Die Weltmeisterschaft in Südafrika hatte für die Nationalmannschaft Bafana, Bafana eigentlich gut begonnen. Im Eröffnungsspiel konnte sie gegen die Mexikaner erst durch das Tor von Siphiwe
Tshabalala in Führung gehen. Am Ende kam es zu einem unentschieden gegen die als Favoriten gehandelten Nordamerikaner.
Doch im zweiten Spiel, gegen Uruguay, waren die südafrikanischen "Jungs" nervös und ungeordnet, teilweise einfallslos. Es fehlte an Passgenauigkeit und Spielwitz, schließlich traf Diego
Forlán zwei Mal ins südafrikanische Tor und die Südamerikaner verwandelten noch einen Elfmeter zum 3:0. Der südafrikanische Torwart Itumeleng Khune erhielt die rote Karte.
Der ursprünglichen Euphorie folgte Ernüchterung. Wieder bleibt nur das Hoffen auf ein Wunder. Denn nun muss Bafana, Bafana gegen Frankreich gewinnen, das den siebten Platz im FIFA-Ranking
einnimmt. "Das Spiel gegen Uruguay hat uns zugesetzt, auf dem Rückweg vom Stadion haben alle geschwiegen," sagt Mittelfeldspieler Teko Modise, "aber wir werden wieder auf die Beine kommen und
Frankreich schlagen."
Die französische Nationalmannschaft ist selber tief zerstritten. Der Vize-Weltmeister verlor gegen Mexiko 0:2, gegen Uruguay spielte die Equipe Tricolore 0:0. Stürmer Nicolas Anelka wurde
suspendiert, am Ende kam es zu einem Streik der Mannschaft beim Training und Coach Raymond Domenech ist entmachtet. Das könnte die letzte Chance für den Gastgeber Südafrika sein, dessen
Straßenverkäufer derzeit auf ihren Fanartikeln sitzen bleiben. Bafana, Bafana müsste auf jeden Fall gegen Frankreich gewinnen und die beiden amerikanischen Teams sich haushoch schlagen, damit
Südafrika noch über die Tordifferenz eine Chance hat. Abwehrspieler Tsepo Masilela hofft: "Wir werden unser Bestes geben, um uns und die Fans stolz zu machen. Wer weiß, wenn wir siegen, werden
Wunder geschehen."
Vuvuzelas, des einen Freud, des anderen Leid
Der südafrikanische Torwart Itumeleng Khune hofft auf die Kraft der Vuvuzelas, der Plastiktröten. "Je lauter, desto besser für uns," sagt er. Alle anderen Mannschaften mussten sich erst
einmal an den Klang gewöhnen. Die südafrikanischen Stadien brummen wie ein Schwarm Hornissen. Weltweit kam es zu zahlreichen Beschwerden, von Fans, Fernsehanstalten und Zuschauern.
Der Kapitän der französischen Nationalmannschaft Patrice Evra fand in dem Lärm auch die Ursache des schlechten Abschneidens seiner Elf. "Das Problem ist, das wir uns auf dem Platz nicht
verständigen können," so Evra. "Fußball ist auch Kommunikation. Und bei diesem Krach der Vuvuzela ist es schwer, mit deinem Mitspieler zu sprechen," pflichtete ihm sein argentinischer Kollege
Javier Mascherano bei.
Die Diskussionen um ein Verbot der Vuvuzelas ebbten jedoch ebenso schnell ab, wie sie gekommen waren. Die Südafrikaner verteidigen sie als Kulturgut und Beitrag zur afrikanischen Identität des
Turniers. FIFA-Chef Sepp Blatter stimmte zu. "Ich wüsste nicht, warum Fans in ihrem eigenen Land mit Traditionen brechen müssen. Ich habe immer gesagt, dass Afrika einen anderen Rhythmus; einen
anderen Sound hat."
Während der Nationalhymnen und der offiziellen Stadiondurchsagen schweigen die Tröten nun, die Sportkommentatoren wurden mit Mundmikrofonen ausgestattet, die Übertragung erfolgt mit einem
besonderen Filter. Ein Hersteller der Vuvuzelas kündigte an, die Mundstücke zu verändern, um die Tröten leiser zu machen. Und die Absatzzahlen brechen immer neue Rekorde.
Insgesamt gute Stimmung
Allen anfänglichen Befürchtungen zum Trotz konnte die südafrikanische Tourismusbehörde nun doch zufrieden stellende Besucherzahlen verkünden. Insgesamt seien in den ersten beiden Juniwochen
456.000 Besucher ans Kap gekommen, also sechstausend mehr als erwartet. Die Zahl der Last-Minute-Reisen sei stark angestiegen. Und auch die FIFA zeigte sich mit durchschnittlich 86.000 Zuschauern
in den Stadien durchaus zufrieden. Die Restaurants sind voll, in den Bars wird ausgelassen gefeiert und die Stimmung ist überschwänglich.
Große Sicherheitsprobleme blieben bislang aus, die Gäste empfinden Südafrika als kompetenten und sympathischen Gastgeber. "Die Menschen stehen hinter der Weltmeisterschaft, er herrscht
überall große Freude," sagt der Sprecher des Organisationskommitees Rich Mkhondo, "die Stimmung wird bis zum Finale gut sein." Ob diesem Versprochen geglaubt werden kann, zeigt sich jetzt bei dem
Spiel gegen Frankreich.







