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Zusammenhalt und Respekt

Dagmar Günther • 08. June 2010

Foto: Jana Günther
Foto: Jana Günther

Wenn wir wollen, dass aus Migrantenkindern überzeugte deutsche Staatsbürger werden, dann müssen wir sie für die deutsche Geschichte sensibilisieren", betonte Gerhard Schröder, während der Eröffnung des Ausstellung "7x Jung". In sieben Räumen könnten junge Leute "das Gegenteil von Auswendiglernen von Zahlen im Geschichtsunterricht erleben". "7x Jung" holt sie in ihrer persönlichen Erfahrungswelt ab und konfrontiert sie mit den Auswirkungen des Nationalsozialismus: Antisemitismus, Gewalt, Ausgrenzung, Diskriminierung.

Mein Zimmer, Meine Familie, Meine Musik, Mein Sport, Meine Papiere, Mein Laden, Meine Stadt: 7 ganz persönliche Räume, 7 ganz persönliche Zugänge. Erstmalig wird Jugendlichen bei diesem Projekt auf Augenhöhe begegnet. Was würdest Du machen, wenn Dein Zimmer plötzlich verwüstet wäre, Wenn Deine Familie auseinander gerissen würde, Deine Musik verboten würde, Deine Teamkollegen Dich meiden, Du in Deinem Lieblingsladen nicht mehr einkaufen sollst? Wenn Dein Leben völlig aus den Fugen gerät, weil Du der falschen Religion angehörst?

Mit solchen Fragen müssen sich die jungen Menschen zwei, drei Stunden lang auseinandersetzen. Sie erfahren am eigenen Leib, was es heißt, ausgegrenzt zu sein. Eine harte Lektion. Zeitzeugen berichten von dem, was ihnen widerfuhr. Wie die beste Freundin plötzlich nicht mehr mit ihr redete, nur weil sie Jüdin war, erzählt Marion House, und wie sie ganz beschämt, das Poesiealbum heimlich vor deren Haustür ablegte, weil sie sich nicht mehr traute, etwas hineinzuschreiben.

Nicht weg sehen - aktiv werden

"Längst haben Antisemitismus und Rassismus die Mitte der Gesellschaft erreicht", prangerte Gerhard Schöder an und forderte, "nicht wegzusehen". Die Ausstellung "7xJung" ermutige Menschen, aktiv zu werden, ist sich auch der Vorsitzende des Vereins "Gesicht zeigen" und vorwärts-Chefredakteur Uwe-Karsten Heye sicher. Aus der Geschichte lernen sie für die Gegenwart. Ziel ist es, Menschen zu couragieren und befähigen, sich als Mitmenschen zu verhalten und sich gegen Ungerechtigkeiten zu wehren.

Drei Jahre lang hat das Team um Uwe-Karsten Heye, Sophia Oppermann und Rebecca Weiß engagiert gearbeitet. Die anfangs nebulöse Idee, so Sophia Oppermann, sei zur Herzensangelegenheit geworden. Konstruktive Beschäftigung mit Geschichte sei nötig, um das Heute zu verstehen und das Morgen zu gestalten. Seite März haben Schulklassen die innovative und experimentelle Ausstellung testweise besucht. Sie sei überraschend anders, sind sich alle einig. Der Trainingsplatz für Zusammenhalt und Respekt wird von den jungen Leuten angenommen. Ab 10. Juni ist er für die Öffentlichkeit zugängig. Nach Absprache können Jugendliche ab 12 Jahre und Schulklassen "7xJung" in einem Programm erleben.

Nachahmer und Unterstützer gesucht

Dem Verein "Gesicht zeigen" sei etwas gelungen, das es vorher in dieser Form nicht gab, gratulierte Gerhard Schröder und wünschte dem Projekt viele Nachahmer und Unterstützer. Er dankte der Bahn AG, die die Räumlichkeiten für die Ausstellung in den S-Bahnbögen des Bahnhofs Bellevue in Berlin kostenlos zur Verfügung stellten.

Das Projekt wird im Rahmen des Bundesprogramms "VIELFALT TUT GUT. Jugend für Vielfalt, Toleranz und Demokratie" vom Bundesministerium für Familien, Senioren, Frauen und Jugend, und vom Beauftragten des Berliner Senats für Integration und Migration gefördert und von Sponsoren unterstützt. "Die eindrucksvolle Ausstellung der Initiative 'Gesicht Zeigen!' rüttelt auf: Die Klangcollagen, Fotos und Kunstwerke stellen in äußerst anschaulicher Form eine Verbindung zur NS-Zeit und zu dem Schrecken eines Terrorregimes her", lobte Staatsministerin Maria Böhmer. "Wenn es das Projekt nicht geben würde, müsste es erfunden werden", setze der Berliner Staatsekretär für kulturelle Angelegenheiten André Schmitz noch einen drauf. Jeanette Biedermann, die neben Stephanie Stumph, Jette Joop u.v.a. Prominenten dabei war sagte: "Jung, modern, innovativ. Mir gefällt das hier."

Mögen viele junge und auch ältere Menschen die Chancen nutzen, sich mit dem Nationalsozialismus ganz persönlich, sehr emotional und tiefgründig auseinanderzusetzen und ihre Schlussfolgerungen ziehen, viele Lehrerinnen und Lehrer mit ihren Schulklassen hierher kommen.

7xJung Öffnungszeiten: ab 10. Juni Donnerstag bis Sonntag 14 bis 18 Uhr. Halbtagsprogramm mit kulturpädagogischer Begleitung werktags von 9 bis 13 Uhr, nur mit Anmeldung, Tel 030/303080825 
ausstellung@gesichtzeigen.de
www.7xjung.de
www.gesichtzeigen.de

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