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Icon   Rezension, Wolf Schneider: „Der Mensch. Eine Karriere“

Krise als Chance

Dorle Gelbhaar • 07. November 2010

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Wie weit hat es unser Geschlecht seit seinen Anfängen gebracht? Sind wir Verhängnis oder Hoffnung dieser Welt? Welches sind unsere ernsten Probleme? Der Weg des Menschen in der Geschichte, die "menschliche Karriere" also, ist das Thema des neuen Buches von Wolf Schneider, der mit seinen 85 Jahren selbst auf eine interessante Karriere zurückblicken kann.

Karriere des Autors
Korrespondet der Süddeutschen Zeitung in Washington war er, Verlagsleiter des Stern, Chefredakteur der Welt, Moderator der NDR Talkshow, Leiter der Hamburger Journalistenschule. Derzeit ist er als Honorardozent an der Universität Salzburg tätig und inzwischen Autor von 28 Buchpublikationen (Sachbüchern). Sogar die biographischen Daten des Autors selbst ließen sich ohne Schwierigkeiten in den Werdegang des Menschen bis heute einfügen. Er ist ganz offenbar ein Beispiel des unermüdlich, bis ins hohe Alter hinein Schaffenden, für eine alternde Gesellschaft also so etwas wie ein Hoffnungsschimmer.

Kosmopolitisches Herangehen

Schneider schreibt es der geringen durchschnittlichen menschlichen Lebenserwartung von zirka. 80 Jahren zu, die uns an die Beständigkeit unseres Planeten glauben lasse. Er demonstriert, wie dünn die Decke ist, auf der wir existieren. Neun Kilometer unter der "erbärmlich dünnen Haut" der Erde sei man "in der Oberpfalz 1994 auf Gestein, das 300 Grad heiß und zähflüssig wie Honig war" gestoßen. Auch das Exemplarische der Bedingungen auf unserem Erdball, die überhaupt Leben ermöglichten, zeigt er auf. Er hält es daher für nicht oder erst "nach einer Reise von 50 Millionen Jahren" möglich, im Universum "Brüdern" zu begegnen. Wenn überhaupt, denn durch die Atmosphäre nur abgebremste katastrophale Meteoriteneinschläge ließen sich schließlich mehrfach belegen. Das ist der Maßstab, an dem er die Probleme der Menschheit misst und dieser Weltmaßstab relativiert vieles.

Produktivität des Negativen
Manches von dem, was sonst als Katastrophe beschworen wird, schrumpft in Schneiders Perspektive so zu weit geringerer Bedeutsamkeit. Vor dem Hintergrund von Naturkatastrophen erscheint Gesellschaftliches als weit leichter zu meistern.

Manches dies belegende Beispiel mag zum Schmunzeln verführen wie etwa die Berechnungen aus dem Jahre 1905, denen zufolge London bald unter Bergen von den Pferdebahnen geschuldetem Pferdemist ersticken sollte. Kurz darauf brach das Zeitalter der elektrischen Bahnen an, und das Problem erledigte sich von selbst.

Die Krise als Chance: Wo sich Probleme stellen, ist nach Lösungen zu suchen. Das menschliche Geschlecht verursacht und besteht Krisen ohne Ende. Schneider sieht schwierige Lebens-Umstände letztlich als Herausforderung, die die Weiterentwicklung der menschlichen Kultur provoziert.

Wolf Schneider: "Der Mensch. Eine Karriere", Rowohlt Taschenbuch Verlag, Reinbek bei Hamburg, 2010, 495 Seiten, 9,95 Euro, ISBN 978-3-499-62427-8

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