Artikel (Archiv) > Bafana, Bafana warten auf ein Wunder

Hauptinhalt

Artikel (Archiv)

Übersicht

Icon   WM-Fieber

Bafana, Bafana warten auf ein Wunder

Jerome Cholet • 22. June 2010

Das WM-Stadion von Kapstadt - gebaut für die Europäer?, Foto: picasaweb.google.com/Suedafrikandi cc-by-nc-nd-3.0
Das WM-Stadion von Kapstadt - gebaut für die Europäer?, Foto: picasaweb.google.com/Suedafrikandi cc-by-nc-nd-3.0

Die Weltmeisterschaft in Südafrika hatte für die Nationalmannschaft Bafana, Bafana eigentlich gut begonnen. Im Eröffnungsspiel konnte sie gegen die Mexikaner erst durch das Tor von Siphiwe Tshabalala in Führung gehen. Am Ende kam es zu einem unentschieden gegen die als Favoriten gehandelten Nordamerikaner.

Doch im zweiten Spiel, gegen Uruguay, waren die südafrikanischen "Jungs" nervös und ungeordnet, teilweise einfallslos. Es fehlte an Passgenauigkeit und Spielwitz, schließlich traf Diego Forlán zwei Mal ins südafrikanische Tor und die Südamerikaner verwandelten noch einen Elfmeter zum 3:0. Der südafrikanische Torwart Itumeleng Khune erhielt die rote Karte.

Der ursprünglichen Euphorie folgte Ernüchterung. Wieder bleibt nur das Hoffen auf ein Wunder. Denn nun muss Bafana, Bafana gegen Frankreich gewinnen, das den siebten Platz im FIFA-Ranking einnimmt. "Das Spiel gegen Uruguay hat uns zugesetzt, auf dem Rückweg vom Stadion haben alle geschwiegen," sagt Mittelfeldspieler Teko Modise, "aber wir werden wieder auf die Beine kommen und Frankreich schlagen."

Die französische Nationalmannschaft ist selber tief zerstritten. Der Vize-Weltmeister verlor gegen Mexiko 0:2, gegen Uruguay spielte die Equipe Tricolore 0:0. Stürmer Nicolas Anelka wurde suspendiert, am Ende kam es zu einem Streik der Mannschaft beim Training und Coach Raymond Domenech ist entmachtet. Das könnte die letzte Chance für den Gastgeber Südafrika sein, dessen Straßenverkäufer derzeit auf ihren Fanartikeln sitzen bleiben. Bafana, Bafana müsste auf jeden Fall gegen Frankreich gewinnen und die beiden amerikanischen Teams sich haushoch schlagen, damit Südafrika noch über die Tordifferenz eine Chance hat. Abwehrspieler Tsepo Masilela hofft: "Wir werden unser Bestes geben, um uns und die Fans stolz zu machen. Wer weiß, wenn wir siegen, werden Wunder geschehen."

Vuvuzelas, des einen Freud, des anderen Leid

Der südafrikanische Torwart Itumeleng Khune hofft auf die Kraft der Vuvuzelas, der Plastiktröten. "Je lauter, desto besser für uns," sagt er. Alle anderen Mannschaften mussten sich erst einmal an den Klang gewöhnen. Die südafrikanischen Stadien brummen wie ein Schwarm Hornissen. Weltweit kam es zu zahlreichen Beschwerden, von Fans, Fernsehanstalten und Zuschauern.

Der Kapitän der französischen Nationalmannschaft Patrice Evra fand in dem Lärm auch die Ursache des schlechten Abschneidens seiner Elf. "Das Problem ist, das wir uns auf dem Platz nicht verständigen können," so Evra. "Fußball ist auch Kommunikation. Und bei diesem Krach der Vuvuzela ist es schwer, mit deinem Mitspieler zu sprechen," pflichtete ihm sein argentinischer Kollege Javier Mascherano bei.

