Sie heißen Werner Kohlmeyer, Heinz Simmet oder Horst Blankenburg. Sie wurden Weltmeister, Europapokalsieger oder Weltfußballer. Und sie sind heutzutage den meisten vollkommen unbekannt. Doch
glücklicherweise gibt es die Süddeutsche-Zeitung-Redakteure Stefan Mayr und Dominik Prantl. Mit dem Büchlein "Grätscher, Terrier, Wasserträger" haben sie den "wahren Helden der Fußarbeit" ein
Denkmal gesetzt.
Auf 160 Seiten haben die beiden Mittdreißiger ein "Who is Who" der neuzeitlichen Fußballgeschichte verfasst. Im Mittelpunkt stehen dabei allerdings nicht die üblichen Verdächtigen wie
Ronaldo, Maradona oder Beckenbauer (dem immerhin als "Lichtgestalt" vier Zeilen gegönnt werden - allerdings nur als prominentestem "Profiteur der Terrier und Schattenmänner").
unbekannt in Deutschland, in den Niederlanden ein Held
Mayr und Prantl widmen sich vielmehr den Männern, die mit Fleiß, Einsatz und manchmal auch der nötigen Härte unermüdlich für den Erfolg ihres Teams gekämpft haben. Da ist z.B. Ludwig
Goldbrunner, über den Nationaltrainer Sepp Herberger in den 30er Jahren schwärmte: "Der Bayer bringt alles mit, was einen Stopper auszeichnet. Hart, unerbittlich im Zweikampf. Überragend das
Kopfballspiel." Die Machtergreifung der Nazis machte seiner Karriere schließlich einen Strich durch die Rechnung. Nach dem Krieg wurde Goldbrunner Kühlhausmeister im Münchner Schlachthof und
starb 1981. "Der Süddeutschen Zeitung ist die Todesnachricht 16 Zeilen wert."
Ein anderer Fall ist Horst Blankenburg, "der einzige Spieler, der in einer Europa-Auswahl zum Einsatz kommt, ohne je ein Länderspiel bestritten zu haben". In der 70ern gewinnt er mit Ajax
Amsterdam dreimal in Folge den Europapokal der Landesmeister. Später setzt er seine Karriere beim Hamburger SV fort. Während Blankenburg in Deutschland heute niemand mehr kennt, ist in Amsterdam
eine Brücke nach ihm benannt.
mit Wissen, Sachverstand und Witz
Neben diesen "vergessenen Helden" wimmelt es in Mayrs und Prantls Fußball-Enzyklopädie von "harten Kerlen" wie Horst-Dieter Höttges ("keiner schießt Frei- und Strafstöße so scharf und
platziert wie er"), "Lückenfüllern" wie Herbert Wimmer ("Löscht überall dort, wo der faule (Günther) Netzer Brandherde hinterlässt"), "bösen Buben" wie Thorsten Legat ("leidet in der
schiedsrichterfreien Zone an einem gewissen Disziplinproblem") und "Stilisten" wie Paolo Maldini ("Es gibt keinen Vereinspokal, den er nicht in Händen hält. Und keine Frau, die ihn nicht sofort
in die Arme schließen würde.").
Jedem von ihnen widmen die Autoren zwischen einer halben und einer Seite ihres Buchs - genug Platz, um die größten Erfolge zu würdigen und den Charakter der Spieler zu beschreiben. Das tun
Mayr und Prantl mit viel Wissen und Sachverstand und mit noch mehr Witz. Ganz nebenbei erteilen sie eine Lektion in Sachen Fußballgeschichte und erklären, wie sich der moderne Ballsport aus dem
englischen "Folk Football" entwickelte, wann der Freistoß eingeführt wurde (1880) und seit wann Spieler die gelb-rote Karte fürchten müssen (erst seit 1991).
Besondere Schmankerl sind eine Rangliste der "elf schlimmsten Fouls aller Zeiten", eine Statistik der Platzverweise bei Weltmeisterschaften sowie die illustrierte Darstellung aller
Verletzungen von Guido Buchwald. Allein die Übersichtlichkeit leidet bei der Vielschichtigkeit der Darstellung etwas. Zum Nachschlagen ist das Buch daher nicht geeignet. Zur Vorbereitung der
neuen Bundesligasaison lohnt sich die Anschaffung dafür umso mehr.
Stefan Mayr, Dominik Prantl: Grätscher, Terrier, Wasserträger. Die wahren Helden der Fußarbeit, Eichborn Verlag 2010, 12,95 Euro, ISBN: 9783821860831







