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Gott und die Finanzwelt

Kai Doering • 07. October 2010

Er bekommt schon Applaus als er noch nicht ein Wort gesagt hat. Als Peer Steinbrück Donnerstagnachmittag die kleine Bühne des vorwärts-Stands auf der Frankfurter Buchmesse betritt, nickt er kurz ins Publikum. Ein schwaches Lächeln umspielt seine Lippen. Auftritte wie dieser gehören seit einigen Monaten als fester Bestandteil zu seinem Leben. Seit ein paar Wochen sind es noch ein paar mehr geworden.

Grund ist Steinbrücks Buch "Unterm Strich". Der ehemalige Finanzminister beschreibt darin, wie er die Monate der Finanz- und Wirtschaftskrise erlebte und was nun zu tun ist, damit künftige Krisen möglichst ausbleiben. "Ich wollte schon immer gerne ein politisches Buch schreiben", erzählt Steinbrück. Zu seiner aktiven Zeit in der Politik habe er dafür auch zahlreiche Angebote von Verlagen bekommen. Doch Steinbrück wartete und ist nun auf dem besten Weg, ein Elder Statesman zu werden - mit 63 Jahren.

"im Schraubstock zwischen Minimalisten und Maximalisten"

Die Zuhörer jedenfalls hängen an seinen Lippen während Steinbrück über das Verhältnis von Politik und Medien spricht ("Irgendwann finden wir Politiker uns auf den Sportseiten der dritten Liga wieder, wo dann eine Tabelle anzeigt, wer gerade oben und wer unten ist.") und über ein Umschwenken in der Wirtschaftspolitik nachdenkt: "Wir müssen das Bein Binnennachfrage verlängern und dürfen uns nicht nur auf unsere Exporte verlassen."

In Gefahr sieht Peer Steinbrück auch den Sozialstaat, der sich "im Schraubstock zwischen Minimalisten und Maximalisten" befinde: "Die Minimalisten empfinden den Sozialstaat als Belastung und möchten ihn am liebsten abschaffen, die Maximalisten dagegen überfrachten ihn mit immer größeren Anforderungen." Die Gefahr, dass das Gemeinwesen leide, sei groß, egal wer sich letztlich durchsetze. "Ich möchte den Sozialstaat erhalten", lässt Steinbrück schließlich keinen Zweifel an seinen Zielen. Den Zuhörern gefällt das. Sie verabschieden ihn ebenso herzlich wie sie ihn begrüßt haben.

die zehn Gebote - keine Wohlfühlanleitung

Wie zeitgemäß sind die zehn Gebote heute noch? Geht es nach dem Journalisten Mathias Schreiber, ist ihre Botschaft "hochmodern". So habe sich das vierte Gebot der Ehrung von Vater und Mutter niemals an Jugendliche gerichtet, sondern sei für Erwachsene bestimmt gewesen. "Heute wird es nicht mehr so ernst genommen", ist Schreiber überzeugt, verfrachteten doch immer mehr Kinder ihre Eltern im Alter in Heime.

Er habe "keine Wohlfühlanleitung" geschrieben attestierte Schreiber so auch SPD-Generalsekretärin Andrea Nahles, die mit dem Journalisten über sein Buch "Die zehn Gebote. Eine Ethik für heute" sprach. Obwohl oder gerade weil Nahles selbst gläubige Katholikin ist, diskutierten die beiden so auch noch weiter als die Zuhörer schon längst den vorwärts-Stand verlassen hatten.

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