vorwärts.de: Deutschland liegt beim Aufkommen vermögensbezogener Steuern in der OECD im untersten Drittel. Wie erklären Sie sich das?
Matthias Rumpf: In den meisten Ländern, in denen das Aufkommen aus vermögensbezogenen Steuern hoch ist, spielen Steuern auf Grundbesitz oder Transaktionssteuern eine größere
Rolle. Hinter letzterem verbirgt sich meist eine Grunderwerbssteuer.
Das Aufkommen liegt bei 0,9 Prozent des BIP. In Großbritannien liegt es bei über 4 Prozent. Was machen die Briten anders?
In Großbritannien erheben die Kommunen eine Council Tax auf Grundbesitz. Damit werden kommunale Aufgaben finanziert. Teilweise sind das auch Dienstleistungen, die in Deutschland über
Gebühren abgerechnet werden, wie z.B. die Müllentsorgung. Die Council Tax ist ein fester Betrag, der sich nach dem Wert des Gebäudes richtet. Ab einem bestimmten Gebäudewert ist die Steuer
allerdings gedeckelt. Die Steuer ist damit nicht progressiv sondern ab einer bestimmten Schwelle regressiv: Je größer und edler das Anwesen, umso geringer ist in der Relation zum Wert die Steuer.
Belgien z.B. erhebt hohe Kapitalverkehrssteuern. Wie machen die das?
Hinter dem hohen Aufkommen aus Transaktionssteuern verbirgt sich hier vor allem eine Grunderwerbssteuer. Die ist in Belgien sehr hoch. Allerdings kann man diese Steuer recht leicht umgehen,
wenn etwa im Kaufvertrag nur ein Teil der Kaufsumme ausgewiesen wird, auf den Steuern zu zahlen ist. Diese Praxis ist in Belgien keine Seltenheit.
Die OECD befürwortet eine Erhöhung der Grundsteuern in Deutschland. Warum?
Sie ist leicht zu erheben und die Steuerbasis kann nicht "weglaufen". Außerdem wirken sich Steuern auf Grundbesitz weniger negativ auf Wachstum aus als Unternehmens- oder Einkommensteuern.
Bei der Grundsteuer in Deutschland sind es auch nicht so sehr die Steuersätze die zu niedrig sind, vielmehr werden viele Gebäude für die Grundsteuer zum sogenannten Einheitswert bewertet, der
deutlich unter dem Marktwert liegt. Würde man die Gebäude nach dem Marktwert bewerten, und darauf die bestehenden Steuersätze anwenden, wäre das Aufkommen deutlich höher.
In Luxemburg und der Schweiz sind die Vermögenssteuern relativ hoch. Wie schaffen die das, trotz Steuerwettbewerb?
Die Vermögenssteuern gehen einher mit relativ niedrigen Einkommenssteuern. Man kann leichter reich werden, aber wenn man reich ist, muss man bezahlen.
Zu Erbschafts- und Vermögenssteuern der Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) siehe PDF-Datei im Anhang.







