Ein idealtypisches Netzwerk am Schnittpunkt von Sport und Gesellschaft - gibt es das? Und wenn ja, wie muss es aussehen? Wie können Eltern stärker in die Integrationsarbeit einbezogen werden
und welche Möglichkeiten habe ich, wenn es in meinem Verein zu Problemen mit Rassismus und Gewalt kommt? In Augsburg haben sich am 16. und 17. April über 80 Vertreter aus Sport, Verbänden,
Initiativen und Politik getroffen, um bei der Fachtagung "Sport und Gesellschaft - Wege zu Dialog und Vernetzung" darüber ins Gespräch zu kommen.
Ausgangspunkt der Fachtagung war eine Initiative der DFB-Arbeitsgruppe "Für Toleranz und Anerkennung und gegen Rassismus und Diskriminierung". Die wollte wissen: Wenn wir für Toleranz im
Sport werben, wenn wir Initiativen, Amateurvereine und ehrenamtlich Engagierte ins Boot holen wollen - wie muss dann ein gut funktionierendes Netzwerk aussehen? Welcher Strukturen bedarf es, um
genau jene zu entlasten, aber auch zu informieren, die ihre Freizeit Kindern und Jugendlichen zur Verfügung stellen, im Sport und darüber hinaus?
Zu diesen Punkten wurden Fragebögen entwickelt und in Sachsen und Bayern an Akteure im Sport und in der Zivilgesellschaft versandt. Als Ergebnis der Aktion wurde festgehalten, dass ein
deutliches Interesse an intensiver Vernetzung, aber auch Bedarf an mehr Informationen über die bestehenden Möglichkeiten besteht. Die vom Bündnis für Demokratie und Toleranz und dem Bayrischen
Fußball-Verband (BFV) organisierte Fachtagung bot dafür erste Ansatzpunkte.
Defizite in der Zusammenarbeit
Zu Beginn der Tagung kamen verschiedene Akteure aus der Landes- und Bundespolitik, aus Verbänden und Sportvereinen und dem Sponsorenumfeld zusammen. So diskutierten neben anderen Rainer
Koch, Präsident des BFV und Gregor Rosenthal, Geschäftsführer des Bündnisses für Demokratie und Toleranz (BfDT ) mit Ekkehard Mutschler, Vorstand des Deutschen Kinderschutzbunds Bayern sowie Ingo
Krüger von der Sportjugendstiftung der bayrischen Sparkassen.
Nebi Uzun vom Verein Türkspor Augsburg verwies dabei auf Defizite in der Zusammenarbeit: "Auf mich kam noch kein anderer Verein mit dem Angebot auf mich zu, bei diesem Thema verstärkt
zusammen zu arbeiten. Aber gerade das ist wichtig. Jeder tut allein etwas auf dem weiten Feld der Integration, aber nur zusammen erreichen wir auch wirklich etwas."
In den Vereinen herrscht ein "Die und Wir" vor
In Workshops zu den Themen "Elternarbeit in Vereinen und sozialen Einrichtungen", "Für Toleranz gegen Rassismus - zivilgesellschaftliche Erfahrungen, Modelle und Chancen für den Fußball"
oder "Sind Vereine offen für alle?" - Wege zur Öffnung der traditionellen und der eigenethnischen Vereine" diskutierten die Tagungsteilnehmer miteinander. Zur Sprache kam dabei in allen
Workshops, dass in den Vereinen häufig ein "Die und Wir" vorherrsche. So arteten eher unbedeutende Spiele oft zu regelrechten Länderspielen aus. Deutsche und Migranten oder auch Deutsche mit
Migrationshintergrund untereinander wüssten oft nicht, wie sie einander begegnen sollen. Und vieles hängt dabei an der Sprache, aber nicht nur.
Es komme auch auf den Ton, die Gelegenheit und die Offenheit gegenüber dem vermeintlich "Anderen" an, hieß es bei den teilweise intensiv geführten Diskussionen und der Präsentation der
Workshop-Ergebnisse. So kann beispielsweise eine Trommel-Gruppe beim Fußball-Turnier auftreten oder bei gemeinsamen Festen können Kulturen über das Lieblingsessen und traditionelle Musik
vermittelt werden. Möglichkeiten gibt es viele. Doch müssen sie auch genutzt und vor allem durch den persönlichen Kontakt vermittelt werden.
Den Ehrenamtlichen vor Ort Strukturen zur Verfügung stellen
Dies zu erreichen, ist das Ziel eines so genannten "idealtypischen Netzwerks", wie es auch in einem der Workshops diskutiert wurde. Oft scheitern gute Ideen am Mangel an Geld und starken
Kooperationspartnern. Hier sollen über Verbände, die Politik, aber auch das Engagement der Sportvereine und Initiativen vor Ort stabile Netzwerke entstehen, die es schaffen, bei Bedarf gemeinsam
Lösungen zu erarbeiten.
Dass solch ein Netzwerk nie fertig sein kann, verdeutlichte schließlich Gregor Rosenthal vom Bündnis für Demokratie und Toleranz: "Ein festes idealtypisches Netzwerk wird es nie geben, denn
dieses entwickelt sich stetig und dynamisch mit der Gesellschaft weiter. Was wir aber schaffen können und müssen, ist, den vielen Ehrenamtlichen vor Ort Strukturen und eine gewisse Basis zur
Verfügung zu stellen mit der sie schnell und effektiv Problemen mit Rassismus und Gewalt begegnen können. Augsburg ist dafür ein guter Auftakt.
Der Text erscheint mit freudlicher Genehmigung des "
Blick nach Rechts"







