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Die Gruppe macht’s

Susanne Dohrn • 01. November 2010

Foto: www.wir-falken.de
Foto: www.wir-falken.de

Falken gibt es in ganz Deutschland, aber eher in Städten als auf dem Land. Das ergibt sich aus der Tradition der Arbeiterbewegung. Sie sind der viertgrößte Jugendverband, nach der Sportjugend (10 Millionen Mitglieder), den konfessionellen (1,8 Millionen) und gewerkschaftlichen Jugendverbänden (480 000).

"Für Falken ist es selbstverständlich zu schauen, ob man Gewerkschafts- oder SPD-Mitglied wird", sagt der Bundesvorsitzende Sven Frye. Auch wenn die Unzufriedenheit mit der SPD manchmal recht groß ist. Lockerung des Kündigungsschutzes, Hartz-Reformen, die Rente mit 67, all das lehnen die Falken ab. "Junge Menschen in Deutschland, die 16, 17, 18 Jahre alt sind, haben keine Möglichkeit gehabt, die SPD als Partei der sozialen Gerechtigkeit zu erleben. Die SPD muss sich dafür engagieren, dass die prekären Arbeits- und Lebensverhältnisse von jungen Menschen ein Ende haben, damit sie unabhängig von ihren Eltern leben und ihren Platz in der Gesellschaft finden können", fordert Sven Frye.

Szenenwechsel: Ein kleines Ladenlokal in Hamburg Eppendorf. "Radio Funkstark" steht am Fenster. Tagsüber machen hier Kinder und Jugendliche Radio. Einmal die Woche treffen sich hier Hamburger Falken. Sie sind zwischen 15 und 19 Jahre alt, gehen noch zur Schule und als erstes wird Frust über die verhauene Mathearbeit abgelassen. Mitfühlendes Gemurmel am Tisch. So eine Gruppe gibt Rückhalt. Aber dann geht es auch ganz schnell um Politisches. Zum Beispiel die Castor-Transporte. Anfang November soll wieder ein Zug mit abgebrannten Kernbrennstäben nach Gorleben fahren. Nun muss organisiert werden, wer wie zur Demo am 6. November kommt. Atomkraft und Nachhaltigkeit sind für die Falken ein wichtiges Thema.

Noch wichtiger allerdings sind die Reisen. Klar geht dabei um Spaß. Für fast alle, die heute Abend gekommen sind, waren die dreiwöchigen Sommercamps der Einstieg. "Voll cool", sagt Suraja (17). Vor allem die Gemeinschaft, wie an miteinander umgehe, haben es ihr angetan. Jedes Camp hat ein Thema. Kinderrechte zum Beispiel, Rassismus oder spanischer Bürgerkrieg. Das Motto der Falken lautet "Die Gruppe macht's", und so übernehmen Kinder und Jugendliche Verantwortung: helfen beim Aufbau der Zelte, kochen, machen sauber, wählen einen Lagerrat, planen das Programm sowie gemeinsame Spiele und Ausflüge. Gelebte Demokratie eben. Swantje (15) fährt schon seit sieben Jahren mit, Mikesch (16) gefielen die Leute im Camp so gut dass er beschloss: "Die denken wie ich. Da bleib ich dabei."

"Bildung für soziale Veränderung", ist das Motto der Falken. Sie reden nicht nur darüber, sie leben es. Und so wünscht sich Sven Frye auch von der SPD, "dass sie soziale Gerechtigkeit erlebbar macht".

SJD - Die Falken: "Die Gruppe macht´s!"

Mit der Kampagne "Die Gruppe macht's!" hat sich die Sozialistische Jugend Deutsch-lands - Die Falken der zunehmenden Individualisierung der Gesellschaft gestellt und als Gegenentwurf die Gruppe wieder in den Vordergrund gestellt.

Gruppen setzen an der Lebenssituation der Kinder und Jugendlichen an. Sie sind selbstbestimmter Freiraum ohne Zweckbindung. Hier wird Demokratie gelebt, denn Kinder und Jugendliche entscheiden selbst. Sie setzen sich miteinander auseinander, halten Meinungsverschiedenheiten aus und entwickeln gemeinsame Positionen. Junge Menschen gestalten gemeinsam ihre Freizeit und engagieren sich für die Gesellschaft. In der Gruppe wird Solidarität erlebbar und Freundschaft Wirklichkeit.

Dies ins Bewusstsein zu rücken war Aufgabe der Kampagne "Die Gruppe macht's". Dabei sollten nicht nur die zahlreichen Falkengliederungen in Deutschland angespro-chen werden, sondern von Beginn an war die Kampagne auf die Zusammenarbeit mit Partnern in Deutschland und auf internationaler Ebene ausgerichtet. Das Logo der Kampagne "Die Gruppe macht's" bzw. "The group matters" wurde so zum verbinden-den Erkennungszeichen für viele verschiedene Menschen aus ganz unterschiedlichen (Denk-)Kulturen, die sich der Idee "Gruppe" angeschlossen haben. So trafen sich bei-spielsweise im "Train for change", dem internationalen Zeltlager in Österreich und Tschechien, vom 25. Juli bis 6. August 2010 viele hundert Menschen, um solidarisch und bewusst als Gruppe zu leben.

Um den unterschiedlichen Begebenheiten vor Ort gerecht zu werden und den Interes-sierten möglichst viel Freiraum für einige Ideen zu lassen, wurde die Kampagne "Die Gruppe macht's" als Baukastensystem konzipiert: jede Gruppe sollte sich das für sie Passende heraus nehmen können.

Wichtige Bestandteile dieses Baukastens sind die "Gruppentasche" als Starter-Kit für sich neu gründende Gruppen und der "Gruppenordner", der - gefüllt mit Theorie, An-regungen und Spielideen zum Thema Gruppe - die Interessierten für die praktische Arbeit in und mit der Gruppe begeistern und unterstützen sollte.

Erstmals präsentiert wurde der Gruppenordner im Rahmen des fünftägigen Events "Das Camp!", einem ersten Höhepunkt der Kampagne "Die Gruppe macht's". Hier trafen sich rund 300 Multiplikatorinnen und Multiplikatoren der Bildungsarbeit zu einem pä-dagogischen Kongress in Zeltlager-Atmosphäre, um in rund 20 verschiedenen Workshops über Ideen und Erfahrungen rund um das Thema Gruppe auszutauschen.

Entsprechend groß ist Resonanz. Zahlreiche Gruppen vor Ort setzen die Kampagnen-materialien gezielt in der HelferInnen-Schulung ein und arbeiten intensiv mit dem Gruppenordner. Und immer wieder benennen Falkengruppen aus unterschiedlichen Regionen den Bedarf nach überregionalen Gruppenfreundschaften. Die SJD - Die Fal-ken nehmen dies als Auftrag, die Kampagne weiter zu entwickeln. Neue Aktionen sind bereits für das Frühjahr 2011 geplant.


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