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Icon   Abschluss der Ausstellung "Heimat"

„Berlin ohne Migration ist nicht denkbar“

Doreen Tiepke • 26. October 2010

In der Migrationsdebatte ist Sachlichkeit gefragt. Foto: © Stephanie Hofschlaeger / PIXELIO
In der Migrationsdebatte ist Sachlichkeit gefragt. Foto: © Stephanie Hofschlaeger / PIXELIO

Klaus Wowereit stellte in seiner Ansprache an das Publikum klar: "Multikulti ist gescheitert - dieser Satz wird von mir nicht gehört werden!" Er warf der Bundesrepublik vor, dass seit der gezielten Einwanderung 1950 keine echte Integrationspolitik verfolgt worden sei. Es gab weder eine Auseinandersetzung mit dem Thema, noch sah man Handlungsbedarf. Vor allem unter der Regierung Kohl sei vieles versäumt worden.

Politisch korrekt in der Integrationsdebatte

"Bildung ist notwendig für den sozialen Aufstieg", so Wowereit. "Die Migranten kommen nicht, weil sie ihr Land nicht lieben - sie wollen vorwärts kommen und ein besseres Leben für sich und ihre Kinder." Und Berlins Regierender Bürgermeister drehte den Spieß um: "Millionenfach hat Integration geklappt." Er äußerte Unverständnis denjenigen gegenüber, die sich nur über die Probleme aufregen, statt auch die Erfolge zu sehen. Dies bedeute aber nicht, dass man die Augen vor der Debatte verschließen solle, doch es müssten "auch Vorschläge zur Verbesserung kommen".

In der Debatte politisch korrekt zu bleiben, ist wichtig für Wowereit. So warf er einigen Politikern vor, den Begriff "political correctness" falsch zu interpretieren. Der Seitenhieb dürfte nicht zuletzt dem Neuköllner Bürgermeister Heinz Buschkowski (SPD) gelten. "Politiker tragen Verantwortung", so Wowereit. Man müsse sich absolut nicht dafür verteidigen "political correct" zu sein.

Migration als Chance

Ulrich Reiser gab einen kleinen Überblick über die Geschichte der Einwanderung und unterstrich: "Migration hat es schon immer gegeben: Berlin ohne Migration ist nicht denkbar." Der Historiker unterteilte die 60-jährige Einwanderungsgeschichte der BRD in verschiedene Phasen: Die Vertriebenen nach dem Zweiten Weltkrieg, die Anwerbung der sogenannten Gastarbeiter ab 1950, die Aussiedlerwanderung, vor allem aus dem ehemaligen Jugoslawien in den neunziger Jahren, bis zum Jahr 2000, als die rotgrüne Regierung die Zuwanderungsgesetze beschloss.

"Es fehlte bislang die Phantasie und Großzügigkeit Migration nicht als Problem anzusehen, sondern als Chance", so Reiser. Alle Menschen, die nach Deutschland kamen, prägen das Gesicht des Landes. Eine "ehrliche Kultur der Anerkennung" für die erste Generation der Einwanderer sei nötig. Sie sei durch ihre harte Arbeit und ihr entbehrungsreiches Leben mit für den Wohlstand Deutschlands verantwortlich. Die Debatte um Integration hinke dem Verlauf hinterher. So sei die zweite Generation besser integriert, fühle sich heimisch und habe unter anderem auch "Lehrer und Professoren" hervorgebracht, die für dieses Land erfolgreich arbeiten. Man müsse realistisch über die Probleme diskutieren, so Reiser.

Um ihren Begriff von Heimat zu beschreiben, zitierte Zülfiye Kaykin den Sänger Herbert Grönemeyer,: "Heimat ist kein Ort, Heimat ist ein Gefühl." Sie sei da "wo man sich wohlfühlt und nicht ausgegrenzt wird". Wowereit betonte, dass seine Heimat zwar Berlin sei, die Stadt in der er seinen Lebensmittelpunkt habe. Doch letztlich umfasse sein Heimatgefühl ganz Deutschland, dem er sich verbunden fühle. Mit dieser Abschlussveranstaltung wurde die Ausstellung "Heimat" gebührend verabschiedet, das wurde Thema in Politik und Gesellschaft getragen.

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