Nun ist er seinen Posten als Bundesbankvorstand, der ihm als pulizitätssteigernde Folie gedient hatte, los. Aber er hat noch ein zweites Reibeisen: die SPD. Wer Sarrazin kennt, der ahnt schon, dass er sich diese Projektionsfläche für seine Streitlust nicht freiwillig nehmen lässt. Als Führungsfigur einer rechtsextremen Partei oder für eine neue rechte Bewegung taugt Thilo Sarrazin nicht, eine solche Rolle strebt er auch gar nicht an. Aber er kann ständig neue Kontroversen entfachen, solange er sich gegen das Ausschlussverfahren wehrt.
Mehr als die Hälfte der Bevölkerung stimmt Sarrazins Grundthese zu, dass vorwiegend muslimische Migranten, die nach Deutschland kommen, überhaupt nicht integrationswillig sind. Auch eine beträchtliche Zahl von SPD-Mitgliedern sieht das aus eigenen Erfahrungen so. Törichten Unfug von biologischen Ursachen ethnischer Andersartigkeit und Sarrazins Abwege über gute und weniger gute Gene teilen die wenigsten. Aber viele billigen ihm Meinungsfreiheit zu und rechnen ihm an, dass er ein unterdrücktes Thema angepackt und endlich benannt habe. Das unterscheidet sie von Rechtsextremen, die ihm applaudieren.
Die SPD darf die Auseinandersetzung mit Sarrazin nicht auf Formalien des Parteistatuts begrenzen. Ihr muss bewusst sein, dass über Folgen und Probleme von Zuwanderung und Integration anders und offener zu reden ist als bisher - mit Gespür für das konkrete Erleben der Bevölkerung und in sozialer Verantwortung. Integrationspolitik hat für die Alt- und die Neubürger einen gemeinsamen Rahmen zu schaffen, dessen Leisten die Grundwerte unserer Verfassung und die deutsche Sprache sind.
Aber Sarrazin versperrt Integration. Er trennt und sortiert, er gliedert aus und grenzt aus, er konserviert Vorurteile und aktiviert Feindbilder. Mit vergiftenden Sprachbildern und in wirren Gedankengängen. Die gehören sonstwohin, sind aber nicht sozialdemokratisch. Sarrazin ist ein Rassist. Rassisten haben in keiner demokratischen Partei Platz.







