Kostenlose Eintrittskarten, gefälschte Tickets und Fans, die nach Behördenangaben ganz ohne Karte ins Stadion zu kommen versuchten, stürzten das Stadion neben dem Township Tembisa ins Chaos. Obwohl die Arena bereits nach dem ersten Einlass voll war, öffnete die Polizei ein zweites Mal die Tore. Niemand hatte mit derartig großem Interesse der Fans an dem Freundschaftsspiel gerechnet. Das Stadion fasst lediglich 10.000 Zuschauer, insgesamt warteten noch etwa 1.500 weitere Fußballenthusiasten vor den Toren.
Schlechte Vorzeichen für die erste Weltmeisterschaft auf afrikanischem Boden?
Der zuständige Polizeisprecher Sally de Beer erklärte, das Match wurde von einer privaten Sicherheitsfirma überwacht. "Das Stadion gehört nicht zu den Austragungsstätten der Weltmeisterschaft,
das Hauptproblem war, dass es bei den Karten zu Fälschungen kam, zahlreiche Fans wollten ohne Karten eingelassen werden," so der Sprecher.
Unter dem Ansturm brach ein Einganstor zusammen und begrub einige Zuschauer, andere wurden niedergetrampelt als gerade die Nationalhymnen spielten. Das Match wurde schließlich unterbrochen.
"Die Polizei bat mich, das Spiel kurz abzupfeifen, weil es zu Unruhen und Verletzungen kam," sagte Schiedsrichter Steve Goddard. Allerdings währte die Pause nur einige Minuten, auch nach der
ersten Halbzeit kam es dann wieder zu Chaos.
Bislang wurde in Südafrika vor allem diskutiert, ob das Land für den Ansturm der Touristen aus aller Welt gerüstet sei. Immerhin sind Armut und Kriminalität weit verbreitet. Pro Tag kommt
es zu 50 Morden, im Jahr etwa 18.000. Alle paar Minuten wird eine Frau vergewaltigt, alle paar Sekunden ein Mensch bestohlen. Doch mit insgesamt 190.000 neuen Polizisten und modernster Technik
soll dem nun Einhalt geboten werden.
Im Vordergrund steht nun die Sicherheit in und um die Stadien
In den letzten fünf Jahren wurden fünf neue Arenen nach internationalem Standard gebaut, vier wurden komplett überholt. Der Kapstaat investierte etwa 3,3, Milliarden Euro in die
Infrastruktur. Mehr als 30.000 Sicherheitskräfte wurden allein für die Sicherheit in und um den Stadien neu eingestellt und speziell für die Absicherung des Weltsportereignisses geschult.
Nach dem Freundschaftsspiel zwischen Nigeria und Nordkorea erhobt ein Polizist, der nicht genannt werden wollte, jedoch schwere Vorwürfe gegen den Fußball-Weltverband FIFA: "Der Verband hat
gewollt, dass der Eintritt gratis ist. Das haben sie nun davon." FIFA-Sprecher Rich Mkhondo entgegnete, "das Freundschaftsturnier stünde in keiner Beziehung zu den Vorbereitungen und der
Organisation der Weltmeisterschaft 2010 und die FIFA habe auch keinen Einfluss auf die Eintrittskartenvergabe gehabt."
Journalisten kritisierten, dass nicht genügen Sicherheitskräfte vor Ort gewesen wären und dass ein Spiel eines so beliebten afrikanischen Teams wie Nigeria besser hätte überwacht werden
müssen. Mehr als 50.000 Nigerianer leben in Südafrika, Tausende kommen als Besucher zur Weltmeisterschaft, zudem liegt das Makhulong-Stadion direkt neben einem armen Township. Die etwa 3,5
Millionen Euro, die in die Instandsetzung der Spielstätte geflossen seien, waren nicht ausreichend.
Mit den Verletzungen vom Wochenende sind erneute Zweifel an Südafrikas Fähigkeiten das größte Sportereignis der Welt auszutragen, aufgeflammt. Auch in dem Fußballcamp der argentinischen
Nationalmannschaft bei Pretoria soll es zu Unruhen gekommen sein, als die Menschen aus der Nachbarschaft einem Training zusehen wollte.
Kostenlose Tickets trugen zu Verwirrung bei
Immerhin bleibt vielen Südafrikanern keine andere Möglichkeit an der Weltmeisterschaft anders teilzuhaben. Das Chaos um kostenlose Tickets für die Freundschaftsbegegnung Nigeria und
Nordkorea hat das Pulverfass Makhulong explodieren lassen. "Die Teams verteilten die Eintrittskarten vor dem Match. Teilweise wurden dann einfache Kopien vorgezeigt, manche versuchten ganz ohne
Karte hineingelassen zu werden. All das schürte die Emotionen und führte zu Verwirrung," so ein Polizeisprecher.
Gerade in den Townships ist die Arbeitslosigkeit hoch, etwa 40 Prozent der Gesamtbevölkerung sind ohne Beschäftigung. WM-Eintrittskarten kosten mindestens 14,- Euro, das durchschnittliche
Einkommen einer südafrikanischen Angestellten beträgt etwa 100,- EUR. Und die sonst lukrativen Geschäfte vor den Stadien und den Fanmeilen, wo viele Südafrikaner Fanartikel oder Getränke
verkauften, um sich selber noch einen Platz bei den Tournieren zu finanzieren, wurden von der FIFA untersagt. Die großen Sponsoren bestehen darauf, dass nur ihre Produkte vertrieben werden.
Insgesamt kein Grund zur Panik
Bislang ist es Südafrika immer gelungen, zahlreiche Sport- und Politikveranstaltungen von Weltbedeutung erfolgreich über die Bühne zu bringen, darunter den UN-Gipfel für nachhaltige
Entwicklung 2002, die Rugby-Weltmeisterschaft 1995 und die Cricket-Weltmeisterschaft 2003. In den WM-Stadien sollen die Sicherheitspläne noch einmal überprüft werden, jedes soll zudem ein oder
zwei mobile Polizeizentren erhalten. Das WM-Organisationskomitee rief daher zu Ruhe und Gelassenheit auf: "Wir freuen uns über den Zuspruch und die Euphorie, aber wir bitten die Südafrikaner
darum, nicht ohne Karten in die Stadien oder in die Trainingscamps zu gehen." Am Freitag ist Anpfiff des ersten Spiels Mexiko gegen Südafrika. Bis dahin sollen auch die Vorfälle im
Makhulong-Stadion geklärt sein. Übrigens gewann Nigeria mit 3:1.







