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Afrikanische Meisterschaft?

Jerome Cholet • 10. June 2010

Das WM-Stadion von Kapstadt - gebaut für die Europäer?, Foto: picasaweb.google.com/Suedafrikandi cc-by-nc-nd-3.0
Das WM-Stadion von Kapstadt - gebaut für die Europäer?, Foto: picasaweb.google.com/Suedafrikandi cc-by-nc-nd-3.0

Die Weltmeisterschaft soll nicht nur ein großes Fußballfest werden, sondern Südafrika zum Durchbruch verhelfen, zum Signal des Aufbruchs in eine bessere Zukunft und den Kontinent von seinem Image der Krise, Krankheiten und Katastrophen befreien. Denn noch immer ist Afrika der Kontinent mit der größten Armut, die Hälfte der Staaten unterhalb der Sahara sind autoritäre Regime, die nicht über freie und faire Wahlen zustande kommen. Die globale Finanzkrise hat auch Afrika schwer zugesetzt und in vielen Staaten wüten Bürgerkriege.

Fußballfreude auf dem Kontinent der Krisen?

Südafrika hingegen kann als Leuchtturm in der Region angesehen werden. Bereits bei den Vorbereitungen zur Weltmeisterschaft konnte es zahlreiche westliche Vorurteile entkräften. Das Land hat vor sechzehn Jahren den friedlichen Wandel zur Demokratie vollzogen, es verfügt über eine weltweit gelobte Verfassungen der Welt und ist nie in einen Bürgerkrieg abgerutscht. Die Stadien stehen, die Sicherheit wurde massiv verbessert und ein neuer High-Tech-Zug wurde eingeweiht. Das Land hat einen finanziellen und architektonischen Kraftakt gemeistert, schneller und effizienter als Staaten wie Portugal oder Spanien. Und die Bevölkerung steht hinter dem Projekt, trotz Armut, Arbeitslosigkeit und Ungleichheit. Südafrika ist das Modellland.

Weltmeisterschaft ohne südafrikanische Fans?

Zwar begann der Kartenverkauf im Land selber schleppend, allerdings reagierten Regierung und FIFA schnell auf die südafrikanischen Eigenheiten. Da noch immer etwa 40 Prozent in Arbeitslosigkeit und etwa 75 Prozent der schwarzen Südafrikaner in Armut leben wurden die Preise gesenkt. "Es ist die preiswerteste Weltmeisterschaft, die die Südafrikaner je erleben werden," sagt Danny Jordann, Chef des FIFA-Organisationskomittees, "wir haben für die Einheimischen eine besondere Kategorie eingerichtet." Das günstigste Ticket kostet 14,- Euro, Karten für das Endspiel kosten allerdings weiterhin etwa 100,- Euro für Südafrikaner.

Auch auf das Problem mit mangelhaften Internetzugängen wurde reagiert. "Ich arbeite im Computerbereich, aber die Webseite der Fifa ist unübersichtlich und kompliziert," sagt Riaan Steyn aus Johannesburg, "als ich wusste, wo ich was ausfüllen muss, waren die Tickets ausverkauft." So richtete die FIFA wieder Vorverkaufsstellen ein, die jubelnd bestürmt worden. Und auch die südafrikanische Nationalmannschaft gibt langsam Anlass zur Hoffnung. In den letzten Testspielen gewann sie gegen Jamaika, Thailand und Guatemala und rutschte damit im FIFA-Ranking sieben Plätze nach oben. Die Südafrikaner sind euphorisch, Freitag wird Bafana, Bafana ("Die Jungs") das Eröffnungsspiel gegen Mexiko austragen.

Ohne afrikanische Fans?