Die Diskussionen um ein Verbot der Vuvuzelas ebbten jedoch ebenso schnell ab, wie sie gekommen waren. Die Südafrikaner verteidigen sie als Kulturgut und Beitrag zur afrikanischen Identität des Turniers. FIFA-Chef Sepp Blatter stimmte zu. "Ich wüsste nicht, warum Fans in ihrem eigenen Land mit Traditionen brechen müssen. Ich habe immer gesagt, dass Afrika einen anderen Rhythmus; einen anderen Sound hat."

Während der Nationalhymnen und der offiziellen Stadiondurchsagen schweigen die Tröten nun, die Sportkommentatoren wurden mit Mundmikrofonen ausgestattet, die Übertragung erfolgt mit einem besonderen Filter. Ein Hersteller der Vuvuzelas kündigte an, die Mundstücke zu verändern, um die Tröten leiser zu machen. Und die Absatzzahlen brechen immer neue Rekorde.

Insgesamt gute Stimmung


Allen anfänglichen Befürchtungen zum Trotz konnte die südafrikanische Tourismusbehörde nun doch zufrieden stellende Besucherzahlen verkünden. Insgesamt seien in den ersten beiden Juniwochen 456.000 Besucher ans Kap gekommen, also sechstausend mehr als erwartet. Die Zahl der Last-Minute-Reisen sei stark angestiegen. Und auch die FIFA zeigte sich mit durchschnittlich 86.000 Zuschauern in den Stadien durchaus zufrieden. Die Restaurants sind voll, in den Bars wird ausgelassen gefeiert und die Stimmung ist überschwänglich.

Große Sicherheitsprobleme blieben bislang aus, die Gäste empfinden Südafrika als kompetenten und sympathischen Gastgeber. "Die Menschen stehen hinter der Weltmeisterschaft, er herrscht überall große Freude," sagt der Sprecher des Organisationskommitees Rich Mkhondo, "die Stimmung wird bis zum Finale gut sein." Ob diesem Versprochen geglaubt werden kann, zeigt sich jetzt bei dem Spiel gegen Frankreich.


Inhalt rechte Spalte

 

Hauptinhalt 2

Buchtipp

Econ Verlag

Icon Rezension; Rudolf Hickel: „Zerschlagt die Banken"

„Zerschlagt die Banken"

Icon Rezension; Hans-Christian Jasch: „Staatssekretär Wilhelm Stuckart und die Judenpolitik"

Massenmord, geplant von Beamten

Icon Kathrin Hartmann: "Wir müssen leider draußen bleiben"

Von der Politik über den Tisch gezogen

Icon Rezension; Alexander Dill: „Gemeinsam sind wir reich"

Mehr Sozialkapital

Interview

Eren Güvercin

Icon Eren Güvercin im Interview

„Ich habe nie ein Identitätsproblem gehabt“

Icon Interview mit Frank Mentrup

Lust auf den Wechsel

Icon Interview mit dem Deutsch-Iraner Omid Pouryousefi

"Viele haben die Nase voll"

Icon Interview mit Katja Kullmann

„Dann ist da diese andere europäische, große Idee, die wir Sozialdemokratie nennen“

Veranstaltung

vorwärts-Fest in Bayern

Icon vorwärts-Fest

„Der Wandel in Bayern hat angefangen!“

Icon Buchvorstellung

Naziverbrecher ohne Reue

Icon Fotoausstellung im Willy-Brandt-Haus

Das kulturelle Gesicht Afghanistans

Icon Bildungspolitik

Gleiche Chancen für alle?

Kolumne

Icon Willst du mit mit (wählen) gehen?

Das Allerletzte von Martin Kaysh

Icon Notiert von Uwe Knüpfer

Berliner Tagebuch

Icon Abzug aus Afghanistan

Global gedacht von Rafael Seligmann

Icon Notiert von Uwe Knüpfer

Berliner Tagebuch

Filmtipp

 „Genug der Farce“, sagt sich Monsieur Demanet.

Icon Film der Woche: Kill me please

Selbstmord inklusive

Icon Film der Woche: Die Vermissten

Mit dem Rücken zum Nichts

Icon Film der Woche: Medianeras

Wir sind die Stadt

Icon Film der Woche: Ufo In Her Eyes

„Ein ideologischer Schrottplatz“