Notiert von Uwe Knüpfer

Berliner Tagebuch

Icon Abzug aus Afghanistan

Global gedacht von Rafael Seligmann

Icon Notiert von Uwe Knüpfer

Berliner Tagebuch

Filmtipp

Cengos (Abdullah Ado) Kindheit endet mit schmerzhaften Verlusterfahrungen.

Icon Film der Woche: Mes – Lauf!

Der stumme Schrei nach Leben

Icon Film der Woche: Kill me please

Selbstmord inklusive

Icon Film der Woche: Die Vermissten

Mit dem Rücken zum Nichts

Icon Film der Woche: Medianeras

Wir sind die Stadt