Die Stadt Lübeck hat einen Ausweg gefunden. Bildungsfonds heißt das Modell, bei dem die Stadt, das Land, Unternehmer sowie Stiftungen an einem Strang ziehen und ermöglichen, was sonst oft
unmöglich ist: Teilhabe. Die Stiftung übernimmt die Kosten für die Sprachförderung oder die Nachmittagsbetreuung im Hort, den Mitgliedsbeitrag im Sportverein oder die Fahrtkosten zum
Schachturnier für ein kleines Schachgenie. Das alles geschieht schnell, einfach und unbürokratisch. "Ein Modell für ganz Deutschland", erklärt Manuela Schwesig. Die Sozialministerin von
Mecklenburg-Vorpommern ist nach Lübeck gekommen, um sich über das Projekt zu informieren. Mit dabei der SPD-Landesvorsitzende in Schleswig-Holstein, Landtags- und Bundestagsabgeordnete und
Vertreter der Stadt.
Es geht auch ohne Gutscheine
2009 startete der Fonds. Zwei Millionen Euro hat er jährlich zur Verfügung. Ein großer Teil davon sind Stiftungsgelder, der Rest kommt von der Stadt, dem Land und dem Bund. Von diesem Geld
können Familien unterstützt werden, die Arbeitslosengeld II oder Sozialhilfe beziehen, Wohngeld oder BAföG erhalten. Auch wer aus sonstigen Gründen in finanzielle Not geraten ist, kann Hilfe
erhalten. Die Entscheidung, ob Hilfe gewährt wird, treffen die Klassenlehrer oder die Kitaleitung. Kitas und Schulen erhalten dafür aus dem Fonds Abschlagszahlungen auf ein eigens eingerichtetes
Bankkonto. "Wer das Kind oder die Familie kennt, trifft die Entscheidung", erklärt Jan Lindenau (SPD), Vorsitzender des Jugendhilfeausschusses das Prinzip. Das ist für Schulleiter, Lehrer und
Kita-Leiter so neu, dass manche immer noch kaum glauben können, dass sie wirklich selbst über konkrete Hilfe entscheiden dürfen. Sind sie es doch eher gewohnt, von Behörden gegängelt zu werden.
2847 Kinder wurden 2009 unterstützt, im Durchschnitt mit 583 Euro. In die Stadtteile, in denen die Armut am größten ist, fließt das meiste Geld. Und die Hilfe kommt beim Kind an, freut sich
Knut Klinner, Leiter der Grund- und Hauptschule "Roter Hahn". In seiner Schule hängt ein großes Plakat, das für den Bildungsfonds wirbt. Trotzdem müssen die Lehrer oft nachhaken und nachhelfen.
Bedürftig zu sein, das gibt niemand gerne zu. Doch ist die Hürde in der Schule sehr viel niedriger als zum Amt zu gehen und dort einen Antrag zu stellen. Und noch etwas kommt hinzu: "Wir kennen
die Familien - oft schon seit Jahren", so der Schulleiter. Auch die Lehrer lehnen die zusätzliche Aufgabe nicht ab. Trotz der Mehrarbeit. Aber da das Ganze so unbürokratisch geregelt ist, hält
sich der Aufwand im Rahmen und die Freude helfen zu können gleicht die Mehrarbeit allemal aus.
Gefährliche Gutscheine
Doch nun kommt Ursula von der Leyen mit ihren Bildungsgutscheinen. Ausgeben sollen die Gutscheine die Jobcenter, bzw. Argen. "Kinder sind doch keine kleinen Arbeitslosen", kritisiert der
SPD-Landtagsabgeordnete Wolfgang Baasch den Gesetzentwurf der Bundesregierung. Die Mitarbeiter der Jobcenter würden die Kinder außerdem gar nicht kennen. Hier hakt Manuela Schwesig ein. Die SPD
werde von der Leyens Gesetz im Bundesrat nur zustimmen, wenn das Geld nicht nur an die Jobcenter bzw. Argen geht sondern auch an die Kommunen - damit solche Projekte wie das in Lübeck
weiterbestehen können.
Langfristig allerdings ist Manuela Schwesig überzeugt: "Der Kindergartenbesuch darf nicht von Spenden abhängen. Grundbedarfe wie das Mittagessen in Schule oder Kindergarten müssen vom Staat
kommen." Der SPD-Landesvorsitzende Ralf Stegner sekundiert: "Das sind Investitionen in die Verhinderung von Armut." Die allerdings streicht die schwarz-gelbe Regierung in Schleswig-Holstein
gerade zusammen.
Manuela Schwesig ist
Ministerin für Soziales und Gesundheit
in Mecklenburg Vorpommern und
stellvertretende
Vorsitzende der SPD







