Die platinblonde politische Erbin sorgt derzeit für reichlichen Gesprächsstoff. Weniger in ihrer Eigenschaft als Europaabgeordnete, die sich im Straßburger Parlament wenig sehen lässt, als für
den Versuch, ohne jeden Komplex das Gedankengut der französischen Extremisten harmloser, gefälliger uind raffinierter zu verkaufen. Sie zieht die FN-Jugendorganisation "FNJ (Front Nation de la
Jeunesse") heran, konzentriert sich auf das Thema der Öffentlichen Sicherheit und klatscht Präsident Nicolas Sarkozy laut Beifall, wenn er mit Polizeikräften brutal gegen illegale Lager der Roma
vorgeht. Nur Franzosen mit Pass sollen Sozialhilfe erhalten, keine Ausländer, und die Burka gehöre grundsätzlich in Frankreich verboten.
"Alle haben Dreck am Stecken"
Marine Le Pen ist sich sicher: Wenn sie die Affären und Skandale in der Regierung von Sarkozy aufspiesst, bringt ihr die Schelte Stimmen und Sympathien ein. Ihre Partei vertritt ohnehin
Anti-System-Positionen: Dieses "Gewürge der Parteien" in Paris sei korrupt und käuflich. Eine Plakatkampagne ist geplant mit der Aufschrift "Tous pourris", etwa "alle haben Dreck am Stecken".
Ihre Stoßrichtung: Die "etablierten Parteien seien korrumpiert, ihre Partei FN aber sei die Bewegung der Ehrlichen, der fleißigen Arbeiter, der Aufrechten und Unbestechlichen". Patriotische und
moralische Tugenden werden hochgehalten, nicht die republikanischen Werte", auf die sich immer Sarkozy beruft, während er den reichen Schichten steuerliche Sondervergünstigungen zuschieben lässt.
Hat Marine Le Pen, die im Januar ohne Zweifel zur Parteivorsitzenden gewählt wird, echte Wahlchancen? Ihr Rivale, der 60 Jahre alte Uni-Professor Bruno Gollnisch, hat keine Hausmacht.
Einige Umfrageinstitute räumen ihr ein, wenn sie denn in vier Monaten gleichzeitig zur Präsidentschaftskandidatin der Ultrarechten ausgerufen wird, 12 bis 13 Prozent im 1. Durchgang erobern zu
können. In der französischen Arbeiterschaft will jeder Fünfte Le Pen wählen. Nichts ist unmöglich, siehe Präsidentenwahl im Jahre 2002: Damals kämpfte Vater Jean-Marie Le Pen schon in der ersten
Runde den sozialistischen Bewerber Lionel Jospin nieder und kam in die Stichwahl gegen Jacques Chirac. Scham, Panik und Schrecken ergriffen ganz Frankreich! Doch der Bürgerliche Jacques Chirac
wurde mit über 80 Prozent gewählt - mit Hilfe der vereinten Linke. Die FN als eine harmlose Protestpartei abzutun, diese Einschätzung hatte sich spätestens bei dieser Wahl schlagartig erledigt.
Grundvoraussetzung: Liebe zu Frankreich
Die 42-Jährige weiß, dass sie alles versuchen muss, mit rechten Themen Sarkozy Wähler abzujagen. Der Rauswurf der Roma gefällt den FN-Mitgliedern. Die von Einwanderungsminister Eric Besson
propagierte "Liebe zu Frankreich" und die Beherrschung der französischen Sprache als Grundvoraussetzung für die Einreise seien richtige Voraussetzungen für die Aufnahme. Das im Parlament
beschlossene Verbot des Ganzkörperschleiers Burka in der Öffentlichkeit sei so richtig wie die Begrenzung der Minarett-Höhe in französischen Städten mit überwiegend islamischer Bevölkerung.
Schon kungeln Parteigänger der Sarkozy-Mehrheit UMP in den FN-Hochburgen des Ostens und Südostens mit den Extremisten über Wahlbündnisse für das Präsidentschaftswahljahr 2012. Da überrascht
die Öffentlichkeit nicht, wenn die Pariser Zeitung "Le Parisien" einen ungenannten Berater des Staatschefs zitiert, Marine Le Pen werde spätestens in 10 Jahren der Regierung angehören. Und
Franzosen fällt noch mehr auf: Für Nicolas Sarkozy gibt es rechts von ihm weder Gegner noch Rivalen, der politische Feind steht für ihn links.







