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„Frauen, Typen, Tussen, Kerle“

Karsten Wenzlaff • 19. October 2010

Nancy Haupt ist im Orgateam des Barcamp Frauen aktiv. Foto: Dirk Bleicker
Nancy Haupt ist im Orgateam des Barcamp Frauen aktiv. Foto: Dirk Bleicker

vorwaerts.de: Was genau ist ein BarCamp?

Haupt: Ein Barcamp ist eine Konferenz, bei der die Themen von den Teilnehmenden selbst mitbestimmt werden. Es geht darum, einen Diskussionsraum zu schaffen, in dem sich die Teilnehmenden über ihre Probleme und Interessen austauschen können. Es geht ums "Zuhören"! Denn erst wenn wir wissen, was die Menschen bewegt, können wir politisch darauf reagieren.

Sind nur Frauen eingeladen?

Nein, Männer sind herzlich eingeladen. Wir hatten überlegt, ob wir das Barcamp nicht "Frauen, Typen, Tussen, Kerle" nennen, aber das wäre vielleicht auch falsch verstanden worden. Es geht um die Lebenslagen junger Frauen und Männer - um Arbeitszeitmodelle, Vereinbarkeit von Beruf und Familie, Karriereplanung und neue Vätermodelle.

Wie kam es zur Idee des BarCamp?

Es ist eine Reaktion auf den massiven Stimmenverlust bei jungen Frauen bei der letzten Bundestagswahl. Die Politik der SPD wird nicht mehr als Teil der Lebensrealität von Frauen wahrgenommen. Es muss Gründe geben, weshalb uns gerade diese Wählerinnen ihre Stimme entzogen haben. Wir müssen uns fragen, wo die Defizite der SPD liegen. Im Zuge dieser Aufarbeitung wurde dann in der "Projektgruppe Junge Frauen" der SPD auch die Idee des BarCamps Frauen geboren - übrigens von einem Mann!

Wer organisiert das BarCamp Frauen?

Die Kerngruppe sind junge Frauen und Männer, die sich in der SPD engagieren, in der SPD-Fraktion oder im Willy-Brandt-Haus arbeiten. Wir wollen keine neue Struktur schaffen oder parallel zur ASF arbeiten, sondern einfach ein sehr konkrete Angebote machen. Das "BarCamp Frauen" ist unser erstes. Wenn die SPD wieder Sprachrohr für Gleichstellung und für junge Menschen werden will, muss sie deren Themen endlich wieder ernsthaft anpacken.

Gibt es eine Zusammenarbeit über die SPD hinaus?

Ja, es gibt u.a. eine Kooperation mit dem DGB, denn die Gewerkschaften haben im Kern ein ähnliches Problem wie die SPD: wir haben den Anschluss an eine gewisse Gruppe in der Bevölkerung verloren haben. Bei der Organisation helfen aber auch die Medienpartner, wie der "vorwärts", "Der Freitag" oder die Blogs wie "Mädchenmannschaft.net"

Wie kann man mitmachen?

Das BarCampFrauen findet am 30. Oktober in der Kalkscheune in Berlin statt - Am besten ist es, sich über die Seite http://barcampfrauen.mixxt.de/ oder unter barcamp-frauen@spd.de anzumelden.

Das Konzept
BarCamps stammen vor allem aus der Internetszene und sind dort ein gut funktionierendes Format, um Themen offen und ohne inhaltliche oder persönliche Barrieren zu erörtern und vertiefen. Das Barcamp Frauen stellt nun ein gesellschaftliches Thema in den Mittelpunkt und bildet ein Forum, bei dem Interessierte ihre individuellen Perspektiven, Erfahrungen und Gedanken einbringen und mit anderen diskutieren können. Gemeinsam mit Betroffenen, mit Außenstehenden, mit Kritischen und mit Beispielgebenden sollen eigene, kreative und lebensnahe Lösungen entwickelt und der Politik und der Wirtschaft als konkreter Beitrag und Arbeitsauftrag zugespielt werden.

Frauenquoten, Frauen als Teilzeitkräfte, Alleinerziehende Mütter, Frauen zwischen Beruf und Familie, dassind wiederkehrend und kontrovers diskutierte Themen in Deutschland: Frauen in Deutschland sind so gut ausgebildet wie noch nie über die Hälfte der Studierenden an deutschen Universitäten sind weiblich. Frauen machen 51 Prozent unserer Gesellschaft aus, in den Führungsetagen trifft man sie allerdings höchst selten. Frauen wollen Beruf und Familie. Nach der Geburt der Kinder geht es für die Frauenwelt karrieretechnisch jedoch steil bergab. Es gibt nach wie vor eklatante Unterschiede in der Bezahlung von Frauen und Männern bei gleicher Arbeit. Ein nicht hinnehmbarer Zustand, den es zu ändern gilt. Wir leben in einer Gesellschaft, der ein Fachkräftemangel droht. Warum ergreifen so wenig junge Frauen Berufe in den Ingenieurs-, Wirtschafts- oder Informationswissenschaften?

Diese Themen treiben junge Frauen und Männer um. Sie wollen darauf eine Antwort. Was fehlt, sind konkrete Ideen für moderne Lebensentwürfe unserer Zeit. Das BarCamp Frauen trägt dazu bei, diese Lücke zu füllen und übernimmt die Rolle eines Ideenpools. Frauen und Männer aus ganz unterschiedlichen Lebenssituationen und in verschiedenen Lebensphasen kommen mit Menschen aus Politik, Wirtschaft und Gesellschaft zusammen. Unterschiedliche Ideen und Visionen werden an einem Tag und an einem Ort zusammengetragen. Die Diskussion miteinander steht dabei im Mittelpunkt. Keine großen Podien, sondern viele kleine Workshops bieten den Rahmen für eine kreative Atmosphäre.

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