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Susanne Schmidt: Großbanken zerschlagen

André Weikard • 21. April 2010

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Das ist keine Abrechnung mit gierigen Bankenmanagern und keine Analyse der großen Krise und will es auch gar nicht sein. Susanne Schmidt, selbst jahrelang Mitarbeiterin bei der Deutschen Bank in London, hat sich um eine verständliche Darstellung bemüht. Sie erzählt ganz vertraut von "the City" und meint damit das Londoner Finanzzentrum, das zweitgrößte nach der New Yorker Wall Street. Davon, wie schwer es gewesen sei, als Frau in der Männerdomäne Bankensektor Fuß zu fassen und wie sich das Geschäft in den letzten Jahrzehnten verändert habe. Mitte der 80er Jahre, so Schmidt, sei die Finanzialisierung an die Stelle der Industrialisierung getreten. Die Spekulation habe die Industrie als wichtigsten Wirtschaftszweig abgelöst.

Notenbanken tragen Mitschuld

Schmidt zeichnet die Geschehnisse der Krise von der US-Immobilienblase über den Zusammenbruch der Lehmann-Bank bis zu den Rettungsmaßnahmen der Regierungen in aller Welt nach. Sie beschreibt das Vergütungssystem im Investmentbanking und verteilt ausgewogene Schelte an Aufsichtsbehörden, Notenbanker und Spekulanten. Aber sie erzählt auch davon, wie sie die Krise ganz persönlich erlebt hat. "Ich hatte Angst" heißt ein Kapitel. Angst, so Schmidt, habe sie um die Jobs ihrer Kinder gehabt, um die eigene Altersvorsorge und um die gesellschaftlichen Folgen. Sie verrät, was sie selbst mit ihren Anlagen gemacht hat und ärgert sich, dass die Banken heute wieder mit geringen Notenbank-Zinssätzen "gepäppelt" werden. Schließlich habe die Geldschwämme der letzten Jahre die Krise erst möglich gemacht.
Bei der Buchvorstellung im Berliner Kaufhaus Dussmann verlangt sie mehr Ressourcen für die Aufsichtsbehörden, die überfordert gewesen seien und eine unabhängige Ratingagentur. Die könnte etwa beim IWF oder der OECD angesiedelt sein. Mehr Staat will die Kanzler-Tochter nicht. Das Versagen der Landesbanken zeige, dass Politiker nicht die besseren Banker seien und die teilweise Verstaatlichung des Finanzsektors wieder zurückgeführt werden müsse.

Regulierung muss "zu Potte kommen"

Stattdessen kann sie sich vorstellen, große Institute zu zerschlagen. Die Banken hätten sich zu sehr darauf verlassen, für das System unentbehrlich zu sein. Damit habe man ihnen eine "implizite Staatsgarantie" gegeben und sie zum riskanten Wirtschaften ermutigt. Obamas Vorschlag, Versorger-Banken, die für Kreditvergabe, Zahlungsverkehr und Spareinlagen zuständig sind, von der Investmentsparte zu trennen, gefällt ihr. Die Eigenkapitaldeckung müsse erhöht, das Bonus- durch ein Malus-System ergänzt und auf Nachhaltigkeit ausgerichtet werden. Vor allem aber müsse die internationale Regulierung endlich "zu Potte kommen."
Wenn sie diese Fragen mit ihrem Vater diskutiere, so Schmidt bei der Buchvorstellung in Berlin, seien beide sich meist einig. Politikerin habe sie nie werden wollen. So gar keine Freizeit zu haben, wie sie es bei ihm beobachtet habe, das hätte sie abgeschreckt. Abschrecken muss ihr Buch niemanden. Susanne Schmidt nimmt ihre Leser an die Hand zur geführten Tour durch den Finanzdschungel. Und wer doch mal die Orientierung verliert, der schlägt eben im Glossar nach. Da sind Branchentermini von "Bad Bank" bis "Zweckgesellschaft" verständlich erklärt.

Susanne Schmidt: Markt ohne Moral. Droemer, München 2010, 208 Seiten, 19,95 Euro, ISBN 978-3-426-27541-2

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