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Icon   Tagung zum 175. Todestag Wilhelm von Humboldts

Bildungsreformer und Sprachforscher

André Weikard • 12. April 2010

Die Humboldt-Universität in Berlin Foto: pixelio.de/Michael Berger
Die Humboldt-Universität in Berlin Foto: pixelio.de/Michael Berger

"Universalität und Individualität" lautete das Motto der internationalen Tagung vom 8. bis zum 10. April. Vortrug unter anderen Denis Thouard, Professor für Kulturwissenschaften an der Universität Lille. Der beschrieb Humboldts Sprachforschungen als Ausdruck seines politischen Liberalismus. Humboldt, der sich schon lange für Sprachen interessiert habe, bevor er begonnen habe, sie systematisch zu studieren, habe alle Sprachen als Gleichwertig anerkannt. Das sei für eine Epoche, in der das Sprachstudium in erster Linie zum Nachweis der Überlegenheit der eigenen Nationalsprache gedient habe, eine Besonderheit. Trotz aller Versuche, die Sprache nach ihrem Verwandtschaftsgrad oder Ähnlichkeiten zu gruppieren, habe er immer darauf bestanden, die Einzelsprache in ihrer Einzigartigkeit wahrzunehmen. Jede Sprache, so Humboldt, sei in der Lage, alle Mittel zur Verfügung zu stellen, die der Sprecher brauche, um sich auszudrücken. Humboldts aufgeschlossene Haltung gegenüber den Sprachen, so Thouard, entspreche seinem bildungspolitischen Konzept und seine liberalen Auffassung in Bezug auf die Ausübung von Religion und die Notwendigkeit von Rechtsstaatlichkeit.

Sprache als "geistige Individualität"

Tilman Borsche, Philosoph an der Universität Hildesheim, betonte den Stellenwert, den Humboldt der Sprache eingeräumt habe. Der Mensch sei "nur Mensch durch Sprache" zitiert er den frühen Sprachforscher. Der habe Sprache in Analogie zu einem Individuum beschrieben, als "geistige Individualität". Auch wenn alle Sprachen Gemeinsamkeiten hätten, so entstehe doch jede in einem bestimmten historischen Zusammenhang, weise Aufstieg, Blüte und Verfall auf, sei in ihrer Melodie, ihrem Wortschatz und ihren Kategorien dynamisch. Die Metapher von der lebendigen Sprache diene auch dazu, zu veranschaulichen, dass Sprachen unterschiedliche Entwicklungsgrade aufweisen. Die Einzelsprache verhalte sich damit wie ein Individuum sich zu seiner Art verhalte. Sie sei das "Medium der Bildung" und sei immer Gemeingut. Nur unter Anleitung werde sie weitergegeben und nur mit einem Gegenüber, das verstehen kann, mache der Sprechakt Sinn. Bei aller Vorprägung durch die Tradition sei es immer noch dieser einzelne Sprechakt, der sie zum Leben erwachen lasse, der einzelne Sprecher, der ihr Gestalt verleihe.

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