Auf dem restlichen Kontinent hält sich die Vorfreude noch in Grenzen, der Kartenabsatz war gering - obwohl sechs afrikanische Mannschaften spielen - Ghana, Algerien, Elfenbeinküste, Kamerun und Nigeria. "Wir sind enttäuscht," sagt FIFA-Generalsekretär Jerome Valke, "auch gelang uns nicht, in den wichtigsten afrikanischen Metropolen Fanmeilen einzurichten. Das ist sehr bedauerlich." Besuchern aus Afrika standen vor allem Probleme mit dem Internetzugang, mit Einkommensnachweisen und Impfanforderungen entgegen. "Als kenianischer Student bekomme ich keine Kreditkarte, also konnte ich keine Tickets erwerben," sagt Willice Abuya. "Ein Visum für Südafrika zu bekommen ist fast unmöglich," klagt Kofi Nkrumah aus Ghana. "Das ist alles ein Chaos. Die Fifa hätte die afrikanischen Lebensumstände besser berücksichtigen sollen," sagt Soubih Evaristus aus Kamerun, "um mich herum nur Schweigen. Das ist keine afrikanische Weltmeisterschaft."

Die südafrikanische Regierung hat daher ghanaischen und algerischen Fans die Tickets für Flug, Hotels und Eintrittskarten ermäßigt. Die offiziellen Ticketagenturen waren brüskiert, die Kosten für die Subventionen trägt der Kapstaat und damit die südafrikanische Bevölkerung. Doch einige afrikanische Regierungen sind dem Beispiel gefolgt, um ihre Fußball-Nationalmannschaften nicht allein zu lassen. In den umliegenden Staaten, also Botswana, Mosambik und Namibia, ist das Interesse in den letzten Tagen zudem sprunghaft gestiegen. "Wir werden uns dann alle zusammen tun," sagt Rafiu Oladibo von der Afrikanischen Fanunion, "wenn Südafrika spielt, steht ganz Afrika dahinter, wenn Kamerun spielt, jubeln alle Afrikaner Kamerun zu und wenn Nigeria gewinnt, freut sich ganz Afrika für Nigeria."

Sofa-WM statt Soccer-World Cup

Insgesamt hatte Südafrika etwa 480.000 ausländische Fans erwartet, doch nun werden wohl nur rund 300.000 kommen. Viele Hotels bleiben also leer, viele Elefanten unbesucht und ob sich die Weltmeisterschaft am Ende rechnet, ist unklar. Die Anschläge auf das Togolesische Team zum Africa Cup of Nations in Angola im Januar diesen Jahres nährten die Befürchtungen, Sportler und Fans seien auf afrikanischem Boden nicht sicher. Doch lassen sich die angolanische Krisenregion Cabinda und das stabile Südafrika nur schwer miteinander vergleichen. Sie liegen tausende Kilometer voneinander entfernt. "Die beiden Tourniere haben wenig miteinander zu tun," sagt ARD-Auslandskorrespondent Claus Stäcker, "das ist als würde man Zwischenfälle im Kaukasus nutzen, um die Olympischen Spiele 2012 in London in Frage zu stellen."

Südafrika hofft nun, zumindest auf den Bildschirmen überzeugen zu können und die Regierung hat angekündigt, die letzten Plätze in den Stadien am Ende zu verschenken. Das Land trägt eine hohe Verantwortung. Allerdings sollte die erste Weltmeisterschaft auf afrikanischem Boden nicht mit denen in Europa verglichen, sondern in den Kontext der Region gesetzt werden. "Es ist soviel Blödsinn gesprochen und auch geschrieben worden," sagt der deutsche Trainer Rainer Zobel, der die Moloka Swallows, eine Erstliga-Mannschaft aus dem Township Soweto trainiert, "man muss sich an die Regeln halten, die es hier gibt, und dann ist es ein wunderschönes, ein sicheres Land."

Genau eine Woche vor Anpfiff übergab die FIFA dem südafrikanischen Vize-Präsidenten Kgalema Motlanthe die WM-Trophäe, dabei versprach er: "Wir sind noch immer entschlossen, Wort zu halten und eine großartige Weltmeisterschaft abzuliefern. In den Geschichtsbüchern wird stehen, dass die Ausrichtung des Turniers in Südafrika ein Wendepunkt für den Kontinent war." Alle sind also optimistisch, vielleicht ist das schon ein kleiner Sieg.

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