Artikel (Archiv) > Rot-grüner Vordenker

Hauptinhalt

Artikel (Archiv)

Übersicht

Icon   Renate Faerber-Husemann: Der Querdenker Erhard Eppler

Rot-grüner Vordenker

Heiko Geue • 05. October 2010

Bild zum Artikel "Rot-grüner Vordenker"

Erhard Eppler steht in seinem Garten in Schwäbisch Hall zwischen den Gemüsebeeten. Die Sonne scheint und Renate Faerber-Husemann, seine Biografin, gewinnt den Eindruck: "Wachsen darf hier auch, was nicht nützlich ist, alles wirkt auf wohltuende Weise leicht verwildert - dem Gemüse scheint das gut zu tun." Und dem dreiundachtzigjährigen Gärtner auch. "Der Querdenker", so lautet der Titel dieser mit viel Sympathie geschriebenen Biografie - er hätte auch "Symbolfigur der Friedensbewegung", "moralische Autorität" oder einfach "Der Vordenker" lauten können.

Das alles war und ist Erhard Eppler nicht nur uns Sozialdemokraten gewesen, sondern der gesamten rot-grünen Bewegung. Als wesentlicher Vordenker von Rot-Grün wurde er zu einem kompromisslosen Verteidiger der Bundesregierung nach 1998 - weil er ihren Erfolg auf Bundesebene mit all seiner Kraft wollte. "Und beim Blick zurück dämmert so manchen stets mäkelnden Sozialdemokraten, dass diese sieben Jahre so schlecht gar nicht waren für das Land" - fügt Faerber-Husemann hinzu.

Quälgeist nahe gebracht mit professioneller Distanz

Renate Faerber-Husemann geht behutsam mit Epplers politischen Lebensthemen um. Gekonnt führt sie durch die mit Brüchen versehene Biografie dieses intellektuellen Politikers. Dabei vermeidet sie, die alten Schlachten zwischen Helmut Schmidts Regierungs-SPD und Eppler und seinen Mitstreitern noch einmal zu schlagen. Trotzdem oder gerade deswegen liest man gerne über Epplers Zugang zur Entwicklungspolitik als Bundesminister und seine Beweggründe, die ihn zu seiner Forderung nach einem ökologischen Umbau der Industriegesellschaft, zu seinem Kampf gegen den Marktradikalismus und zur Friedenspolitik geführt haben.

Dass Erhard Eppler kein bequemer Denker ist, wird gerade bei dem letzten Thema deutlich: "Der Mann der Friedensbewegung plädierte fünfzehn Jahre später für den militärischen Einsatz auf dem Balkan", weil er der Meinung war, dass "Pazifisten einsehen müssen, dass Soldaten nötig sind, um das Schießen zu beenden".

Renate Faerber-Husemann gelingt es in 20 kurzweiligen, flüssigen, sprachwitzigen, auch richtig spannenden Kapiteln - an deren Anfang stets eine kurze Interviewsequenz steht, die das Buch besonders lebendig macht - uns den Quälgeist, den Außenseiter, den von Migräne geplagten aktiven Politiker immer wieder nahe zu bringen, ohne dabei ihre professionelle Distanz zu verlieren.

Renate Faerber-Husemann: Der Querdenker Erhard Eppler. Eine Biographie, Dietz Verlag 2010, 24,90 Euro, ISBN 978-3-8012-0402-0

Inhalt rechte Spalte

 

Hauptinhalt 2

Buchtipp

Westend Verlag

Icon Rezension; Jürgen Roth: „Gazprom – Das unheimliche Imperium"

Putins unheimliches Imperium

Icon Rezension; Rudolf Hickel: „Zerschlagt die Banken"

„Zerschlagt die Banken"

Icon Rezension; Hans-Christian Jasch: „Staatssekretär Wilhelm Stuckart und die Judenpolitik"

Massenmord, geplant von Beamten

Icon Kathrin Hartmann: "Wir müssen leider draußen bleiben"

Von der Politik über den Tisch gezogen

Interview

Eren Güvercin

Icon Eren Güvercin im Interview

„Ich habe nie ein Identitätsproblem gehabt“

Icon Interview mit Frank Mentrup

Lust auf den Wechsel

Icon Interview mit dem Deutsch-Iraner Omid Pouryousefi

"Viele haben die Nase voll"

Icon Interview mit Katja Kullmann

„Dann ist da diese andere europäische, große Idee, die wir Sozialdemokratie nennen“

Veranstaltung

vorwärts-Fest in Bayern

Icon vorwärts-Fest

„Der Wandel in Bayern hat angefangen!“

Icon Buchvorstellung

Naziverbrecher ohne Reue

Icon Fotoausstellung im Willy-Brandt-Haus

Das kulturelle Gesicht Afghanistans

Icon Bildungspolitik

Gleiche Chancen für alle?

Kolumne

Icon Willst du mit mit (wählen) gehen?

Das Allerletzte von Martin Kaysh

Icon Notiert von Uwe Knüpfer

Berliner Tagebuch

Icon Abzug aus Afghanistan

Global gedacht von Rafael Seligmann

Icon Notiert von Uwe Knüpfer

Berliner Tagebuch

Filmtipp

Cengos (Abdullah Ado) Kindheit endet mit schmerzhaften Verlusterfahrungen.

Icon Film der Woche: Mes – Lauf!

Der stumme Schrei nach Leben

Icon Film der Woche: Kill me please

Selbstmord inklusive

Icon Film der Woche: Die Vermissten

Mit dem Rücken zum Nichts

Icon Film der Woche: Medianeras

Wir sind die Stadt