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Frauen im Aufbruch

Vera Rosigkeit • 13. October 2010

Dieses Textplakat des Demokratischen Frauenbundes Deutschlands thematisiert soziale Fragen, die auf gesellschaftliche Entwicklun
Dieses Textplakat des Demokratischen Frauenbundes Deutschlands thematisiert soziale Fragen, die auf gesellschaftliche Entwicklungen nach der Friedlichen Revolution anspielen. Volkskammerwahl DDR 1990. Foto: AdsD

Als Zeitzeugin der friedlichen Revolution wies die ehemalige Bundesministerin Christine Bergmann bei der Ausstellungseröffnung in Berlin darauf hin, dass Frauen in der DDR schon früh auf Missstände hingewiesen hätten. Kein Wunder also, dass sie auch "Mitgründerinnen des Neuen Forums gewesen sind". Doch mit der Wiedervereinigung seien zunächst verschiedene Entwicklungen in der Gleichstellung der Frau sichtbar geworden.

In der DDR galt die Gleichberechtigung als verwirklicht, "zumindest in der Erwerbsarbeit", betonte Bergmann, nicht jedoch im gesellschaftlichen Leben. Da fehlte die Sensibilität, die eine westdeutsche Frauenbewegung beispielsweise zum Thema häusliche Gewalt geschaffen habe. Als 1990 in Ostberlin das erste ostdeutsche Frauenhaus eröffnet wurde, "war das über Nacht voll", weiß die ehemalige Berliner Bürgermeisterin zu berichten.

"Unselige Erwerbsneigung bei Ost-Frauen"

Ins Paradies hat die Friedliche Revolution die Ost-Frauen aber nicht geführt. Im Gegenteil: Sie verloren zunächst ihre ökonomische Unabhängigkeit. Bergmann: "Jene unselige Erwerbsneigung, wie es beispielsweise Kurt Biedenkopf nannte." Sie mussten lernen, so Bergmann weiter, dass "am Ehegattensplitting nicht zu rütteln ist" und Kinderbetreuung zuweilen als "Fremdbetreuung" abgewertet wurde. Doch habe sich durch ihr Dazukommen auch vieles bewegt, sagte sie. Das "ostdeutsche Geschlechtermodell ist in Grundzügen erhalten geblieben, die Hausfrauenehe kein Vorbild mehr."

Nach den ersten Auseinandersetzungen der Frauen sei nun aber ein neuer Aufbruch an der Zeit, erklärte die ehemalige Frauenministerin. Gemeinsame Themen gebe es genug: Als Beispiel nannte Bergmann die Entgeldgleichheit, den Mindestlohn und die Humanisierung der Arbeitswelt. Bergmann: "Wir werden nichts geschenkt bekommen, aber wir können gemeinsam für unsere Ziele kämpfen, auf den Schultern unserer Vorgängerinnen."


Die Ausstellung ist vom 12. Oktober bis 11. November in der Galerie der Friedrich-Ebert-Stiftung in Berlin zu sehen. Sie steht als Download-Ausstellung im Archiv der sozialen Demokratie bereit.

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