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Heimweh nach einem Land der Erinnerungen

Bettina Munimus • 09. October 2010

Jasmin Tabatabai hat ihr erstes Buch geschrieben. Ein sehr persönliches, ein Buch über ihre frühen Kindheitserinnerungen im Iran. Es sei ein fantastisches Gefühl gewesen, ihr Erstlingswerk, "ihr Baby" wie sie es nennt, das erste Mal in den Händen zu halten. In "Rosenjahre" beschreibt sie die Geschichte ihrer Mutter: Rosemarie, "Rose" genannt, lernte 1956 ihren späteren Mann auf dem Münchener Oktoberfest kennen und folgte ihm in seine Heimat Persien. Dort lebte die Familie zwanzig Jahre in Teheran. Nach dem Aufstieg von Ayatolla Chomeini ging die Mutter mit Jasmin und ihren beiden Geschwistern 1979 zurück nach Deutschland.

Mit den Mullahs zurück ins Mittelalter

Der Regimewechsel veränderte das Leben im Iran auf fundamentale Weise. "Der Iran war, bis die Mullahs kamen, das modernste Land im Nahen Osten und wurde dann ins Mittelalter zurückversetzt", schildert die Deutsch-Iranerin in Frankfurt nüchtern die Entwicklung. Mit ihrem Buch wollte sie die iranische Perspektive einnehmen.

Tabatabai lässt das Publikum spüren, wie sehr sie ihr Geburtsland liebt und wie sehr sie die heutige politische Situation im Iran unter Präsident Ahmadinedschad erschüttert. Die Deutsch-Iranerin findet es schade, dass sie mit ihrer Familie das Land ihres Vaters nicht besuchen kann. Deutschland - ihre zweite Heimat - lernte sie erst mit acht Jahren richtig kennen: "Davor kannte ich das Land meiner Mutter nur aus den Sommerferien." Vieles sei anders gewesen: Der frostig-kalte Winter und die sauberen Straßen - das alles gab es im Iran nicht. "Besonders geliebt habe ich Brezeln mit Butter."

Der Iran - ein weltoffenes Land

Mit Heiko Maas spricht Tabatabai über die Integrationsdebatte, die Thilo Sarrazin angestoßen hat. Die Schauspielerin und der SPD-Politiker sind sich einig: Die Art und Weise, wie in Deutschland über Integration diskutiert wird, sei destruktiv und falsch. Tabatabai erzählt, sie selbst sammele in Interviews nun Erfahrungen mit Vorurteilen: "Ich wurde noch nie so oft nach meiner Religion gefragt wie jetzt." Dabei sei sie nicht mal religiös und habe noch nie eine Moschee besucht.

Zum Schluss plädiert die politisch denkende Schauspielerin dafür, das Grundgesetz ernst zu nehmen, um die Debatte zu entzerren: "Wir können uns selbstbewusst darauf beziehen." Das sagt sie auch mit Blick auf die Lage im Iran. Ein Land, das durch die Berichterstattung der Medien von vielen negativ wahrgenommen wird. Mit ihrem Buch eröffnet Jasmin Tabatabai einen anderen, einen sehr liebenswerten Blick auf ihre Heimat.

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