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Zweite Chance - neues Leben

Mathias Ostertag • 25. September 2010

"Ohne Schulabschluss, zuhause rausgeflogen, drogenabhängig – ein Leben ohne Zukunftsperspektive"; Foto: Mathias Ostertag
"Ohne Schulabschluss, zuhause rausgeflogen, drogenabhängig – ein Leben ohne Zukunftsperspektive"; Foto: Mathias Ostertag

Dominik Förster war ganz unten. Niemand hätte wohl noch einen Cent auf ihn gewettet. Ohne Schulabschluss, zuhause rausgeflogen, drogenabhängig - ein Leben ohne Zukunftsperspektive. Ein Leben am Abgrund. Doch mit 22 Jahren hat sich Förster noch einmal aufgerappelt, seine zweite, und wohl allerletzte, Chance ergriffen. Er holte in nur fünf Monaten den Hauptschulabschluss nach, mit der Note 1,0 im Abschlusszeugnis. Er ließ sich umschulen am BfZ Essen zum Mechatroniker, steht nun wieder mitten im Leben. Er hat es geschafft, seinem Leben wieder einen Sinn zu geben: "Mit 22 Jahren beginnt für Dominik Förster sein neues Leben. Mithilfe seiner Betreuerin beginnt er seine Erfahrungen und Traumata aufzuarbeiten. Er entwickelt die nötige Stabilität, um die Herausforderungen des Lebens endlich zu stemmen", lobt der Schauspieler Matthias Brandt in seiner Laudatio den Preisträger in der Kategorie "Zweite Chance" anlässlich der Verleihung der "Ehrenpreise des Deutschen Weiterbildungstages 2010."

"Wir brauchen mehr solche Vorbilder"

Wie Integration ausländischer Bürger funktioniert, beweist das Beispiel des Preisträgers in der Kategorie "Integration durch Bildung" Dawoood Ahmed Mubashar. Vor zehn Jahren kam Mubashar aus dem Punjab nach Deutschland und hangelte sich durch verschiedene Weiterbildungsmaßnahmen bis er schließlich den Beruf des Busfahrers ausüben konnte. Er wusste: Um in Deutschland einen Beruf zu finden, musste er die deutsche Sprache lernen. Seinen Integrationskurs schloss er mit der Note 2 ab. Dieser diente ihm als Sprungbrett in die deutsche Gesellschaft. "Dawood Mushabar hatte immer ein Lernziel vor Augen: Das Bestehen der Abschlussprüfung. Nur so konnte er in Deutschland wirklich ankommen. Wir brauchen mehr solche Vorbilder, und weniger Bücher von Bundesbankern", lobte der ehemalige Integrationsminister von Nordrhein-Westfalen Armin Laschet (CDU).

Zu wenig Ausbildung, zu wenig Weiterbildung

Zwei Beispiele, die zeigen, was Weiterbildung im Berufsleben bewirken kann. Zwei Beispiele von Menschen, deren reale Chancen auf dem Arbeitsmarkt aufgrund ihrer mangelnden Qualifizierung oder ihrer Herkunft als nur gering sind. Zwei Beispiele, die aber auch zeigen, wie gelungene Weiterbildungsmaßnahmen Menschen neue Chancen auf dem Arbeitsmarkt eröffnen können. Die Vorsitzende des Ausschusses für Bildung, Forschung und Technikfolgenabschätzung Ulla Burchardt (SPD): "Ich frage mich, wie lange wir noch darüber diskutieren wollen, wie der Fachkräftemangel zu bekämpfen ist, solange die Weiterbildung nur stiefmütterlich behandelt wird?" Es gebe zu wenig Ausbildung, zu wenig Weiterbildung. Burchardt: "So wird keine Lücke gefüllt, liebe Wirtschaft."

Meister und Techniker auf die Hochschulen schicken

Wie gute Weiterbildung funktionieren kann, zeigt der VW-Konzern. Der Automobilhersteller hat ein Konzept dazu entwickelt, die sogenannte "Berufsfamilienbildung". Für jede Berufsgruppe innerhalb des Konzerns werden Kompetenzprofile aufgebaut, die erfüllt werden müssen. Der VW-Arbeitnehmer soll in einem sehr langen Prozess des Bildens gehalten werden, ein fortdauerndes Lernen ist dazu erforderlich: "Wir würden gerne ein Konzept einer offenen Hochschule entwickeln. Wir wollen, dass Meister und Techniker etwa für ein halbes Jahr eine Hochschule besuchen, um dort ihr Wissen für die Praxis aufzufrischen", sagt der Leiter der Kompetenzentwicklung des VW-Konzerns, Ralph Linde.

37 Prozent wünschen begrenzente Zuwanderung

Nach einer Studie, die das Meinungsinstitut Forsa im Auftrag des Deutschen Weiterbildungstags in den vergangenen acht Tagen durchgeführt hat, halten 90 Prozent der Befragten die "Qualifizierung der Beschäftigten in Deutschland für das beste Mittel, um das Problem des Fachkräftemangels zu lösen." Unter 1.005 Befragten im Alter von 18 bis 65 Jahren wird von 55 Prozent die "Integration von Unqualifizierten ohne Abschluss in den Arbeitsmarkt" gefordert, 37 Prozent äußern den Wunsch nach einer begrenzten Zuwanderung qualifizierter Arbeitskräfte. Um Menschen nach einer längerer Arbeitslosigkeit wieder in den Beruf zu bringen, halten 82 Prozent der Befragten eine "Weiterbildung im erlernten Beruf" für relevant, während 71 Prozent die "Umschulung in einen anderen Beruf" empfehlen.

Weitere Informationen zum Deutschen Weiterbildungstag 2010 Bildung stärken, Chancen nutzen

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