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Bildungsarmut bekämpfen

André Weikard • 15. April 2010

Ernüchternde Ergebnisse: Jeder fünfte Schüler ein "funktionaler Analphabet" Foto: pixelio.de/S. Hofschlaeger
Ernüchternde Ergebnisse: Jeder fünfte Schüler ein "funktionaler Analphabet" Foto: pixelio.de/S. Hofschlaeger

In ihrem Beitrag zur ver.di-Vortragsreihe "sicht.weisen" erläuterte Solga, Bildungsarmut betreffe nicht nur jene 7,9 Prozent der Bevölkerung, die überhaupt keinen Schulabschluss erwerben, sondern sie betreffe schon einen großen Teil der Hauptschüler. 79 Prozent von ihnen finden keinen regulären Ausbildungsplatz. Jeder zweite von ihnen lande nach der Schule in einer Übergangsmaßnahme, andere versuchten, sich schulisch weiterzubilden. Die PISA-Studie habe auch nachgewiesen, dass mehr als zwanzig Prozent der deutschen Schüler nur die unterste Kompetenzstufe erreichten, wenn es um ihre Lesefähigkeit gehe. Die Studie klassifiziert sie als "funktionale Analphabeten".
Risikofaktoren für schulisches Versagen seien weiterhin Bildungsferne der Eltern, Migrationshintergrund und eine hohe Anzahl von Geschwistern. So scheitern Kinder von Eltern mit Hauptschulabschluss zu zwanzig Prozent an den schulischen Anforderungen und gehen ohne Abschluss von der Schule ab. Jedes dritte Migrantenkind hat auch drei Jahre nach dem Verlassen der Schule noch keinen Job gefunden, bei der Gesamtkohorte trifft das nur auf zehn Prozent zu.

Chancengleichheit reicht nicht aus

Die Benachteiligung bestimmter Gruppen verfestige sich dann von der Schule über die Ausbildung bis ins Berufsleben. Dieser Zusammenhang sei in keinem Land so stark ausgeprägt wie in Deutschland. Solga hält die Forderung nach Chancengleichheit für ungenügend. So werde die soziale Auslese nur durch eine genetische ersetzt. Selbst bei annäherungsweise erlangter Chancengleichheit könnten sich nur die Geschicktesten und Klügsten durchsetzen. Die anderen würden weiterhin von Lebenschancen ausgeschlossen. Stattdessen müsse eine Verringerung der Bildungsarmut angestrebt werden. Es sei eine gesellschaftlich Notwendigkeit, angesichts sinkender Geburtenraten die Potentiale des gesamten Nachwuchses auszuschöpfen und nicht nur die einiger Privilegierter. Zu den Maßnahmen, die Solga vorschlägt, gehört die Einführung der Ganztagsschule mit intensiver individueller Betreuung. Dabei müssten die Lehrer von Sozialpädagogen unterstützt werden, um Defizite, die in den Familien entstanden sind, zu kompensieren.

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