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„Die SPD muss wieder Bewegung werden“

Susanne Dohrn • 01. November 2010

Sven Frye, Bundesvorsitzender der Sozialistische Jungend Deutschlands – die Falken. Foto Dirk Bleicker
Sven Frye, Bundesvorsitzender der Sozialistische Jungend Deutschlands – die Falken. Foto Dirk Bleicker

vorwärts.de: Was muss die SPD tun, um wieder sexy zu werden?
Sven Frye: Sexy ist nicht unbedingt das, was ich von einer Partei erwarte. Aber sie muss wieder Bewegung werden, starke Mitgliederpartei, eine Organisation, die es versteht die Interessen im Sinne der sozialen Gerechtigkeit zu vertreten.

Was wäre das aus der Sicht der Falken?
Junge Menschen in Deutschland, die 16, 17, 18 Jahre alt sind, haben keine Möglichkeit gehabt, die SPD als Partei der sozialen Gerechtigkeit zu erleben. Die SPD muss sich dafür engagieren, dass die prekären Arbeits- und Lebensverhältnisse von jungen Menschen ein Ende haben, damit sie unabhängig von ihren Eltern leben und ihren Platz in der Gesellschaft finden können.

Ist es nicht Sache der Wirtschaft, ordentliche Jobs anzubieten?

Die Politik setzt Rahmenbedingungen. Deshalb fordern wir Falken z.B. einen Mindestlohn. Junge Leute bekommen regelmäßig nur befristete Arbeitsverhältnisse. Das muss sich ändern. Kinder, die von Hartz IV leben, brauchen eine finanzielle Ausstattung, die sich nicht an den Ausgaben der 20 Prozent mit den niedrigsten Einkommen orientiert, sondern den tatsächlichen Bedürfnissen junger Menschen Rechnung trägt. Das bedeutet u.a. eine Auseinandersetzung darüber, dass die SPD an diesen Gesetzen selbst mitgewirkt hat.

Warum sind die Grünen so in, die haben doch auch an den Gesetzen mitgewirkt?
Die haben kein Konzept für die Sozialpolitik, aber das ist entscheidend für die Gesellschaft....

... und das macht sie attraktiv?
Die Grünen konzentrieren sich auf viele Einzelthemen, die spannend für jüngere Menschen sind wie Atomkraft, Nachhaltigkeit. Wir kooperieren mit der Grünen Jugend, der Gewerkschaftsjugend und den Jusos. Die Kampagne "Zusammen etwas ändern" geht Anfang November online. Darin zeigen wir, was schwarz-gelbe Regierungspolitik für die Jugend bedeutet. Bei der Zusammenarbeit mit der Grünen Jugend zeigt sich, dass auch die an den Maßnahmen der rot-grünen Regierung zu knabbern haben.

Werden aus Falken automatisch Sozis?

Für Falken ist es selbstverständlich zu schauen, ob man Gewerkschafts- oder SPD-Mitglied wird.

In der "AJ - die andere Jugendzeitung" der Falken werden die linken Parteien als "zahnlose Bettvorleger vor den Füßen der Kapitalfraktionen" bezeichnet. Wie passt das zusammen?
Das zeigt die gefühlte Distanz. Die Falken blicken auf eine mehr als hundertjährige Tradition zurück. Das begann mit der sozialistischen Arbeiterjugend, den Lehrlingsverbänden. In den 20er Jahren kamen die Kinderfreunde hinzu. Es gibt also ein ganz klares Gefühl, zur Sozialdemokratie zu gehören. Aber es gibt auch Brüche: der Kosovokrieg, Hartz IV, die Agenda 2010. Doch wir brauchen als Verband Partner, einer davon ist die SPD.

Wie muss man sich die Zusammenarbeit mit der SPD vorstellen?
Vor dem Hamburger Parteitag haben wir uns z.B. dafür eingesetzt, dass die Forderung nach einem demokratischen Sozialismus im Grundsatzprogramm bleibt. Der Bundesvorsitzende der SJD - Die Falken ist Mitglied im Parteirat und wir arbeiten viel an fachpolitischen Themen mit - in der Zukunftswerkstatt Bildung, im Familien- und Jugendpolitischen Beirat, in der jugendpolitischen Runde der SPD-Bundestagsfraktion.

Was unterscheidet Falken von Jusos?
Die Falken sind eine Selbstorganisation von Kindern und Jugendlichen im Alter von sechs bis etwa 27. Diese Selbstorganisation wird gelebt, z.B. in den Sommercamps. Wir fahren nicht nur mit 150 Kindern in ein Zeltlager. Wir wollen auch, dass die Jugendlichen in dieser Zeit ein Stück Gegenwelt erleben, in der sie selbst Verantwortung übernehmen für das Zeltlager und für die Gestaltung des Programms. Bildung für soziale Veränderung ist das Motto. Das können viele Jusos unterschreiben, aber wir leben das.

Eine besondere Bedeutung haben die Reisen nach Israel. Wie kam das?
Das gehört zu unserer Tradition der antifaschistischen Arbeit. Falken sind schon in den frühen 50er Jahren nach Auschwitz gefahren. Auch heute ist die Gedenkstättenarbeit ein wichtiger Teil unserer Arbeit. Die Fahrten nach Israel begannen in den 70er Jahren. Wir arbeiten dort mit vier Schwesterorganisationen zusammen. 2009 hat es 30 Begegnungen geben - Falken, die nach Israel gefahren sind und Israelis, die nach Deutschland gekommen sind.

Bleibt man ein Leben lang Falke?
Gefühlt ja!






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